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0828 - Drachenritt

0828 - Drachenritt

Titel: 0828 - Drachenritt
Autoren: W.K. Giesa
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Er schwenkte den Kopf bedächtig hin und her, schnob Feuer in alle Richtungen, das einen Teil des Nebels fraß. Der Drache wurde komplett sichtbar.
    Riesige, messerscharfe Zähne. Erdbraune Schuppenhaut. Gelbe Augen. Spitze, lange Hörner auf dem Schädel. Riesige Schwingen. Ein schlangenartiger Körper mit großen, stark ausgeprägten Extremitäten. Auf seinen langen Beinen musste die Bestie verteufelt schnell rennen können. Die Vorderläufe waren Armen gleich geformt, die Hände krallenbewehrte, langfingrige Pranken. Der Bursche sah aus wie das personifizierte Böse.
    Aus seinen gelben Augen starrte er die Goldhaarige an.
    »Och nöö«, krächzte er heiser. »Nicht schon wieder ein Mädchen! Hört das denn nie auf? Welcher bescheuerte König schickt dich denn hierher?«
    Fassungslos starrte sie ihn an, völlig sprachlos.
    »Weißt du was, Süße?«, grummelte der Drache. »Schwirr wieder ab und versuch, deinem König und allen anderen dämlichen Wanderfischchen endlich mal beizubringen, dass ich keine Jungfrauen fresse!«
    »Ich bin ja auch keine Jungfrau mehr«, entfuhr es der Goldhaarigen.
    »Weißt du was, Süße? Das interessiert mich einen feuchtwarmen Dung. Verzupf dich. Mach die Parfümnummer!«
    »Die was?«
    »Verdufte!«, erklärte er. »Hebe dich flugs hinfort! Ich will meine Ruhe haben, Wanderfischchen!«
    Die Goldhaarige schluckte. Eine solche Kreatur war ihr noch nie begegnet. Immerhin: er schien keine unmittelbare Gefahr für sie zu bedeuten. Das war doch schon mal was!
    Entschlossen baute sie sich breitbeinig vor ihm auf, stemmte die Fäuste gegen die Hüften. »Erstens, du seltsames Ungeheuer, habe ich einen Namen. Du auch? Ich bin Teri Rheken, die Silbermond-Druidin. Zweitens bin ich kein Wanderfisch, überhaupt kein Fisch, sondern…«
    »Na, wie ein Schleichhase siehst du aber auch nicht aus«, murrte der Drache, holte tief Luft und nieste kräftig. Eine erneute Feuerwolke fauchte haarscharf an der Goldhaarigen vorbei.
    »Verzeihung«, knarzte der Drache. »Ich habe Heuschnupfen. Und ich habe natürlich auch einen Namen. Ich bin Meister Schleweckermauzbaumfallschnappbeißer der Große von und zu Klingenschmiedfunkensprüh der Ältere, anbetungswürdigster aller - haa-aatschiehü!« Er schüttelte sich und kratzte sich ein paar Funken von der Nase, die zurückgestiebt waren. »Dieser verdammte Heuschnupfen!«
    »Hier gibt es doch gar kein Heu«, seufzte Teri kopfschüttelnd, die der Feu -erwolke abermals nur knapp entgangen war.
    »Na und!«, donnerte der Drache. »Muss man unbedingt Heu haben, um Heuschnupfen zu bekommen? Das liegt wohl daran, dass ich lange nichts mehr gefressen habe!«
    »Komm jetzt bloß nicht auf dumme Ideen«, warnte die Silbermond-Druidin.
    »Ich komme nur auf schlaue Ideen«, versetzte der Drache. »Und eine dieser Ideen ist, dass du zwar abstreitest, ein Wanderfischchen zu sein, obgleich du so schönes langes Haar hast wie ein Wanderfischchen, aber mir noch nicht gesagt hast, was du denn nun bist.«
    »Ein Mensch.«
    »Und was stellt das dar? Eine besondere Unterart von Insekten oder Amphibien? Oder Sauriern? Ach nein, die Saurier sind ja vor ein paar Tagen ausgestorben - kluge Entscheidung. Zu welcher Gattung gehörst du also?«
    »Säuger«, stöhnte Teri.
    »Ah«, der Drache zeigte jähe Begeisterung. »Ein Säugetierchen. Das ist ja hochinteressant. Habe lange keines mehr gesehen. Aber…« Er richtete sich halb auf. »Ihr Säugetierchen seid gefährlich. Ihr habt Dutzende meiner Art erschlagen. Einfach so, ohne Grund!«
    »Ich bin nicht gefährlich. Außer, ich werde bedroht.«
    »Das sagen sie alle. Die Säugetierchen, die Amphibien, die Insekten, die Fledervögelchen - alle kommen sie immer mit derselben dummen Ausrede. Lass dir was besseres einfallen. Äh - wolltest du nicht verschwinden und mich in Ruhe lassen? Du vergeudest nur unnötig meine Zeit. Mich hungert. Und du hältst mich davon ab, schmackhafte Nahrung zu finden.«
    Er legte den Kopf schräg und beäugte Teri eingehend. »Obwohl… wenn ich es recht bedenke…«
    »Wage es nicht, mich fressen zu wollen! Du würdest dein blaues Wunder erleben!«, warnte die Druidin.
    »Ich mag keine blauen Wunder«, klagte der Drache. »Die in Rosa oder Schleimbeutelgrün sind mir lieber.«
    »Sag mal«, murmelte-Teri. »Willst du mich verarschen, du Schlewe-und-so-weiter-und-sofort?«
    »Nicht Schlewe-und-so-weiter-und-sofort!«, empörte sich der Drache. »Mein wohledler Name ist, wie ich dir bereits mitteilte,

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