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0160 - Das Monster mit dem Fliegenkopf

0160 - Das Monster mit dem Fliegenkopf

Titel: 0160 - Das Monster mit dem Fliegenkopf
Autoren: Werner Kurt Giesa
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Sie fanden sie am anderen Morgen.
    Bryont Saris op Llewellyn, Lord und Eigentümer von Llewellyn Castle in den Northwest Highlands of Scotland, unternahm mit seiner derzeitigen Gespielin Sandy MacGrew den gemeinsamen morgendlichen Ausritt. Vom Ben Attow kam ein für die Jahreszeit ungewöhnlich milder Wind herüber und ließ die schwarzen Haare des Mädchens wie eine Fahne fliegen. Bryont Saris genoß den Anblick; der Lord op Llewellyn, Mitglied im britischen Oberhaus, schwärmte für rassige Pferde und schöne Mädchen, und Sandy MacGrew in ihrem hautengen Lederanzug, der jede Kontur ihres Körpers nachmodellierte, bot auf dem feurigen Rapphengst einen hinreißenden Anblick.
    Der Lord bot auf seinem Braunen auch keinen schlechten Anblick. Groß, schmalhüftig mit kurzem, blonden Haar, wirkte er wie noch nicht ganz dreißig Jahre.
    Er sah wieder zu Sandy. Es war vielleicht angebracht, sich wieder zu verheiraten, und Sandy MacGrew, Tochter eines benachbarten Lords, gefiel ihm, wie er ihr seinerseits mehr als sympathisch war. Angesichts der Tatsache, daß er trotz seines relativ jungen Aussehens nur noch zwölf Jahre zu leben hatte und neun Monate vor seinem Tod einen Sohn zu zeugen hatte, war es allmählich angebracht, nach einer Frau Ausschau zu halten. Konnte Sandy MacGrew diese Frau werden?
    Ein Geheimnis umgab den Llewellyn-Clan. Jeder Lord der Erbfolge kannte auf den Tag exakt die Stunde seines Todes. Jeder Lord wurde genau ein Jahr älter als sein Erbfolge-Vorgänger, und in der Stunde seines Todes wechselte seine Seele in den Körper des Neugeborenen über.
    Unsterblichkeit - der Llewellyn-Clan beherrschte sie perfekt, aber nur in der Erbfolge! Alle anderen eventuellen Nachkommen zählten nicht. Sie waren nicht von dem magischen Phänomen betroffen, das in zwölf Jahren Lord Bryont Saris’ Bewußtsein, Geist, Seele oder wie auch immer man es nennen mochte, im Körper seines neugeborenen Nachfolgers wieder erwachen lassen würde.
    Keiner der Lords, der Erbfolger in den letzten zweitausend Jahren hatte zu ergründen versucht, welchen Hintergrund dieses Phänomen besaß. Sie nahmen es einfach hin, unglaublich langlebig zu sein, um schließlich wiedergeboren zu werden. Hatten sie Angst, den Zauber zu brechen, wenn sie nach seinem Ursprung forschten, und dadurch die Unsterblichkeit zu verlieren? - Das hieß, er selbst! Bryont Saris in verschiedenen Inkarnationen mit verschiedenen Namen!
    Oftmals hatte er sich danach gefragt und selbst keine Antwort auf seine Frage geben können. 253 Jahre war er inzwischen alt und die Legende, daß der erste Llewellyn noch den letzten Saurier gekannt haben sollte, war nicht aus der Luft gegriffen, wenn man nachrechnete und feststellte, daß es bereits vor mehr als 31200 Jahren den Llewellyn-Clan gegeben haben mußte.
    Damals hatte es in Schottland noch niemand gewagt, an die Existenz von Schotten zu ahnen! Der Ursprung des Llewellyn-Clans lag im Dunkeln. Aber der Begründer mußte über eine faszinierend starke Zauberkraft verfügt haben, mit der er sich - der Erbfolge -Unsterblichkeit verlieh.
    Oder war alles ganz anders gewesen?
    Sandys Aufschrei riß Bryont Saris aus seinem Grübeln. Ihr Rapphengst bäumte sich auf und warf sie fast aus dem Sattel. Aber sie behielt die Kontrolle über das Tier, zwang es wieder unter ihren Willen. Ein Prachtgirl, überlegte Bryont und spielte abermals mit dem Gedanken, das Mädchen zu heiraten, wobei ihn der Altersunterschied von zweihundertvierunddreißig Jahren herzlich wenig störte. Ewige Jugend war ein weiteres Geheimnis der Llewellyn-Erbfolge. Bryont alterte seit seinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr nicht mehr.
    Neben Sandy hielt er sein Tier an, das jetzt ebenfalls unruhig wurde. »Was ist los?« fragte er.
    »Weiß der Teufel, Lassie«, antwortete sie außer Atem und hatte ihn damit nicht mit seinem Adelstitel angeredet, den sie seit ihrer ersten gemeinsamen Nacht nicht mehr anwendete, aber dennoch respektvoll angeredet, da die Schotten keine Ladies and Gentlemen kennen, aber Laddies and Lassies. Trotzdem war es halb scherzhaft gemeint; zu gut waren sie miteinander befreundet, um auf Förmlichkeiten zu achten, die dem Hochadel gar wohl anstanden.
    Sie sprang ab. Auch Bryont glitt jetzt aus dem Sattel. Er kannte die Pferde seines Gestüts, und er kannte die Landschaft. Wenn eines seiner Pferde scheute, war etwas Fremdes da, was nicht hierherpaßte.
    »Warte…«
    Er setzte sich in Bewegung. Sandy MacGrew blieb bei den Pferden zurück,

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