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0773 - Die Macht der Templer

0773 - Die Macht der Templer

Titel: 0773 - Die Macht der Templer
Autoren: Jason Dark
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Augen zerfallen, hatte sich verändert, aufgelöst in eine schmierige, dicke, puddingähnliche Masse, auf deren Oberfläche es dampfte und zischte.
    Damit hatte Rose einen, möglicherweise sogar den Hauptakteur ausgeschaltet, aber es blieben noch andere.
    Einer davon umklammerte meinen Hals. Ich hatte ihn für einen kurzen Moment gesehen. Es war ein Wesen, dessen Oberkörper von einem langen Leichenhemd bedeckt war. Auf dem Gesicht wuchsen Geschwüre, die nässten und widerlich rochen. Auch die Innenflächen der Hände waren von einem ekelhaften Schmier bedeckt, und ich hörte die eigenartigen Geräusche, als die Haut zusammengedrückt wurde.
    Luft konnte ich kaum mehr bekommen. Alles war anders geworden. Der alte Raum tanzte vor meinen Augen. Rose schien sich für mich in ein verzerrtes Spukbild verwandelt zu haben, aber sie ließ sich seltsamerweise nicht aus der Ruhe bringen. Ich fragte mich auch, weshalb sie sich so langsam bewegte – oder täuschte ich mich?
    War ich derjenige, der die Realität nicht mehr richtig mitbekam?
    Ich röchelte, hörte die eigenen, schrecklichen Laute, wollte mich drehen und so versuchen, dem mörderischen Würgegriff zu entgehen, was natürlich nicht möglich war.
    Was tat Rose Cargill?
    Sie musste die Nerven behalten, sonst waren wir beide tot. Ich konnte sie nur bewundern, sie hatte nicht durchgedreht, und sie hielt sich auch an meine Anweisungen.
    Sie fuhr herum.
    Jetzt stand sie vor mir. Verschwommen nur, aber sie musste mich sehen, erlebte mit, wie verzerrt mein Gesicht war. Hinter mir erhob sich die Gestalt des Zombies. Er drückte weiter, er wollte den Erfolg, denn bisher hatten die Vier es nicht geschafft, den Sessel zu schützen.
    Ein Knall, ein Schuss?
    Ich konnte es nur hoffen. Für einen Moment klärte sich das harte Gesicht der Rose Cargill. Sie stand da mit vorgestreckten Armen, hielt die Waffe mit beiden Händen fest. Sie hatte geschossen und auch getroffen.
    Die geweihte Silberkugel war über meinen Kopf, hinweggeflogen und genau in die Gestalt des würgenden Zombies hinein. Nach allen Regeln und Gesetzen durfte er so etwas nicht überstehen, er würde eingehen, er musste eingehen, sonst war ich verloren.
    Ich erlebte die nächsten zwei Sekunden als gewaltigen Horror. Da peitschten die Gefühle hoch, die Angst steigerte sich noch einmal, ich wollte mich konzentrieren und versuchte auch, nach Luft zu schnappen, was mir noch immer nicht gelang.
    Aber die Klauen bewegten sich plötzlich an meinem Hals. Sie scheuerten hin und her, als wollten sie die Haut aufreißen. Etwas klatschte mir in den Nacken. Es war weich und flüssig. Und einen Augenblick später rutschten die Hände ab.
    Ich konnte wieder atmen, ich konnte wieder Luft holen. Mein Gott, welch ein Gefühl! Es war einfach wunderbar. Direkt bekam ich es nicht mit. Die Nachwirkungen des Griffs waren zu stark, denn die Haut schmerzte. Der Hals brannte, meine Augen ebenfalls. Wie ein Klumpen schob sich etwas von der linken Seite her in mein Blickfeld. Ein Klumpen, der sich auf zwei Beinen bewegte, der an mir vorbeistrich, der nach vorn kippte, und dann berührte etwas Weiches meinen Oberschenkel. Als hätte jemand einen Klumpen Teig darauf geworfen. Nur war es kein Teig, sondern eine weiche Zombieklaue. Das Wesen hatte einen letzten Halt gefunden, bevor es neben mir in die Knie brach und allmählich zerfloss.
    Zombie oder Ghoul?
    Dem Gestank nach musste es ein Ghoul sein. Ich glaubte nicht daran. Es war ein Zombie, und er lag neben mir wie ein Berg verfaulendes Fleisch.
    Ich schaute nicht länger hin, denn vor mir bewegte sich ein Schatten. Das war keiner der alten Mönche, sondern meine Retterin Rose Cargill. Sie hatte Erfolg gehabt, so etwas musste sie eigentlich mutiger machen und ihr noch einmal einen Ruck geben. Sie sah völlig anders aus, der Stress und die Angst standen ihr ins Gesicht geschrieben. Die Augen waren weit aus den Höhlen getreten, ihr Kopf bewegte sich hektisch von einer Seite zur anderen, denn noch standen zwei Feinde gegen uns.
    Die Kerze spendete nur wenig Licht. Was außerhalb des Scheins war, konnten weder Rose noch ich sehen. Sie sprach mit zitternder Stimme und verschluckte die Worte fast.
    »Ich sehe sie nicht.« Ich wollte ihr antworten. Aus meinem gepeinigten Hals drang jedoch nur ein Krächzen.
    Rose hatte mich trotzdem gehört. Sie kam näher, beugte sich zu mir herab. Ich krächzte ihr wieder etwas entgegen und hoffte, dass sie es verstand. Dabei drehte ich den Kopf und schielte auf

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