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Heute Nacht brauche ich Liebe

Heute Nacht brauche ich Liebe

Titel: Heute Nacht brauche ich Liebe
Autoren: Donna Carlisle
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du jetzt selbst hier bist, brauche ich sie dir nicht zu schicken.”
    „Ich trage kein Gepäck mit mir herum." Er griff wieder nach seiner Kaffeetasse. „Hast du jemanden gefunden, der sich um deinen Wagen kümmert?” erkundigte er sich beiläufig.
    Solange Red sie ärgerte und reizte, konnte Joan es ertragen und es ihm mit gleicher Münze heimzahlen. Diese kleinen Sticheleien nährten wenigstens die Hoffnung, dass zwischen ihnen noch nicht alles zu Ende war. Doch diese einfache Frage; höflich und distanziert vorgetragen in der Art, wie sich flüchtige Bekannte miteinander unterhielten; zerstörte jegliche Illusion. Sie klang so endgültig, so teilnahmslos, als sei nichts zwischen ihnen übriggeblieben als solche Banalitäten - was, wie sie annahm, wahrscheinlich auch der Fall war.
    Joan musste schlucken, ehe sie auf seine Frage antworten konnte.
    „Della wird versuchen, ihn für mich zu verkaufen.”
    „Vielleicht werde ich ihn nehmen.”
    „Als eine Art Abfindung?" entgegnete sie, ehe ihr bewusst wurde, was sie da sagte.
    „Irgend etwas sollte ich doch bekommen, meinst du nicht auch.” „Als Anerkennung für all die Jahre ständiger Ergebenheit.” „War ich dir nicht ergeben?” fragte er herausfordernd.
    „Du kennst nicht einmal die Bedeutung dieses Wortes.”
    „Kennst du sie?”
    „Ich habe wenigstens versucht, dir eine gute Ehefrau zu sein.
    „Da wir gerade von Bedeutungen sprechen - ich hoffe, du hast ein Lexikon in deinem Gepäck. Mir kommt es nämlich vor, als hättest du noch eine Menge zu lernen.”
    „Jetzt, da ich mein Leben nicht mehr mit dir verschwende, werde ich genug Zeit dazu haben”, konterte Joan.
    „Dein Leben mit mir verschwenden? Das gefällt mir. Du hattest es nie so gut.”
    „O ja, du hast mir auch etwas geboten, von dem jede Frau träumt: ein Leben in arktischer Einöde mit einem Mann, für den gute Unterhaltung darin besteht, sich einen drei Wochen alten Boxkampf im Fernsehen anzusehen - falls er überhaupt nach Hause kommt.”
    „Sind wir schon so weit gekommen, dass wir persönlich werden?”
    Joans Gesicht glühte vor Zorn. Sie hielt ihre Kaffeetasse so fest umklammert, als wolle sie sie zerdrücken. Wie konnte Red alles nur so gelassen hinnehmen? Zugegeben, seine Augen hatten einen gewissen Glanz, der deutlich machte, dass er bald die Geduld verlieren würde, wenn sie ihn nur lange genug herausforderte, aber die Leichtigkeit, mit der er die Situation meisterte, das ärgerte sie am meisten. Red war schon immer der bessere Kämpfer gewesen.
    Warum ließ sie sich das von ihm bieten? Heftig stellte sie ihre Tasse auf die Schreibtischkante und stieß mit gepresster Stimme hervor: „Du bist ein Idiot.”
    „So?” Er hob die Augenbrauen. Seine Augen blitzten amüsiert auf. Offenbar schien ihm ihre Auseinandersetzung auch noch Spaß zu machen.
    „Etwas Besseres fällt dir wohl nicht ein?”
    „Soweit hast du mich gebracht.” Er lachte.
    Hätte Joan ihre Kaffeetasse nicht schon abgestellt, hätte sie wahrscheinlich damit nach ihm geworfen. Sie blickte zu Joe, der die Szene interessiert verfolgte. „Ich hoffe, Sie haben jedes Wort mitbekommen”, sagte sie barsch. „Und nun funken Sie Juneau an und geben unsere Flugroute durch. Ich möchte fort von hier.”
    Joe sah zu Red, als ob er auf dessen Einverständnis wartete.
    „Nun, was das betrifft...” antwortete Red an seiner Stelle und strich sich dabei übers Kinn, um sein teuflisches Grinsen zu verbergen.
    Joan warf ihm einen wütenden Blick zu. „Lass diese Spielchen, Red”, warnte sie ihn. „Lieber verbringe ich zwei Wochen eingesperrt in einem Käfig mit einem riesigen Leguan als vier Stunden im Cockpit mit dir. Trotzdem bin ich entschlossen, zu fliegen. Als du diesen Auftrag übernommen hast, wusstest du genau, wer auf dem Rückflug dein Passagier sein würde, also lass mich nicht länger warten.” Entschlossen drehte sie sich um und ging zur Tür.
    Joan legte gerade die Hand auf die Türklinke, als Reds Stimme sie innehalten ließ. „Glaube mir, Darling, ich bin genauso erpicht darauf wie du, die Sache hinter mich zu bringen, doch wir haben ein kleines Problem."
    Sie wandte sich um und schaute ihn fragend an. „Allem Anschein nach haben wir mit einem schweren Schneesturm zu rechnen. Alle Flüge von Adinorack nach Juneau sind bis auf weiteres gestrichen ", erklärte er und zog zum Beweis ein Fernschreiben aus seiner Tasche „Es sieht ganz so aus, als ob wir beide noch eine Weile zusammenbleiben

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