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0638 - Das Palazzo-Gespenst

0638 - Das Palazzo-Gespenst

Titel: 0638 - Das Palazzo-Gespenst
Autoren: Jason Dark
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leicht aufdrücken. Dann schritt sie hinein in die Kühle der Halle, sah das Licht und auch die brennenden Kerzen, das Personal, das sich lautlos bewegte, aber dieser Gesamteindruck verschwand hinter einem Frösteln, das über die Haut der Horror-Oma glitt.
    Sie erinnerte sich an die Worte der Signorina Brandi. Hatte sie nicht davon berichtet, dass die Ankunft des Palazzo-Gespenstes angezeigt wurde. Durch eine Kälte, die schon unnatürlich war?
    So jedenfalls kam sie Lady Sarah vor. Und plötzlich wusste sie, dass dieses Gespenst nicht mehr weit entfernt war.
    Es lauerte bereits, und die erste Leiche war für Lady Sarah nur eine Frage der Zeit…
    ***
    Es gefiel Suko nicht, die Horror-Oma allein gehen zu lassen. Kr wäre ihr am liebsten gefolgt. Das wiederum würde nicht passen, denn unter den Gästen der Villa wäre er aufgefallen wie ein Papagei am Nordpol.
    Deshalb hielt er sich zurück, aber er wollte das Haus auch nicht außer Kontrolle lassen, so hatte er beschlossen, zu einer bestimmten Zeit noch einmal in seine Nähe zurückzukehren.
    Die Zeit legte er um Mitternacht an. Sie erschien ihm genau richtig.
    Mitternacht war der Zeitpunkt der Geister, wenn der Tag kippte, tauchten sie auf.
    Jedenfalls in der Regel…
    Auch Suko fühlte sich allein, als er durch den Garten in Richtung Kanal schritt. Bei Tageslicht verhielt es sich anders, da verschönte die Sonne.
    In der Nacht aber kam ihm die Umgebung unwahrscheinlich düster vor.
    Es gab nur die Düsternis, nichts, was ihn eventuell aufgeheitert hätte, selbst das Plätschern des Brunnens erinnerte ihn an eine Verhöhnung.
    Die Natur konnte ihren Friedhofscharakter einfach nicht ablegen, und manchmal strichen die seichten, fast unsichtbaren Spinnennetze über Sukos Gesichtshaut.
    Vor dem Brunnen blieb er stehen. Die hintere Einfassung bestand aus einer halbrunden Steinmauer, aus deren Mitte der Löwenkopf mit seinem aufgerissenen Maul hervorschaute und das Wasser ausspie. Es klatschte in den Brunnen hinein und tropfte auch auf die Blätter, die wie kleine Boote auf der Oberfläche schwammen.
    In der Dunkelheit, hätte das Wasser einen undefinierbaren Farbton angenommen. Er lag irgendwo zwischen Grün und Schwarz und sah aus, als wollte er das langsame Sterben der Natur dokumentieren.
    Manche Leute sprachen dem Garten einen melancholischen Charme zu.
    Suko sah es anders. Ihm war es zu feucht, zu klamm, er liebte die Sonne.
    Durch ein kleines Tor konnte er das Grundstück verlassen. Seine Füße standen schon bald auf dem weichen Gras des Uferstreifens, der von Laubbäumen gesäumt wurde und aus diesem Grunde etwas Alleeartiges bekommen hatte.
    Der Kanal roch.
    Es war der Gestank von fauligem Wasser, von altem Laub aus dem vergangenen Winter. Suko sah die Mückenschwärme tanzen. Über der Wasserfläche fühlten sie sich wohl.
    Schrille Melodien rissen die Stille auf. Zikaden und Grillen meldeten ihren Nachtgesang an. Über manchen Stellen trieben feine Dunstschleier wie Totenhemden.
    In dieser Umgebung fiel einem sensiblen Menschen der Selbstmord relativ leicht, aber Suko verschwendete daran keinen Gedanken. Ihn interessierte das Palazzo-Gespenst, dem angeblich zahlreiche Morde zugeschrieben wurden, wobei Suko die genaue Zahl nicht bekannt war.
    Bis zu seinem Boot musste er etwa zehn Schritte laufen. Es war ein alter Kahn, der fest am Ufer vertäut war und hin und wieder bewohnt wurde.
    Reiche Gäste brachten dort ihr Personal unter. Größer konnte man den Unterschied nicht dokumentieren, aber die Arroganz der Menschen starb nie aus.
    Ein schmaler Steg bildete die primitive Gangway, über die Suko das Deck erreichte.
    Dort blieb er stehen, umschwirrt von Mücken, nach denen er nicht mehr schlug.
    Schwarz und unbeweglich lag das Wasser vor ihm. Tagsüber war der Kanal befahren, jetzt aber, am späten Abend, herrschte die absolute Stille.
    Suko räusperte sich, weil er den fauligen Geschmack aus seinem Hals wegbekommen wollte, bevor er über eine alte Holzleiter unter Deck stieg, wo die drei Kajüten lagen.
    Es waren Räume, die man vergessen konnte. Sehr eng, vergleichbar mit Sardinenbüchsen. Zudem rochen sie faulig, das Wasser drang überall durch. Nicht, dass sich Lachen gebildet hätten, aber Feuchtigkeit war es immer.
    Neben der Koje stand Sukos Reisetasche. Mehr hatte er nicht mitgenommen. Wenn er schlief, zog er sich nicht aus, das feuchte Laken förderte Rheuma.
    Toiletten gab es nicht. Auch keinen Abtritt. Wer hier lebte, benutzte den Kanal.
    In der

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