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Ruby Redfort: Gefährlicher als Gold (German Edition)

Ruby Redfort: Gefährlicher als Gold (German Edition)

Titel: Ruby Redfort: Gefährlicher als Gold (German Edition)
Autoren: Lauren Child
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University geschickt, die es nach zweiwöchigen Bemühungen endlich herausbekamen. Sie boten ihr sofort einen Studienplatz ab dem nächsten Semester an, doch Ruby lehnte dankend ab. Sie hatte keine Lust, eine durchgeknallte Fachidiotin zu werden, wie sie sagte.

Etliche Jahre später …
    1. Kapitel
    Man weiß nie ganz genau, was als Nächstes passiert
    Ruby Redfort saß auf einem Hocker am Badezimmerfenster und starrte nun schon seit geschlagenen einundzwanzig Minuten durch ihr Fernglas auf den Lieferwagen einer Bäckerei. Bis jetzt war keiner auch nur mit einem Heidelbeermuffin ausgestiegen. Ruby trank den letzten Schluck ihrer Bananenmilch und schrieb etwas in das kleine gelbe Heft auf ihrem Schoß. Sie besaß inzwischen 622 dieser gelben Notizhefte, die mit einer einzigen Ausnahme allesamt unter den Holzdielen in ihrem Zimmer versteckt waren. Obwohl sie schon vor neun Jahren mit diesem Hobby angefangen hatte, durfte bis heute niemand, nicht mal ihr bester Freund Clancy, auch nur ein einziges Wort davon lesen. Viel von dem, was Ruby beobachtet hatte, wirkte auf den ersten Blick eher banal, aber auch hinter etwas banalem kann sich ein Geheimnis verbergen (Regel 16) .
    Ruby besaß außerdem noch ein pinkfarbenes Notizheft, das Eselsohren hatte und nach Kaugummi roch, und darin listete sie ihre Ruby-Regeln auf, bisher insgesamt genau neunundsiebzig.
    REGEL 1: MAN WEISS NIE GANZ GENAU, WAS ALS NÄCHSTES PASSIERT . An diesem Satz war echt was dran.
    Ruby war ein zierliches Mädchen, eher klein für ihre dreizehn Jahre – und auf den ersten Blick ganz normal. An ihr war nichts Auffälliges – solange man nicht genau hinsah. Dann erst bemerkte man, dass ihre grünen Augen nicht genau dieselbe Farbe hatten. Und wenn diese Augen einen anschauten, erinnerte man sich manchmal kaum daran, was man gerade gesagt hatte. Und wenn Ruby lächelte, sah man ihre kleinen Zähne, die fast wie die einer Puppe aussahen und es einem unmöglich machten, sie nicht total süß zu finden. Doch das Besondere an Ruby Redfort war, dass man sich sofort wünschte, dass sie einen mochte, wenn man sie zum ersten Mal traf.
    Das Badezimmertelefon läutete; gelangweilt nahm Ruby ab: »Brandys Perückensalon, heute noch Haare, morgen nicht mehr.«
    »Hi, Ruby«, sagte die Stimme am anderen Ende der Leitung; es war Clancy Crew.
    »Was gibt’s, Clance?«
    »Nicht viel, ehrlich gesagt.«
    »Wem oder was verdanke ich dann das Vergnügen dieses Anrufs?«
    »Langeweile«, gähnte Clancy.
    »Dann setz deinen Hintern in Bewegung und komm hierher, Kumpel!«
    »Würde ich ja gern, Ruby, aber mein Dad will mich zu Hause haben – er hat mal wieder so einen doofen Botschaftsempfang und will, dass wir alle bei Fuß stehen und dämlich grinsen, du weißt schon.«
    Clancy Crews Vater war Botschafter und musste ständig den einen oder anderen Empfang geben. Bei solchen Anlässen legte Botschafter Crew größten Wert darauf, dass seine Kinder geschniegelt herumliefen und den Gästen Cocktailhappen servierten, um allen zu beweisen, was für ein toller Vater er war – obwohl er in Wirklichkeit immer so viel um die Ohren hatte, dass er sich nicht mal an die Geburtstage seiner Kinder erinnerte.
    »Einige Leute haben den ganzen Spaß«, sagte Ruby gedehnt.
    »Stimmt, mein Leben ist zum Kotzen«, meinte Clancy.
    »Wie wär’s, wenn du trotzdem vorher noch auf einen Sprung vorbeikommst? Tut dir bestimmt gut. Wir schauen uns einen oder zwei Zeichentrickfilme an. Danach düst du schnell wieder nach Hause und lächelst brav in die Kameras.«
    »Na schön, Ruby, überredet. Bin in zehn Minuten bei dir.«
    Ruby legte das Telefon auf. Es wohnte quasi mit zwei anderen Telefonen im Regal: eines hatte die Form einer Muschel, das andere war als Seife getarnt. Ruby hatte aber noch weitere Telefone. Sie sammelte Telefone, seit sie ungefähr fünf war, in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Das Donut-Telefon war ihr erstes gewesen – ihre neueste Erwerbung war ein Eichhörnchen, das einen Smoking trug. Sie stammten fast alle von Flohmärkten.
    Ruby wollte gerade auf ihren Beobachtungsposten am Badezimmerfenster zurückkehren, als die Haussprechanlage summte – Rubys Eltern hatten vernünftigerweise in jedem Stockwerk eine installieren lassen, damit niemand im Haus herumschreien musste.
    Sie drückte auf den Sprechen -Knopf.
    »Ja bitte? Womit kann ich dienen?«
    »Hallöchen«, sagte eine Stimme am anderen Ende der Sprechanlage. »Hier spricht Mrs Digby, die Haushälterin.

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