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0292 - Das Signal stand auf Mord

0292 - Das Signal stand auf Mord

Titel: 0292 - Das Signal stand auf Mord
Autoren: Das Signal stand auf Mord
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Ein seltsames Pärchen verließ kurz vor Mitternacht den Club.
    Der Mann war klein, fett und glatzköpfig, hatte Triefaugen und eine mit Dollarnoten gespickte Brieftasche.
    Die Frau war aufgedonnert, blond und ordinär. Beide hatten eine Menge Whisky geladen und schwankten.
    Mit unsicheren Schritten gingen sie zum Parkplatz. Dort erlebten sie den Schock ihres Lebens.
    »Ich bin gespannt auf deinen Schlitten«, sagte die Frau. »Ich wette, du hast angegeben. Ich wette, du fährst einen ganz kleinen, ganz alten Chevy!«
    Der Mann blieb stehen.
    »Das ist mein Wagen!« Stolz zeigte er auf ein luxuriöses cremefarbenes Mercury-Modell.
    Die Frau stellte die große Beisetasche, die sie bisher in der Hand gehalten hatte, auf den Boden.
    »Sonny!« rief sie. »Du scheinst wirklich ein Kapitalist zu sein. Ich hatte noch nie einen Freund, der einen so tollen Wagen fährt. Los, Dickie, mach auf! Ich möchte mich in die Polster kuscheln.«
    Der Dicke lächelte geschmeichelt.
    »Gib die Tasche her. Ich werde sie in den Kofferraum packen.«
    Die Frau kicherte und gab dem Mann die Tasche. Er machte sich am Schloß des Kofferraumes zu schaffen, brummte vor sich hin und drückte auf den Verschlußknopf. Vom Gegengewicht bewegt, stieg der Deckel langsam in die Höhe, und die automatische Beleuchtung schaltete sich ein.
    Der Mann wollte die Tasche mit einigem Schwung hineinwerfen, aber mitten in der Bewegung erstarrte er.
    »Was… was… ist… das?« stammelte er.
    Die Blonde brach ihr Gekicher ab.
    »Was ist denn los?«
    Er brachte nur ein Stöhnen heraus, und sie kam mit unsicheren Schritten zu ihm und blickte über seine Schulter in den Kofferraüm. Was sie sah, durchschlug den Nebel ihrer Trunkenheit.
    Zwei Männer lagen im Kofferraum, beide mit angezogenen Knien und angewinkelten Armen. Der Kopf des einen lag an den Füßen des anderen. Beide Männer waren tot.
    Die Frau starrte sie sekundenlang an. Dann ballten sich ihre Hände zu Fäusten, und ihr Mund öffnete sich zu einem gellenden Schrei.
    ***
    Phil und ich erschienen erst eine volle Stunde nach den Männern der Mordkommission der City Police am Tatort. Genauer gesagt, am Fundort.
    Charles Lissom, dem diese Abteilung der Mordkommission unterstand, führte uns zu dem Mercury. Zwei starke Scheinwerfer erhellten den Kofferraum. Die Gesichter der beiden Toten hatten eine kalkige Farbe. Man sah keine Verletzungen. Beide trugen weiße Hemden und dunkle Hosen, waren schwarzhaarig und etwa dreißig Jahre alt.
    »Wie sind sie umgebracht worden?« fragte ich.
    Doc Brannigan antwortete: »Ich weiß es noch nicht, aber wenn es kein Herzschlag war, dann muß es Gift gewesen sein. Es gibt Anzeichen dafür, daß sie mit Zyankali aus der Welt geschafft wurden. Ihre Haut hat eine bläuliche Farbe, aber Genaueres kann ich erst nach der Autopsie sagen.«
    »Keine Verletzungen, Doc?«
    »Ein paar Druckstellen an den Handgelenken, den Armen und im Gesicht. Es sieht aug, als wären sie mit Gewalt festgehalten worden.«
    »Wie lange sind sie tot?«
    »Als sie in den Wagen gelegt wurden, können sie nicht länger als drei Stunden tot gewesen sein. Ich vermute, daß sie vor vier oder fünf Stunden umgebracht wurden.«
    »Kennen Sie den Wagenbesitzer?« fragte ich Charles Lissom.
    »Klar. Er hat die Leichen entdeckt.« Lissom öffnete sein Notizbuch. »Für eine Beteiligung an der Sache kommt er meiner Meinung nach nicht in Betracht. Er heißt Master, ist ein Geschäftsmann aus Denver, der sich hier im Leicester Nightclub ein blondes Mädchen geangelt hat.«
    »Wie steht es mit ihr?«
    Lissom zuckte die Achseln. »Wahrscheinlich interessant für das Sittendezernat, aber nicht für uns oder euch, Cotton.«
    »Der Wagen des Mannes ist also nur als Abladeplatz benutzt worden?«
    »Offenbar!«
    »Wißt ihr schon irgend etwas über die Toten?«
    »Noch nicht«, antwortete Lissom, »aber ich dachte, das hier genügt, um euch zu alarmieren.«
    Er öffnete die rechte Hand. Auf der Handfläche lagen zwei Zehn-Cent-Münzen.
    Wir alle wußten, was sie in diesem Fall bedeuteten.
    »Bei ihnen gefunden?« fragte ich langsam.
    »Ja, auf der Stirn.«
    Ich blickte auf die beiden reglosen Körper.
    »Gangster also«, sagte ich leise, »Gangster, die den Mund nicht halten konnten. Wenn wir herausfinden, wen und was sie verrieten, finden wir auch ihre Mörder.«
    »Viel Erfolg«, sagte Charles Lissom und gab mir die Münzen.
    ***
    Es geschieht seit Jahren immer wieder. Ein Mann wird getötet, und man findet auf seiner

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