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1299 - Zeit der Bestie

1299 - Zeit der Bestie

Titel: 1299 - Zeit der Bestie
Autoren: Jason Dark
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Zu dritt standen wir um das Bett herum. Im Hintergrund hielt sich ein Arzt auf, der alles bewachte, besonders die Monitore der Instrumente. Der Mann in der Uniform eines Polizisten hieß Gordon Moore, und erwischt hatte es ihn bei seinem Einsatz. Er hatte Nachtschicht gehabt, und auch wir standen mitten in der Nacht in dieser nicht eben angenehmen Umgebung. Uns hatte das Schrillen des Telefons aus den Betten geholt.
    Es ging Tanner um die Aussage des Kollegen. Er hatte mehrmals etwas gesagt, das er in unserem Beisein wiederholen sollte, und jetzt hofften wir, dass er es tat.
    Bisher hatten wir Pech gehabt. Zwar war der Mann bei Bewusstsein, doch aus seinem Mund drangen nur unverständliche Laute. Hin und wieder ein leises Röcheln, dann ein Stöhnen. Er schlug ab und zu auch die Augen auf, und genau das interessierte mich besonders, denn ich erkannte in seinem Blick etwas Bestimmtes.
    Es war Angst!
    Keine Angst vor dem Wissen, dass er sterben musste, nein, es war etwas anderes. Er musste mich wahrnehmen, und wenn er mich anschaute, dann überkam mich der Eindruck, als würde er eine ganz andere Gestalt oder Person sehen als mich. Da drängte sich dann diese Furcht in die Augen hinein, und wenn es möglich gewesen wäre, hätte der Mann sicherlich laut geschrien.
    Wieder sah ich den Blick, der auch dem Chief Inspector aufgefallen war. Und diesmal blieb es nicht dabei, denn der Schwerverletzte bewegte seine Lippen. Er strengte sich an. Das sahen wir. Das Gesicht hatte man ihm von den meisten Blutspuren gesäubert.
    Er sprach.
    Ich beugte mich tiefer, um seine Worte verstehen zu können. Sie wischten in mein Ohr hinein, und ich wusste in diesem Moment, dass er die Wahrheit sagte.
    »Er… er… kam so plötzlich. Er hat mich angegriffen. Er… ich… sah ihn. Eine Bestie. Ein Wolf. So groß. Die Zähne… ich… wollte schießen, aber er biss… biss…«
    Seine Worte wurden immer leiser. Seine Kraft ließ nach. Der Arzt schob mich vom Bett weg. »Bitte, Mr. Sinclair, wir sollten es jetzt lassen. Es kann sein, dass er noch eine Chance hat.«
    »Okay, ich habe verstanden.«
    Mit kleinen Schritten ging ich zurück und schaute dabei auf die gelblichen Fliesen, die den Boden bedeckten. In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken und Mutmaßungen, doch ich sprach sie nicht aus, weil ich lieber mit den anderen darüber reden wollte.
    Besonders mit unserem Freund Tanner, der uns zu dieser Zeit aus dem Schlaf geholt hatte.
    Es gab einen kleinen Raum, in dem wir ungestört waren. Er stand sonst den Ärzten zur Verfügung, wenn sie sich mit den Angehörigen der Patienten unterhielten, um ihnen die oft schlechten Nachrichten zu überbringen. Meiner Ansicht nach roch es hier nach Tränen und Trauer.
    Es gab hier einen Getränkeautomaten und auch einen, der Kaffee ausspuckte. Suko wollte nichts trinken. Tanner und ich holten uns die Pappbecher mit der braunen Brühe.
    Hinter dem recht hoch angesetzten Fenster lag die Dunkelheit einer sehr kalten Nacht. Der eisige Winter hielt Europa fest umschlossen. Es gab den klaren Himmel und auch den herrlichen Sonnenschein, allerdings lagen die Temperaturen auch tagsüber unter dem Gefrierpunkt.
    Ich nahm Platz. Um einen kleinen Tisch herum standen vier Stühle. Einer blieb leer.
    Tanner und ich tranken die ersten Schlucke. Als unser Freund seinen Becher zurückstellte, hob er die Augenbrauen. Selbst jetzt hatte er seinen Hut nicht abgenommen, ihn aber etwas nach hinten geschoben. Es bedeutete, dass er recht ratlos war.
    »Du hast ihn gehört, John, nicht wahr?«
    »Ja, das habe ich.«
    »Was sagst du?«
    »Dein Mann sprach von einer Bestie. Von einem Wolf.«
    Tanner nickte. »Genauso ist es.«
    »Denkst du an einen Werwolf?«, fragte Suko und kam mir damit zuvor.
    Tanner lächelte etwas schief. »So weit habt ihr Geisterjäger mich schon. Du hast Recht, Suko, ich habe tatsächlich an einen Werwolf gedacht, der Gordon Moore überfallen hat.«
    »Und das hier in London.«
    »Genau.«
    Ich mischte mich wieder ein. »Ist das der einzige Hinweis, der dir bekannt ist?«
    Tanner nickte. »Leider ist das so. Es gibt keinen weiteren. Nicht bei Gordon Moore.«
    »Bei wem dann?«
    Unser Freund legte den Kopf schief. »Meinst du, dass es noch weitere Spuren gibt?«
    »Daran glaube ich. Wir kennen uns lange genug. Ich denke nicht, dass du nur auf diese Aussagen reagierst.«
    Er nickte. »Das stimmt, John. Es haben sich noch weitere Hinweise ergeben.«
    »Welche?«
    »Keine so konkreten, aber immer in

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