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Nicholas' Geheimnis (German Edition)

Nicholas' Geheimnis (German Edition)

Titel: Nicholas' Geheimnis (German Edition)
Autoren: Nora Roberts
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1. K APITEL
    Der Himmel war wolkenlos und blau wie auf einer Ansichtspostkarte. Vor der fernen Silhouette der Berge hing ein leichter Dunstschleier. Ein sanfter Wind strich raschelnd durch das Laub der Bäume und Sträucher und trug den Duft von Rosen, feuchtem Gras und Meerestang heran. Melanie seufzte glücklich. Sie beugte sich noch weiter über das Balkongitter und musste immer nur schauen.
    Hatte sie wirklich erst gestern noch aus ihrem Fenster auf die Stahl- und Betonwüste New Yorks hinausgeblickt? War sie durch den kühlen Aprilregen die Straße entlanggerannt, um ein Taxi zum Flughafen zu erwischen? Nur einen einzigen Tag war das her. Es konnte doch nicht möglich sein, dass zwischen zwei Welten nur ein einziger Tag lag.
    Dennoch war es so. Melanie stand auf dem Balkon einer Villa auf der Insel Lesbos. Hier gab es keinen grauen Himmel, keinen Nieselregen, keinen Lärm, nur Sonne und Meer und lichtdurchflutete Stille unter dem leuchtenden Himmel Griechenlands.
    Es klopfte. »Herein!« rief Melanie, atmete noch einmal tief durch und drehte sich um.
    »Oh, du bist ja schon aufgestanden und angezogen?« Liz schwebte in den Raum, eine goldhaarige Elfe, gefolgt von einem Mädchen mit einem beladenen Tablett.
    »Das nenne ich Zimmerservice«, lächelte Melanie, als das Mädchen das Tablett auf einem Glastischchen abstellte. Das Frühstück duftete verführerisch. »Leistest du mir Gesellschaft, Liz?«
    »Nur auf einen Kaffee.« Liz setzte sich in einen Sessel, strich ihr Negligee aus Seide und Spitze glatt und musterte Melanie nachdenklich.
    Ihr Blick glitt über das leuchtend blonde, auf die Schultern herabfallende Haar und verweilte auf dem zarten Gesicht mit der kleinen geraden Nase, den hohen Wangenknochen und den großen meerblauen Augen. Manches Fotomodell hätte alles für ein solches Engelsgesicht gegeben.
    »Oh Melanie, du bist schöner denn je! Ich freue mich so, dass du endlich hier bist.«
    Melanie blickte auf die Landschaft hinaus. »Und da ich endlich hier bin, verstehe ich nicht, wie ich es so lange hinauszögern konnte.«
    Das Dienstmädchen schenkte den Kaffee ein.
    » Efcharistó «, bedankte sich Melanie.
    »Unglaublich!« schimpfte Liz gespielt ärgerlich. »Weißt du, wie lange ich gebraucht habe, bis ich endlich ›guten Tag, wie geht es Ihnen?‹ auf Griechisch sagen konnte?« Als Melanie etwas erwidern wollte, winkte sie lächelnd ab, Brillanten und Saphire ihres Eherings blitzten in der Sonne auf. »Lass nur! Nach drei Jahren mit Alex und einem ebenso langen Leben in Athen und auf Lesbos stolpere ich noch immer über diese Sprache. Danke, Zena«, fügte sie hinzu und entließ das Mädchen mit einem Lächeln.
    »Weil du dich weigerst, sie zu lernen.« Melanie biss in ein Stück Toast. Erst jetzt merkte sie, wie hungrig sie war. »Wenn du dich einer fremden Sprache nicht verschließt, nimmst du sie ganz von selbst auf.«
    »Du hast gut reden.« Liz schaute Melanie vorwurfsvoll an. »Du sprichst mindestens ein Dutzend Sprachen.«
    »Fünf.«
    »Vier mehr, als ein normaler Mensch braucht.«
    »Das gilt aber nicht für eine Dolmetscherin.« Melanie machte sich über das Rührei her. »Spräche ich nicht Griechisch, hätte ich Alex nicht kennen gelernt, und du wärst jetzt nicht Elizabeth Theocharis. Schicksal«, fuhr sie fort, »ist ein seltsames und wunderbares Phänomen.«
    »Philosophie beim Frühstück«, sagte Liz in ihre Kaffeetasse hinein. »Manchmal frage ich mich, wie es mir heute ginge, wenn ich nicht zufällig zwischen zwei Flügen zu Hause gewesen wäre, als Alex aufkreuzte. Du hättest uns nicht miteinander bekannt gemacht.« Sie nahm sich eine Scheibe Toast und gab einen Klecks Pflaumengelee darauf.
    »Alles ist vorbestimmt, Liz«, sagte Melanie. »Das Schicksal hat euch zusammengeführt, nicht ich. Bei euch beiden war es Liebe auf den ersten Blick – nur ist das nicht mein Verdienst.« Sie lächelte zu der kühlen blonden Schönheit hinüber. »Kaum hattet ihr euch kennen gelernt, hattet ihr auch schon geheiratet und flogt davon, und ich saß allein in dem leeren Apartment.«
    »Wir hatten beschlossen, erst zu heiraten und uns danach kennen zu lernen.« Liz lachte leise in sich hinein. »Und so geschah es dann auch.«
    »Wo ist Alex eigentlich?«
    »Unten in seinem Arbeitszimmer.« Liz legte ihren Toast auf den Teller zurück. »Er baut wieder mal ein Schiff.«
    Melanie musste lachen. »Du sagst das, als wäre er mit seiner Spielzeugeisenbahn beschäftigt. Du solltest dich

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