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Die Schriften von Accra (German Edition)

Die Schriften von Accra (German Edition)

Titel: Die Schriften von Accra (German Edition)
Autoren: Paulo Coelho
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Gerechtigkeit.
    Die Welt teilt sich nicht in Feinde und Freunde auf, sondern in Schwache und Starke.
    Die Starken sind großmütig im Sieg. Die Schwachen rotten sich zusammen und greifen jene an, die verloren haben, ohne zu wissen, dass die Niederlage etwas Vorübergehendes ist. Unter den Verlierern suchen sie sich jene heraus, die am verletzlichsten wirken.
    Geschieht dies mit dir, frage dich, ob du die Opferrolle annehmen willst.
    Ist deine Antwort ja, wirst du dich in deinem Leben nie mehr von ihr befreien können. Und wenn du vor einer Entscheidung stehst, die Mut verlangt, hast du von vornherein verloren. Dein Mund magdann von Sieg reden, doch deine Augen sprechen von Niederlage, und jeder wird es bemerken.
    Ist deine Antwort jedoch nein, so halte dagegen. Es ist besser zu reagieren, solange die Wunden noch leicht zu heilen sind – selbst wenn die Heilung Zeit und Geduld verlangt.
    Du wirst ein paar schlaflose Nächte verbringen und denken: ›Ich verdiene das nicht.‹
    Oder du wirst die Welt für ungerecht halten, weil sie dir nicht den Empfang bereitet, den du erwartet hast. Oft wirst du dich wegen der Demütigung schämen, die du vor deinen Gefährten, deiner Liebsten, deinen Eltern erlitten hast.
    Doch wenn du nicht aufgibst, wird sich das Rudel Hyänen entfernen und sich andere für die Opferrolle suchen. Sie müssen diese Lektion selber lernen, denn niemand wird ihnen helfen können.
    Deine Feinde sind also nicht Gegner, die dir geschickt wurden, um deinen Mut auf die Probe zu stellen.
    Es sind Feiglinge, die dir geschickt wurden, um deine Schwäche auf die Probe zu stellen.«

Es war inzwischen vollkommen
dunkel geworden.
Der Kopte wandte sich an die
Gottesmänner, die alles gehört
und gesehen hatten, und fragte,
ob sie etwas sagen wollten.
Alle drei nickten.

D er Rabbi sagte:
    »Als ein großer jüdischer Geistlicher sah, wie die Juden misshandelt wurden, ging er in den Wald. Er entzündete ein heiliges Feuer und sprach ein besonderes Gebet, in dem er Gott bat, sein Volk zu beschützen. Und Gott schickte ein Wunder.
    Später ging sein Schüler, den Schritten des Rabbis folgend, an dieselbe Stelle im Wald und sagte:
    ›Herr des Universums, ich weiß nicht, wie ich das heilige Feuer entzünden soll, aber das besondere Gebet kenne ich noch. Erhöre mich bitte.‹
    Und wieder geschah ein Wunder.
    Eine Generation später ging ein anderer Rabbi angesichts der Verfolgung seines Volkes in den Wald und sagte:
    ›Ich weiß nicht, wie man das heilige Feuer entzündet, ich kenne auch das besondere Gebet nicht, aber ich erinnere mich noch an die Stelle. Hilf uns, Herr!‹
    Und der Herr half erneut.
    Fünfzig Jahre später sprach einer seiner Nachfolger mit Gott: ›Ich weiß weder, wie man das heilige Feuer entzündet, noch kenne ich das Gebet, und auch den Ort im Wald kann ich nicht finden. Ich kann nur diese Geschichte erzählen und hoffen, dass du mich erhörst.‹
    Und wieder geschah ein Wunder.
    Geht also hinaus in die Welt, und erzählt, was ihr heute Nachmittag hier erlebt und gelernt habt.«
    Nachdem er respektvoll gewartet hatte, bis sein Freund, der Rabbiner, zu Ende gesprochen hatte, ergriff der Imam, dem die Aufsicht über die al-Aqsa-Moschee oblag, das Wort:
    »Ein Mann klopfte an die Tür seines Freundes, um ihn um einen Gefallen zu bitten:
    ›Ich möchte dich bitten, mir viertausend Dinare zu leihen, weil ich eine Schuld bezahlen muss. Könntest du das tun?‹
    Der Freund bat seine Frau, alles zusammenzusuchen, was sie an Wertvollem besaßen, dennoch reichte es nicht. Sie mussten Nachbarn um Geld bitten, bis sie den notwendigen Betrag zusammenhatten.
    Als der Mann gegangen war, bemerkte die Frau, dass ihr Ehemann weinte.
    ›Warum bist du bloß so traurig? Befürchtest du, dass wir, jetzt, da wir Schulden bei unseren Nachbarn haben, diese nicht werden zurückzahlen können?‹
    ›Nichts dergleichen. Ich weine, weil er ein Mensch ist, den ich sehr gern habe, und ich dennoch nicht wusste, wie es um ihn stand. Ich habe mich erst wieder an ihn erinnert, als er an meine Tür geklopft und mich gebeten hat, ihm Geld zu leihen.‹
    Gehet also hin, und erzählt alles, was ihr an diesem Nachmittag gehört habt, damit wir unserem Bruder helfen können, bevor er es braucht.«
    Und kaum hatte der Imam geendet, da begann der christliche Priester:
    »Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen. Und es begab sich, indem er säte, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel unter dem Himmel und fraßen’s

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