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0070 - Die Brücke ins Jenseits

0070 - Die Brücke ins Jenseits

Titel: 0070 - Die Brücke ins Jenseits
Autoren: A.F. Morland
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An diesem Oktobervormittag zeigte sich Wien von seiner schlechtesten Seite. Es war windig, kalt und regnerisch. Wien-Schwechat wirkte wie mit einem riesigen Besen leergefegt. Bei Schönwetter standen hier stets zahlreiche Schaulustige, um sich das interessante Treiben anzusehen. An diesem Tag spannte sich ein bleigrauer, unfreundlicher Himmel über die weite Ebene. Regennasse Menschen betraten mit düsteren Mienen das Flughafenrestaurant. Bill Fleming saß am Fenster. Er bekam soeben seinen zweiten Drink und bezahlte gleich. Dann warf er einen kurzen Blick auf seine Digital-Uhr. Es war gleich zehn. Bill blinzelte zum Himmel hinauf. Seine scharfen Augen suchten die Air-France-Maschine, die in wenigen Augenblicken landen sollte. Der Jet war nicht zu entdecken. Fleming leerte sein Glas mit einem schnellen Ruck. Dann erhob er sich und zog seinen Trenchcoat an.
    Bill war Amerikaner, und er legte Wert auf die Feststellung, daß er nicht bloß das, sondern obendrein auch noch New Yorker war. Er liebte diese Stadt. Mochte sie noch hundertmal pleite gehen, er würde ihr trotzdem die Treue halten, diesem Schmelztiegel der Nationen, in dem das Leben pulsierte wie in keiner anderen Stadt auf dieser Welt.
    Von Beruf war Bill Fleming Historiker und Naturwissenschaftler.
    Zur Zeit hatte er Urlaub, den er in Wien, mit seinem guten Freund Professor Zamorra und dessen aparter Sekretärin Nicole Duval, verbringen wollte.
    Bill verließ das Flughafenrestaurant. Diesmal warf er dem Himmel einen unfreundlichen Blick zu. Welch ein prachtvolles Urlaubswetter. Seit zwei Tagen ging das nun schon so. Auf Hawaii hätten sie den ewigen Sommer genießen können. Verflucht, welcher Teufel hatte sie geritten, ausgerechnet Wien als Urlaubsziel zu wählen.
    Fleming hob verdrossen die Achseln. Nun, es war nicht mehr zu ändern. Also war es besser, sich beizeiten damit abzufinden. Die Ankunft der Air-France-Maschine wurde durchgegeben. Fleming bestieg die Rolltreppe und fuhr zur Ankunftshalle hinunter. Was machte es schon, ob es stürmte oder schneite. Hauptsache er sah Nicole und Zamorra mal wieder. Bill freute sich schon auf die beiden wie ein kleiner Junge auf das Eintreffen der Tante, die stets ein Stück Schokolade in ihrer Handtasche mitbringt.
    ***
    In jener unseligen Nacht, in der die Brücke von den Kräften des Bösen errichtet wurde, geschah das folgende: Der Mond verdüsterte sich. Das klagende Heulen eines einsamen Wolfs war zu vernehmen. Der Satan nahm die unsichtbaren Fäden in seine teuflische Hand, um einige Marionetten nach seinem verderblichen Willen zu bewegen. Obgleich aus keiner Himmelsrichtung ein Gewitter aufgezogen war, grollten mit einemmal schaurige Donner über der unheimlichen Szene.
    Jene häßlichen Nebelfratzen rissen ihre schwarzen Mäuler auf. Sie stießen Schreie aus, die eines Menschen Herz zum Stillstand bringen konnten.
    Und dann spie die geisterhafte Nebelwand zwei seltsame Gestalten aus. Sie trugen weite Pluderhosen und einen hellen Turban auf dem Kopf. Die Augen funkelten dämonisch. Die Haut war dunkel.
    Türken waren es. Türken, wie sie 1529 und 1683, aus dem Osten kommend, bis nach Wien vorgedrungen und die Stadt erbittert belagert hatten. Ein Dolch steckte in ihrem Gürtel. Ein schwerer Krummsäbel baumelte an ihrer Seite.
    Sie erreichten das Ende der Gespensterbrücke, sahen sich mit verengten Augen mißtrauisch um.
    »Alles in Ordnung«, sagte der eine. Sein Oberlippenbart war so schwarz wie die Nacht. Er nannte sich Ahmet.
    »Dann weiter!« sagte der andere. Über seine linke Wange lief eine rote, wulstige Narbe. Sie stammte von einem Säbelhieb, an dem er beinahe gestorben wäre. Der Name des Mannes lautete Mehmet.
    »Hast du alles bei dir?« fragte Ahmet.
    »Selbstverständlich«, meinte Mehmet.
    »Dann laß es uns tun!« knurrte der Türke mit dem gewaltigen Schnauzbart.
    Sie machten sich unverzüglich auf den Weg…
    ***
    Sie waren aufgefordert worden, sich anzuschnallen und das Rauchen einzustellen. Nun sank die Air-France-Maschine langsam auf die regennasse Landebahn des Schwechater Flughafens hinab. Nicole wandte ihren blonden Lockenkopf. Sie lächelte Professor Zamorra an und sagte: »Badewetter in Wien, Chef. Wer hätte das gedacht.«
    Der Parapsychologe nickte mit zusammengezogenen Brauen. »Wir werden gegen Bill Fleming zu einer prima Schlammschlacht antreten können.«
    Die Düsenmaschine setzte sicher auf der Betonpiste auf. Der Pilot ließ den mächtigen Silbervogel langsam ausrollen. Die

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