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LIGEIA - Ein erotischer Horrorthriller (German Edition)

LIGEIA - Ein erotischer Horrorthriller (German Edition)

Titel: LIGEIA - Ein erotischer Horrorthriller (German Edition)
Autoren: John Everson
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PROLOG
    1979
    Dicht wie Nebel hing das Salz in der Luft; der Geschmack des Ozeans füllte Andys Mund aus, während sie ihn an den Felsen entlangführte. Deutlich hob das karge Licht des Nachthimmels die Nähte ihrer Jeans aus der Dunkelheit hervor. Andy musste sich zusammenreißen, um nicht nach dem vor ihm hin und her wiegenden Vollmond ihres Hinterns zu grapschen, als sie ihn kreuz und quer, hinauf und hinab durch das Labyrinth aus Felsblöcken zu dem geheimen Platz führte, den sie für ihr Treffen vorbereitet hatte. Zu der Stelle, an der sie endlich ihre Jeans ausziehen würde. An der sie ihr Blut miteinander teilen wollten.
    Sie war schon etwas älter. Dunkelhaarig, schlank, sexy, und sie hieß Cassie. Andy hatte sie in dem Künstlercafé kennengelernt, in dem er nach der Schule immer seine Hausaufgaben erledigte. Sie behauptete, sie wäre 23, doch in ihren Augen lag ein Wissen, das ihren Lebensjahren weit voraus zu sein schien. Andy war von ihren Annäherungsversuchen völlig hin und weg gewesen, zugleich hatte er Angst davor gehabt, doch schließlich ergab er sich der Verlockung, die von diesen dunklen Augen ausging. Und heute Nacht würde er mit ihr ein Ritual vollziehen. Eine Beschwörung, wie sie sagte, um eine Macht aus dem Jenseits auf die Erde zu rufen. Eine Macht, auf die sie zu ihrem beiderseitigen Nutzen zurückgreifen wollte … sofern er genau das tat, was sie von ihm verlangte. In Wirklichkeit war es ihm relativ egal, ob er ein Stück von dieser Macht abbekam oder nicht … viel wichtiger war ihm ein Stück von ihr. Schon seit Wochen spielte sie – nachts wie tagsüber – in seinen Träumen die Hauptrolle.
    »Hier«, verkündete Cassie. Sie drehte sich zu ihm um und schlang ihm die Arme um den Hals. Hinter ihrem Kopf konnte er den schwachen Schimmer ausmachen, mit dem sich die Wellen in weißer Gischt an der felsigen Küstenlinie brachen. »Ich kann hier etwas Kräftiges spüren«, sagte sie. »Dies ist ein machtvoller Ort. Ich kenne ihn schon seit Jahren.«
    Andy zuckte die Achseln. Auf ihn wirkte die Stelle nicht anders als jeder übrige Abschnitt dieses gottverlassenen Strands. Selbst bei Tag kam niemand zum Schwimmen her; es war viel zu gefährlich. Außerdem gab es überdurchschnittlich häufig Warnungen vor Haien in der Bucht, obwohl hier eigentlich kaum jemand baden ging.
    Doch als Cassie ihm ihre warmen Lippen auf den Mund presste, vergaß Andy den Strand um sich herum und dachte an nichts anderes mehr als an die verführerische Hitze ihres Körpers, der sich gegen ihn drückte. Und an das Auflodern der Leidenschaft in den Augen, die ihn intensiv anstarrten. Sie mochte zwar älter sein als er, doch dafür war sie klein und zierlich. Und als sie sich gelenkig mit wohlgeformten Kurven an seine Brust schmiegte und er ihr in die Augen sah, wurde ihm klar, dass er heute Nacht – ja, heute Nacht – ein richtiger Mann werden würde.
    Für einen 17-Jährigen ein kaum vorstellbarer, wunderbarer Gedanke, bei dem er weiche Knie bekam.
    Cassie indes dachte ausschließlich an den Zauber, den sie wirken wollte. Das Meer, Mutter allen Lebens, war erfüllt von Macht. Einer schweren, tiefen, lautlosen Macht. Einer Macht, die ebenso gewaltig wie trügerisch und launenhaft ihre Wirkung entfaltete. Und hier, an diesem Ort, lockte noch etwas, auch wenn sie nicht genau zu sagen vermochte, was. Der Gesang wurde durch die Luft herangetragen wie das ferne Zirpen einer Heuschrecke.
    Sie lotste Andy zu einer freien Stelle am Strand, genau dorthin, wo die Flutwellen an ihre Grenzen stießen, und leerte ihre Tasche aus. Mit den Händen grub sie kreisförmig acht Löcher in den Sand und stellte in jedes einen Kerzenstummel, in die Mitte legte sie ein Paar körperloser Krähenfüße. Erneut küsste sie Andy und drückte ihn in eine liegende Haltung. Mit einem Lächeln sprang sie wieder auf die Füße und lief direkt an der Wasserlinie entlang, bis sie fand, was ihr noch fehlte.
    Sie kehrte zurück und schlang mehrere Büschel Seetang um den Kreis, fädelte sie wie eine Girlande zwischen den Kerzen ein. Andy sah zu, wie sie weitere Objekte in die Mitte des Kreises legte – Laub, Haare und etwas Knorriges, Knotiges, bei dem es sich um die Wurzel einer Pflanze, ebenso gut aber auch um getrocknetes Fleisch handeln mochte. Andy war sich nicht sicher, wollte es aber auch nicht so genau wissen.
    Cassie entzündete die Kerzen. Obwohl sie tief in den gegrabenen Löchern Schutz fanden, flackerten sie heftig in der

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