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1398 - Tänzer, Tod und Teufel

1398 - Tänzer, Tod und Teufel

Titel: 1398 - Tänzer, Tod und Teufel
Autoren: Jason Dark
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Gräber der damals reichen Familien. Das waren schon kleine Bau- und Kunstwerke. Da traf man Götter, da traf man Tiere und Symbole, die auf eine ägyptische Tradition hindeuteten.
    Es gab einen Ost- und einen Westteil, wobei der bekannteste Tote im Ostteil begraben lag. Es war Karl Marx. Auf seinem Grab steht eine gewaltige Portraitbüste.
    Es gab zum Glück Menschen, die die alten Grabstätten erhalten und vor dem Verfall retten wollten, und so hatte man sich zu einem Verein zusammengefunden, deren Mitglieder sich um die Rettung Gedanken machten.
    Wir hatten uns zuvor erkundigt und wussten deshalb genau, wo wir hin mussten. In den Ostteil, nicht in dessen Zentrum, sondern zu der großen Gruft, die nicht nur in der Erde lag, sondern als Bauwerk auch darüber hinwegragte.
    Hier standen die Urnen in entsprechenden Schließfächern, die natürlich verschlossen waren. Schon seit langen Jahren, denn wer sich heute verbrennen ließ, dessen Asche fand einen anderen Platz.
    Warum man die Urnen in Schließfächer versteckt hatte, wusste ich auch nicht. Ich ging mal davon aus, dass es immer wieder Diebe gegeben hatte – womöglich Verwandte –, die auf die Asche der Verstorbenen ein Auge geworfen hatten. Schließlich gibt es nichts auf dieser Welt, was es nicht gibt.
    Sema Mayek kannte den Friedhof nicht. Ich hatte ihn schon mal besucht, wusste allerdings nicht mehr, wann das gewesen war. Jedenfalls lag es recht lange zurück.
    Unseren Rover hatte wir vor dem Gelände geparkt und ein Gelände betreten, dass durchaus den Namen Park verdiente. Eine Anlage für Leichen, die auch von Spaziergängern benutzt werden konnte, denn die Natur hatte sich ebenfalls ausbreiten können.
    Die Denkmäler auf den Gräbern wurden von den Zweigen hoher Laubbäume geschützt. Buschwerk hatte ebenfalls seinen Platz gefunden, um sich auszubreiten, aber der Winter hatte das Grün der Bäume und Pflanzen vergessen lassen. Düstere Farben herrschten vor, ebenso wie am Himmel, über den graue Wolken trieben.
    Sema schaute sich scheu um, als wir das Gelände betreten hatten.
    Sie hielt dabei die Stirn gefurcht, und ich fragte, was sie bedrückte oder mit welchen Gedanken sie sich beschäftigte.
    »Es gefällt mir hier nicht, John!«
    »Warum nicht?«
    Sie blieb stehen und hob die Schultern. »Eine solche Umgebung ist ideal für einen Hinterhalt. Ich kann mir vorstellen, dass der Killer auf uns wartet.«
    Suko sprach dagegen. »Ich glaube eher daran, dass er an seinem eigentlichen Ziel interessiert ist. Er wird möglicherweise mit uns rechnen, aber uns nicht auflauern.«
    Sema lächelte wissend. »Nichts dagegen, Suko. Nur kennt ihr Chiram nicht. Wenn beide zusammenarbeiten, hat Chiram dafür gesorgt, dass es für ihn eine gewisse Rückendeckung gibt. Man darf diese Person auf keinen Fall unterschätzen.«
    »Dann gehst du davon aus, dass wir es mit mehr Gegnern zu tun haben?«, fragte Suko.
    »Ja, das glaube ich.«
    »Was meinst du, John?«
    »Wir werden uns darauf einstellen.«
    Ich hoffte, dass es nicht zu einer Auseinandersetzung mit irgendwelchen Gangstern kommen würde. Ausschließen konnten wir es nicht, und wir nahmen Semas Bedanken ernst. Deshalb gingen wir auch nicht wie normale Wanderer, sondern schauten uns auch um.
    Es gab keine Hinweise darauf, dass man uns erwartete.
    Es gab den gepflegten Teil des alten Friedhofs, aber auch den weniger gepflegten, und genau dort bewegten wir uns. Ein recht großes und dicht bewachsenes Gelände, auf dem die Grabstätten kaum auffielen, weil Buschwerk und andere hohen Pflanzen sie umwuchert hatten.
    Die Urnengruft war zwar recht groß, aber sie war nur schwer zu entdecken, weil die Natur hier hatte wuchern können. Man hatte sich lange nicht um den Bau gekümmert.
    Traurig und kahl wirkte die Umgebung, wenn wir uns die Bäume anschauen. Hohe Gerippe mit Ästen und Zweigen. Verloren hingen noch an einigen ein paar Blätter. Sie wirkten wie traurige Fahnenstücke, die bald abfallen würden.
    Über einen alten Wasserbecken schaute ein Löwenkopf hinweg.
    Es floss kein Wasser mehr. In der kalten Jahreszeit war das nicht gut. Das Becken sahen wir als einen Wegweiser an, denn einer der Pfade führte von diesem Punkt aus direkt bis zur Gruft.
    Der Weg zu den Gestorbenen und Verbrannten war schmal.
    Rechts und links hatten sich die Büsche ausbreiten können. Blattloses Gestrüpp krallte sich ineinander. Kein Grabstein stemmte sich in die Höhe. Wenn wir überhaupt welche sahen, dann lagen sie flach oder

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