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Essays: Erweiterte Ausgabe (German Edition)

Essays: Erweiterte Ausgabe (German Edition)

Titel: Essays: Erweiterte Ausgabe (German Edition)
Autoren: Michel de Montaigne
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Michel de Montaigne – Biografie und Bibliografie
    Geistreicher franz. Skeptiker und Moralist, geb. 28. Febr. 1533 auf dem Schloss M. in Périgord, gest. daselbst 13. Sept. 1592, erhielt eine gelehrte Erziehung, so dass er schon als Kind geläufig Lateinisch und Griechisch sprach, studierte die Rechte, bekam 1556 die Stelle eines Rates im Parlament zu Bordeaux und machte sich als Schriftsteller zuerst durch eine treffliche Übersetzung der natürlichen Theologie des Raimund von Sabunde (Par. 1569) bekannt. Nach dem Tode seines Vaters legte er sein Amt nieder und zog sich, nachdem er 1580 Deutschland, Italien und die Schweiz bereist hatte, auf sein Stammschloss zurück, wo er seine berühmten » Essais « schrieb. Diese » Essais «, von denen er 1580 zwei Bücher, 1588 das dritte Buch selbst veröffentlichte (in erweiterter Gestalt erschienen sie nach seinem Tode, Bordeaux 1595), die ersten Vertreter dieser literarischen Gattung, gehören zu den bedeutendsten moralistischen Werken und stellen eine wahre Philosophie für »Weltleute« dar. Als Philosoph war er in theoretischer Hinsicht dem Skeptizismus ergeben (daher seine Devise: Que sais-je ?), in praktischer dem Epikureismus. Seine Ansichten von der Welt und der Menschheit stellte er in seinem Hauptwerk, vermischt mit interessanten Reflexionen über sich selbst, verbunden auch mit frivolen Derbheiten, dar. In Bordeaux und Périgueux sind ihm Denkmäler gesetzt worden. Von seinen » Essais « gibt es zahllose Ausgaben; von den neuern sind hervorzuheben die von Leclerc (1826–29, 5 Bde.; 1865–66, 4 Bde.), Courbet und Royer (Text von 1595, Par. 1872 ff. mit Glossar, 6 Bde.), von Motheau und Jouaust (Text von 1588, das. 1886–89, 7 Bde.), von Dezeimeris und Barckhausen (Text von 1580 mit den Varianten von 1582 u. 1587, Bordeaux 1870–73, 2 Bde.). Eine deutsche Übersetzung gab Bode u.d. T.: »Montaignes Gedanken und Meinungen« (Berl. 1793, 7 Bde.), in Auswahl Dyhrenfurth (das. 1895, neue Folge 1897) und Kühn (Straßb. 1900–01, 5 Bde.). Sein » Journal du voyage de Michel M.en Italie, par la Suisse et l'Allemagne « ward durch Querlon (Par. 1774) und d'Ancona (Città di Castello 1889, 1895) veröffentlicht. Vgl. Alph. Grün, La vie publique de Michel M . (Par. 1855); Payen, Documents inédits sur M . (1847, neue Folge 1856); Leveaux, Étude sur les Essais de M. (1870); Malvezin, Michel de M., son origine, sa famille (1875); Voizard, Étude sur la langue de M . (1885); Réaume, Rabelais et M. pédagogues (1886); Bonnefon, M., l'homme et l'œuvre (1893) und M. et ses amis (1898, 2 Bde.); P. Stapfer, Montaigne (1894) und La famille et les amis de M . (1895); Lowndes, Michel de M . (Cambr. 1898); G. Guizot, M., études et fragments (Par. 1899); P. Schwabe, M. de M. als philosophischer Charakter (Leipz. 1899); Ruel, Du sentiment artistique dans la morale de M . (1901); Compayré, M. et l'éducation du jugement (1905); Kühn, Die Bedeutung Montaignes für unsre Zeit (Straßb. 1904); E. Dowden, Montaigne (Lond. 1905); Grace Norton, Studies in M. Early writings of M . (das. 1905, 2 Bde.).

Essays
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Das Gefühl für das Gute und Böse hängt großenteils von der Meinung ab, die wir davon hegen.

    Die Menschen (sagt eine alte griechische Sentenz) werden von den Meinungen gequält, die sie von den Dingen hegen, und nicht von den Dingen selbst. Man hätte schon einen großen Schritt zur Erleichterung des menschlichen Elendes gewonnen, wenn man diesem wahren Gedanken durchgängig und allenthalben Eingang verschaffen könnte. Denn wenn das Übel keinen andern Eingang bei uns findet als durch unser Urteil, so scheint es in unsrer Macht zu stehen, es zu verachten oder zum besten zu kehren. Wenn die Sachen sich nach unserm Gutachten fügen, warum lenken und beherrschen wir sie nicht zu unserm Vorteile? Wenn das, was wir Übel und Pein nennen, an sich selbst weder Pein noch Übel ist, sondern nur insofern ihm unsre Phantasie diese Eigenschaft gibt, so steht es bei uns, es zu verwandeln? Und da wir die Wahl haben und da nichts uns zwingt, so sind wir ganz sonderbare Toren, uns steif und fest auf der Seite zu halten, die uns den meisten Verdruß macht, und den Krankheiten, der Armut und der Verachtung einen so bittern, widrigen Geschmack zu geben, wenn wir solchen einen guten geben können? Und wenn das Glück nichts weiter hergibt als die Materie, so ist es unsre Sache, ihr die Form zu geben.
    Aber, laß sehen, ob der Satz Stich hält, daß das,

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