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Dracyr – Das Herz der Schatten

Dracyr – Das Herz der Schatten

Titel: Dracyr – Das Herz der Schatten
Autoren: Susanne Gerdom , Susanne
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dem zwingenden Blick seines Vaters nach und senkt die Lider. » Ja, Vater « , flüstert er. » Ich habe Euch verstanden. «
    Die schwere Hand des Dracyrmeisters ruht für einen Moment auf seinem Scheitel. » Du bist mein Sohn « , sagt Lord Harrynkar, und Damian ist sich nicht vollkommen sicher, ob seine Worte ein Lob, eine Bestätigung oder eine Verwünschung bedeuten.
    Der Dracyrmeister wendet sich ab und Damian stößt den angehaltenen Atem aus. Er sinkt gegen die Fensterbrüstung und klammert sich mit beiden Händen an den Sims.
    Crook, der Kammerdiener seines Vaters, nähert sich schweigend und mit gesenktem Blick, in seinen Armen der schwarze Ledermantel, den er dem Dracyrmeister umlegt. Er greift zum Kragen und schließt die schwere goldene Agraffe, die ihn zusammenhält. Lord Harrynkar lässt die Verrichtungen reglos über sich ergehen, sein Blick ist immer noch auf Damian gerichtet. Seine Lippen umspielt das spöttische Lächeln, mit dem er die Welt und die Menschen zu betrachten pflegt und das so kalt ist wie eine Mittwinternacht.
    Â» Du grübelst zu viel, Damian, mein Sohn « , sagt er und ruckt den schweren Mantel zurecht, legt den seidenen Übermantel in fließende Falten. Schwarzrot wie geronnenes Blut ist er, nur eine Schattierung dunkler als der lange Zopf des Dracyrmeisters, der wie eine glänzende Blutspur über seine Schulter fällt.
    Damian neigt den Kopf und senkt sich zum Gruß auf ein Knie, als Lord Harrynkar den Raum verlässt. Er verharrt kniend auf dem kalten Steinboden, das Gesicht in den Händen vergraben, während die Dunkelheit seine Seele verschlingt.

Kapitel 3
    Die Haushälterin war eine Ehrfurcht gebietende Erscheinung: groß, breitschultrig wie ein Mann, mit kräftigen Händen und einem energischen Kinn, streng geflochtenem dunklen Haar, dem weiße Strähnen Lichter aufsetzten, einem schmallippigen Mund und Augen, denen nichts entging. Wenn sie königlichen Putz getragen hätte, hätte sich jedermann ohne zu zögern vor ihr auf den Boden geworfen, dachte Kay. Aber selbst die schlichte, dunkle Kleidung der Bediensteten tat der Autorität, die Mamsell Ellinor ausstrahlte wie ein Leuchtsignal, keinerlei Abbruch.
    Â» Du siehst aus, als könntest du dich bewegen, ohne über deine eigenen Füße zu stolpern « , sagte sie zu Kay. » Dreh dich einmal. « Sie legte die Hand ans Kinn und neigte den Kopf. » Wir werden dich einarbeiten, und dann sehen wir, ob du etwas taugst. Wenn du dich geschickt und fleißig zeigst, wirst du zum Cauwwafest den Hausmädchen zugeteilt. «
    Sie runzelte schwach die Stirn, als die jüngere Frau, die stumm an ihrer Seite stand und Kay ein ermutigend-freundliches Lächeln schenkte, sich mit leiser Stimme einmischte. » Mamsell, darf ich daran erinnern, dass Alina für einige Wochen ausgefallen ist? «
    Die Mamsell räusperte sich ärgerlich. » Danke, Bertha « , sagte sie kühl. » Es war meinem Gedächtnis durchaus nicht entfallen. « Sie musterte Kay erneut vom Kopf bis zu den Pantinen und seufzte unwillig. » Nun gut, wir können es probieren. Bertha, sorg dafür, dass Karolyn eingekleidet wird. Karolyn, befolge Berthas Anweisungen, als seien sie die meinen. Sie ist das oberste Hausmädchen, und ihr anderen untersteht ihr, wenn ich nicht anwesend sein kann. Ich möchte dich heute Abend noch einmal eingehend examinieren, aber jetzt muss ich mich um dringlichere Aufgaben kümmern. « Sie nickte Kay hoheitsvoll zu und schritt davon.
    Kay stieß den Atem aus, sie merkte jetzt erst, dass sie die Luft angehalten hatte. Sie hatte sich dafür entschieden, als Karolyn Donne ihren Dienst anzutreten. Ihr wahrer Name barg die Gefahr, jemandem aufzufallen, schließlich war ihre Familie bis vor wenigen Dekaden eines der ersten Adelshäuser des Landes gewesen.
    Bertha lächelte sie wieder an. » Folge mir bitte « , sagte sie. » Du musst keine Angst haben, Mamsell Ellinor ist lange nicht so streng, wie sie tut. Sie hat noch nie ein Mädchen geschlagen oder härter als mit Worten bestraft. « Sie schob eine schwere Tür auf, die in einen düsteren Gang aus dunklem Stein führte, und hob einen großen Korb auf, der neben der Tür wartete.
    Kay nahm ihr einen Henkel ab und sah sich um. Die Burg war ihr fremd, sie hatte als kleines Kind nur den Königspalast ein Stück außerhalb der

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