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52 Verführungen: Ein Paar holt sich die Lust zurück - (German Edition)

52 Verführungen: Ein Paar holt sich die Lust zurück - (German Edition)

Titel: 52 Verführungen: Ein Paar holt sich die Lust zurück - (German Edition)
Autoren: Betty Herbert
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PROLOG
    M ir ist bewusst, wie prüde ich klingen muss, obwohl ich das doch eigentlich gar nicht bin.
    Nein, ich bin nicht prüde, nur seit zehn Jahren verheiratet. Das ist nicht das Gleiche. Obwohl es vermutlich schon eine beachtliche Überschneidung gäbe, wenn ich das Ganze als Diagramm zeichnen würde, in dem ein Kreis Prüderie repräsentiert und ein zweiter »seit zehn Jahren verheiratet«. Als ich Herbert davon erzähle, meint er: »Eine Überschneidung in Vulva-Form.« So weit ist es mit uns also schon gekommen. Über Freud’sche Versprecher sind wir längst meilenweit hinaus.
    Aber bitte, überzeugen Sie sich doch selbst davon, dass ich nicht prüde bin. Gerade habe ich das Wort »Vulva« ganz unbefangen benutzt. Ich kann total lässig über Sex reden, ehrlich. Sie sollten mich mal an einem Samstagabend im Pub erleben. Da bin ich diejenige, die am laufenden Band dreckige
Witze reißt, bei denen der Rest der Runde vor Verlegenheit aufjault.
    Damit hat sich’s dann allerdings auch, mit dem Reden. Ich bin eine Expertin für verbale Fakes. Im wahren Leben, sprich: im Schlafzimmer, bin ich sexuell etwa so aufgeklärt wie die britische Sittenwächterin Mary Whitehouse. Obwohl, streichen Sie das bitte wieder. Es steht mir schließlich nicht zu, mich abfällig über Marys Tatendrang in Sachen Erotik zu äußern. Denn nach allem, was ich über sie weiß, könnte sie im Bett sogar ein ziemlicher Feger gewesen sein.
    Die Sache ist die, dass ich von Natur aus gar nicht verklemmt bin. Ich wuchs nicht in Verhältnissen auf, wo man Sexualität unterdrückt hätte (ganz im Gegenteil – die blanke Begeisterung meiner Mutter für Sex hätte Samantha Jones aus Sex and the City in den Schatten gestellt). Und ich habe auch nicht das Geringste gegen Sex. Es ist nur so, dass es mir seit einiger Zeit ein bisschen flau wird, wenn ich darin vorkomme.
    Dabei haben Herbert und ich einen großartigen Start hingelegt. Wir konnten kaum die Finger voneinander lassen. Aber das ist jetzt fünfzehn lange Jahre her, und damals war ich gerade mal 18. Jetzt, mit 33, erscheint mir Sex so weit weg, dass ich Mühe habe, mich zu erinnern, worum es da doch gleich wieder geht. Wir machen es nur noch selten, und wenn, dann passiert es eher aus so einer Art Pflichtgefühl heraus. Wie lang ist es jetzt schon wieder her? Einen Monat? Na, dann sollten wir wirklich mal wieder ein Nümmerchen schieben, würde ich sagen. Warte kurz, ich rasier mir nur noch schnell die Beine.
    Manchmal fühlt es sich an, als sei mir jegliches Verlangen abhandengekommen. Es ist einfach futsch. Dabei konnte es mich früher regelrecht überfallen und meine Fantasie und meinen Körper entflammen. Die unscheinbarsten Dinge brachten mich in Fahrt: der Geruch warmer Haut an einem Sommernachmittag, ein zufälliger Blick. Jetzt dagegen finde ich mein Verlangen seltsamerweise nicht einmal, wenn ich danach suche. Ich kann mich noch gut daran erinnern, und man könnte meinen, das sollte genügen, um es bewusst zu erzeugen. Aber nein. Ich komme mir stattdessen vor, als würde ich im Garten vergeblich nach einer entlaufenen Katze rufen. Dennoch ist das hier kein Buch über das Zugrundegehen einer Liebe. Herbert und ich verehren einander und sind auf geradezu selbstgefällige Weise extrem glücklich miteinander. Wir haben auch keine Kinder, die an unseren Kräften zehren oder unser Sexleben beeinträchtigen könnten. Es ist nur einfach so, dass das Feuerwerk in unserem Schlafzimmer schon vor langer Zeit erloschen ist. An seiner Stelle haben wir etwas entwickelt, das große Ähnlichkeit mit Verlegenheit hat.
    Sollte eine liebevolle Beziehung nicht auch zum Experimentieren anregen? Meiner Erfahrung nach tut sie das nicht. Herbert ist mein bester Freund, mein Vertrauter, meine Stütze. Er ist der Mensch, der sich um mich kümmert, egal, ob ich gesund oder krank bin. Er weiß, was mich traurig, was mich wütend macht. Er weiß auch, was mich glücklich macht. Dieses Gefühl von Sicherheit, das zwischen uns beiden gewachsen ist, ist mir das Wertvollste auf der Welt.
    Für das Verlangen ist diese Sicherheit jedoch der Todesstoß.
Die moderne Ehe ist verdammt nochmal einfach zu freundschaftlich. Wer möchte schon all diese wunderbare Sicherheit gefährden, indem er nach Sex verlangt? Wir teilen uns das Kochen und Putzen, wir sprechen über unsere Gefühle, und wir geben unser Bestes, um einander in den Stürmen des Lebens beizustehen. Aber wo kommt darin Sex vor? Wo bleibt das Geheimnisvolle? Wo

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