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Heute Nacht brauche ich Liebe

Heute Nacht brauche ich Liebe

Titel: Heute Nacht brauche ich Liebe
Autoren: Donna Carlisle
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verständnisvoll.
    Hätte Red irgendwelche Güter nach Juneau fliegen sollen - Briefe, Pakete oder elektronische Teile - er hätte nicht gezögert, die Herausforderung anzunehmen. Auch wenn es sich um einen Arzt gehandelt hätte, der ein lebenswichtiges Serum in seiner Tasche trug, er hätte nicht lange überlegt; sondern das Risiko auf sich genommen und ihn unversehrt an seinen Bestimmungsort gebracht.
    Nicht umsonst hatte er Robert ,Red’ Worthington, sich den Ruf als der wagemutigste Pilot Alaskas verdient, mit einer Tollkühnheit, die manchmal schon an Leichtsinn grenzte. Für ihn war das Fliegen eine einzige Herausforderung. Mit seinem Hubschrauber war er an den unzugänglichsten Stellen gelandet. Einmal hatte er die höchsten Gipfel Alaskas überflogen mit einer Eisschicht auf den Tragflächen, die so dick war, dass er sie mit bloßem Auge hatte sehen können. Und eines Nachts hatte er trotz eines totalen Instrumentenausfalls den Flug fort-geführt und hatte sich nur über Sprechfunk orientiert.
    Jede Minute dieser außergewöhnlichen Ereignisse hatte er genossen. Wann sonst konnte man auf so intensive Weise fühlen, wie einem das Adrenalin durch den Körper schoss? Wann erlebte man schon, dass einem vor Angst das Herz fast stehen blieb? Es reizte ihn, dem Tod ins Auge zu sehen. Und welche Befriedigung bereitete es ihm, wenn er es dann doch schaffte, die Umstände zu bezwingen, das Unmögliche zu erreichen. Manche hielten ihn für einen Piloten, der die Herausforderung regelrecht suchte. Wahrscheinlich hatten sie mit ihrer Ansicht sogar recht, denn er ging keinem Risiko aus dem Weg. Sich immer nur auf der sicheren Seite zu wiegen, empfand er als langweilig.
    Doch kurz nachdem er Joan kennen gelernt hatte, begann sich seine Einstellung zu ändern. Anfangs hatte er das kaum bemerkt, doch mit jedem Flug nahm er es stärker wahr. Fliegen war reine Instinktsache. Das konnte ein Laie nicht verstehen. Die Bordinstrumente waren eine angenehme Hilfe und im Tower saß immer jemand, mit dem man sich unterhalten konnte, wenn man sich einsam fühlte, aber das eigentliche Fliegen geschah rein gefühlsmäßig. Das Flugzeug und er bildeten eine Einheit.
    Doch wenn zu Hause jemand auf einen wartete, war diese Einheit gestört. Von dem Zeitpunkt an, als er mit Joan zusammen war, hatte Red immer das Gefühl gehabt, nicht mehr allein in der Luft zu sein. Joan war allgegenwärtig. Jetzt wägte er jede Situation kritisch ab, vermied es, ein Risiko einzugehen. Und deshalb konnte er sie auch heute nicht fliegen. Das würde Joe jedoch nicht verstehen. Und viel schlimmer: Joan auch nicht.
    Joe notierte die neueste Meldung, die gerade einging, dann hängte er sich die Kopfhörer um den Hals und drehte sich in seinem Stuhl um. Neugierig betrachtete er Red. „Hey, Red, kann ich dich etwas fragen?”
    Hastig blickte Red auf. Er hatte Joe fast vergessen. Froh über die Ablenkung, denn er. hatte gerade darüber gegrübelt, ob es ein Fehler gewesen war, Joan noch einmal zu sehen und zu versuchen, sich mit ihr auszusprechen, antwortete er: „Na klar.”
    „Warum hast du sie geheiratet?”
    Red verzog die Lippen zu einem reumütigen Lächeln. „Das habe ich mich selbst schon oft genug gefragt.” Nachdenklich nahm er die Kaffeetasse, die Joan auf dem Schreibtisch hatte stehen lassen, und blickte hinein, als fände er dort die Antwort. Nach einer Weile zuckte er mit den Schultern. „Sie war die klügste Frau, die ich kannte. Und die niederträchtigste. Und die aufregendste.”
    Es gelang ihm, ein schwaches Lächeln zustande zu bringen, obwohl ihm nicht zum Lachen zumute war. In Wahrheit steckte viel mehr dahinter, Dinge, die er Joe nicht sagen konnte. Er verstand sie ja selbst kaum.
    Das Zusammenleben mit Joan war aufregender als ein Flug im stärksten Sturm, selbst wenn dabei die Triebwerke aussetzten. Im Vergleich dazu kam ihm letzteres wie eine gemütliche Karussellfahrt vor. Joan war alles in einem: Blitz und Donner; Feuerwerk und Flut, und allein ihr Anblick genügte, den Adrenalinspiegel in seinem Blut hochschnellen zu lassen. Er spürte es, wenn sie nur den Raum betrat. Die Haare an seinen Armen standen zu Berg, sein Blut geriet in Wallung, Aufregung ergriff ihn. Sie vereinnahmte ihn Tag und Nacht. Und er war regelrecht ausgehungert nach ihr, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Warum hätte er sie angesichts dieser Tatsachen nicht heiraten sollen? Zumindest schien ihm das damals die natürlichste Sache von der Welt

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