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Daddy Uncool

Titel: Daddy Uncool
Autoren: Greg Williams
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1
    Mein Wunsch, das Reich des Kommerzes zu betreten, begann ganz unschuldig. Ich aß an einem Donnerstagmorgen ein verlorenes Ei auf Toast (sicher eins der harmlosesten Gerichte der Menschheit, als Amanda, meine Frau, in die Küche platzte - bei solchen Gelegenheiten war sie weniger ein Mensch als vielmehr eine Mischung aus Haaren, Parfüm, Brüsten, Absätzen und Hektik. Sie öffnete eine Packung Pop Tarts mit den Zähnen.
    »Mist«, rief sie aus.
    »Was?«, fragte ich.
    Sie ignorierte mich. Das war nicht ungewöhnlich.
    »Ist das die neue aufregende Geschmacksrichtung der Pop Tarts?«, erkundigte ich mich, während ich von der Sportseite aufsah.
    »Hat meinen blöden Lippenstift verschmiert«, schnappte sie zurück.
    Amanda verschlang die Pop Tarts. Sie nahm kleine Stücke und spülte sie mit dem inzwischen lauwarmen Tee herunter, den ich vor einer Stunde gemacht hatte.
    »Ugh.« Sie zuckte zusammen, nun wirklich entrüstet.
    »Verstehe ich das richtig, dass du dieses delikate, vollwertige Frühstück nicht toasten willst?«

    »MmMMMMmmmMMMMMMM«, war ihre Antwort.
    Ich sah sie erwartungsvoll an. »Ich bin nicht wirklich sicher, was du gerade gesagt hast. Hast du mir erzählt, dass du im Garten ein Einhorn gesehen hast?« Ich sah auf den gepflegten Rasen und die Staudenrabatten (die meine Frau angelegt hatte, wie ich zugeben muss) vor der roten Backsteinmauer.
    Der Tag war sonderbar klar, trotz der schnell vorbeiziehenden grauen Wolken.
    »Ich bin spät dran«, sagte Amanda ungeduldig.
    »Oh, wirklich«, erwiderte ich und nahm mir die Zeitung wieder vor. »So ein Mist aber auch.«
    Amanda schnalzte missbilligend mit der Zunge, deutlich irritiert, dass ich kein Verständnis für ihre Hektik aufbrachte.
    »Du hättest mir wenigstens frischen Tee machen können.«
    »Hab ich«, antwortete ich, während ich meine Cerealien langsam kaute. Ich war abgelenkt von dem Vorbericht des Champions-League-Spiels. »Vor einer Stunde.«
    »Er ist kalt, Alex«, sagte sie vorwurfsvoll. Sie ging zum Frühstückstisch und hantierte dabei an ihrer Bluse herum. »Was ist das?«, fragte sie, während sie einen Prospekt in die Hand nahm, der ganz oben auf einem Stapel Post lag.
    »Nichts, was dich interessiert. Es geht um Recherchen«, erklärte ich ihr.
    »Aber zu welchem Thema?«, beharrte Amanda. Die aufrichtige Antwort wäre Kaffeezubereitung gewesen,
aber ich wollte mich jetzt nicht mit ihr darüber auseinandersetzen, während sie rasch durch die Seiten mit Espressomaschinen, Röstern und Kaffeemühlen blätterte.
    »Whatever, Trevor«, sagte Amanda. Ich fragte mich, wo sie diese geniale Redewendung aufgeschnappt hatte. Sie zündete sich eine Zigarette an und zog heftig daran. Sie rauchte erstaunlich dünne Menthol-Zigaretten, die sie online bestellte. Ich hatte schon oft gehört, dass Menthol-Zigaretten steril machen würden, aber angesichts der Tatsache, dass viele Rapper sie rauchen und gleichzeitig Horden von Nachkommen haben, halte ich das für ein Gerücht.
    »Entschuldige«, sagte sie, nicht besonders schuldbewusst.
    »Kannst du ein Fenster öffnen oder so?«, bemerkte ich, während ich den Rauch von meinem Ei wegwedelte.
    »Ich hab keine Zeit, Schatz«, antwortete Amanda zwischen zwei Zügen. Dass sie das Wort Schatz gebrauchte, konnte mich nicht täuschen. Soweit es sie betraf, konnte es alles Mögliche bedeuten, am wenigsten aber, dass sie mich für einen Schatz hielt. Ich bin kein Schatz, und ich bezweifle, dass meine Frau mich für einen hält. Ich stand auf und öffnete die Hintertür. Kalte Morgenluft strömte herein. Das war dann doch zu viel. Ich schloss die Tür wieder. Als ich mich umdrehte, zerdrückte Amanda gerade die Zigarette auf einer Untertasse auf dem Frühstückstisch.
    »Wiedersehen, Schatz«, sagte sie (wieder dieses Schatz !), ohne zurückzublicken. Sie ging zur Vordertür
hinaus, während sie in ihrer Handtasche nach Pfefferminzkaugummi wühlte.
    Alles, was von ihr zurückblieb, war eine noch glimmende, zerdrückte Kippe mit einem leuchtenden Lippenstiftabdruck.
     
    Ich nahm die Bahn um 8.27 Uhr, und wie immer musste ich stehen. Ich beobachtete eine Frau, die mit offenem Mund schlief. Ihr Doppelkinn wabbelte vor sich hin. Mir war leicht übel. Ich war mir sicher, dass die Frau sofort überzeugte Veganerin geworden wäre, wenn sie sich selbst hätte sehen können. Sie würde wahrscheinlich eine radikale Yoga-Form praktizieren, in überheizten Räumen und unter Anleitung von sonderbar jugendlichen

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