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Der Heckenritter von Westeros

Der Heckenritter von Westeros

Titel: Der Heckenritter von Westeros
Autoren: George R.R. Martin
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Dingen träumten, die sich in der Zukunft ereignen würden, schon lange vor der Eroberung«, sagte Blutrabe, »daher sollte es nicht überraschen, wenn von Zeit zu Zeit auch ein Schwarzfeuer diese Gabe erbt. Daemon hat geträumt, in Weißstein würde ein Drache geboren werden, und er hatte recht. Der Narr hat nur die Farben verwechselt.«
    Dunk sah Ei an. Der Ring, sah er. Der Ring seines Vaters. Er trägt ihn am Finger, nicht im Stiefel versteckt.
    »Ich denke ernsthaft darüber nach, dich mit nach Königsmund zurückzunehmen«, sagte Lord Strom zu Ei, »um dich bei Hofe als … Gast wohnen zu lassen.«
    »Mein Vater würde das nicht gern sehen.«
    »Vermutlich nicht. Prinz Maekar ist ein wenig reizbar. Vielleicht sollte ich dich nach Sommerhall zurückschicken.«
    »Mein Platz ist bei Ser Duncan. Ich bin sein Knappe.«
    »Mögen die Sieben euch beide schützen. Wie du willst. Du darfst gehen.«
    »Wir sind schon weg«, sagte Ei, »aber wir brauchen noch ein bisschen Gold. Ser Duncan muss der Schnecke das Lösegeld auszahlen.«
    Blutrabe lachte. »Was ist mit dem bescheidenen Jungen passiert, den ich in Königsmund kennengelernt habe? Wie du wünschst, mein Prinz. Ich werde meinen Zahlmeister anweisen, euch so viel Gold zu geben, wie ihr wollt. Innerhalb vernünftiger Grenzen.«
    »Nur als Leihgabe«, beharrte Dunk. »Ich zahle es zurück.«
    »Bestimmt, sobald Ihr tjostieren gelernt habt.« Lord Strom scheuchte sie mit einer Handbewegung hinaus, rollte ein Pergament auf und begann, mit der Feder Namen abzuhaken.
    Er markiert die Männer, die sterben werden, vermutete Dunk. »Mylord«, sagte er, »wir haben die Köpfe draußen gesehen. Heißt das, Fiedler … Daemon … werdet Ihr ihm ebenfalls den Kopf abschlagen?«
    Lord Blutrabe sah von dem Pergament auf. »Das muss König Aerys entscheiden … aber Daemon hat vier jüngere Brüder und Schwestern noch dazu. Sollte ich so dumm sein, ihm den hübschen Kopf abzuschlagen, wird seine Mutter trauern, seine Freunde werden mich als Sippenmörder verfluchen, und Bitterstahl wird seinen Bruder Haegon krönen. Tot wird der junge Daemon zum Helden. Lebendig steht er meinem Halbbruder als Hindernis im Weg. Er kann schließlich keinen dritten Schwarzfeuerkönig krönen, während der zweite unbequemerweise noch lebt. Außerdem wäre ein so edler Gefangener eine Zierde für unseren Hof, ein lebendes Zeugnis der Barmherzigkeit und Güte Seiner Gnaden König Aerys.«
    »Ich habe auch eine Frage«, sagte Ei.
    »So langsam verstehe ich, warum dein Vater dich loswerden wollte. Was gibt es denn noch, Großneffe?«
    »Wer hat das Drachenei gestohlen? Vor der Tür standen Wachen, weitere Wachen auf der Treppe, und niemand konnte unbemerkt in Lord Butterquells Schlafgemächer eindringen.«
    Lord Strom lächelte. »Wenn du mich fragst, würde ich sagen, jemand ist durch den Abtrittschacht des Schlafgemachs eingestiegen.«
    »Der Abtrittschacht ist viel zu schmal dafür.«
    »Für einen Mann. Ein Kind könnte es schaffen.«
    »Oder ein Zwerg«, platzte Dunk heraus. Eintausend Augen und eins. Warum sollten nicht einige davon zu einer Truppe komischer Zwerge gehören?

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