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0540 - Der Vampir, die Mörderin und ich

0540 - Der Vampir, die Mörderin und ich

Titel: 0540 - Der Vampir, die Mörderin und ich
Autoren: Jason Dark
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Durch das harte Bremsen war der Wagen etwas aus der Spur gekommen. Ich war ziemlich links gefahren und hatte mich in Bordsteinnähe befunden, über den der Rover jetzt hinweghüpfte, dabei bockte und endlich stand.
    Die letzten drei Sekunden hatten mich Nerven und Schweiß gekostet. Über meinen Rücken lief eine kalte Bahn, aber ich dachte auch an die Frau, die ich erwischt hatte.
    Zeugen hatte es nicht gegeben. Diese Parkgegend war ziemlich einsam, obwohl sie in London lag.
    Ich dachte an die Frau und stieß den Wagenschlag auf.
    Es hatte schlimm ausgesehen. Sie war aber auch erschienen, als hätte sie darauf gewartet, erwischt zu werden.
    Selbstmorde kamen in London oft genug vor. Ich hoffte nur, keine dieser Kandidatinnen erwischt zu haben.
    Der reglose Körper lag nicht direkt im Licht der Scheinwerfer. Etwas versetzt, am linken Rand, nahe der Parkmauer. Die Gegenkraft hatte das Mädchen so weit geschleudert.
    Mein Herz klopfte schneller. Wenn sie so weit geworfen worden war, konnte Schlimmes passiert sein. Ich mußte mit allem rechnen.
    Ihr Kleid, ein Einteiler im Fetzenlook, war bis zum Po hochgerutscht. Ebenso schwarz wie die Stiefel war auch der breite Gürtel, der das Kleidungsstück in Höhe der Taille hielt.
    Vom Gesicht konnte ich nicht viel erkennen, da es teilweise durch die rotblonde Haarflut verdeckt wurde.
    Irgendwie lag die Angefahrene malerisch auf den Gehsteigplatten. Fast schon zu schön.
    Ich kniete mich neben sie. Für meine Umgebung hatte ich keinen Blick, mich durfte nur das Mädchen interessieren. Ich beugte mich vor – und bekam es knüppeldick.
    Die Kleine verpaßte mir eine Kopfnuß.
    Ein alter Trick. Ungeheuer wirksam, wenn man ihn beherrscht und der andere nicht darauf vorbereitet ist.
    Sie kam mir entgegen, aber wie. Ich sah noch die Haare wirbeln, als sie aus der liegenden Haltung hochschnellte, dann knallte ihre Stirn irgendwo auf meinen Nasenrücken, und ich sah nur noch Sterne.
    Die Angefahrene nutzte es aus, daß ich die Übersicht verloren hatte.
    Sie gab es mir noch einmal. Diesmal mit der Handkante, die mich zwischen Schulterblatt und Hinterkopf traf. Ein Treffer, der bei mir die Lichter löschte.
    Ich merkte nicht einmal, daß ich umfiel und mich die Frau auffing. Ihr knappes Lachen hörte ich auch nicht. Sie schleifte meinen leblosen Körper dorthin, wo er nicht so leicht entdeckt werden konnte. Direkt neben die Grenze des Parks, wo man unter den weit vorragenden Ästen stehen konnte.
    Für die Dauer einiger Sekunden blieb die Rotblonde unbeweglich stehen, als würde sie darüber nachdenken, ob sie den Bewegungslosen töten sollte.
    Schließlich hob sie die Schultern, drehte den Kopf, und ihr Blick blieb auf dem Rover haften.
    Auf dieses Fahrzeug war es ihr angekommen. Sie lief hin und zertrümmerte die restlichen Scheibenstücke, die noch im Rahmen hingen. Es war nicht viel, doch sie wollte beim Fahren nicht behindert werden.
    Dann stieg sie ein. Erst jetzt rollten zwei andere Fahrzeuge vorbei.
    Deren Fahrer kümmerten sich nicht um den Rover, der von der Rotblonden auf die Fahrbahn gelenkt wurde.
    Dort gab sie Gas.
    Um ihre Lippen spielte ein Lächeln. Es war nicht freundlich, denn es verhieß etwas anderes.
    Den Tod…
    ***
    »Ich an Ihrer Stelle würde den Konsum von harten Sachen etwas einschränken«, sagte Suko, der am Fenster stand und hinaus in den großen parkähnlichen Garten schaute, wo nur wenige Laternen brannten. Sie standen so, daß sie die beiden Mietshäuser aus der Gründerzeit nur schwach anleuchteten, aber ihr Licht in die Nähe des Eingangs streuten.
    »Warum?«
    »Weil man als Betrunkener doch so gut wie keine Reaktion besitzt, Mister.« Suko drehte sich um, weil er das Gluckern gehört hatte, als der Whisky aus der Flasche in das Glas floß.
    Gordon Tile starrte Suko an. »Haben Sie schon einmal Angst gehabt?« fragte er keuchend.
    »Sicher.«
    »Auch Todesangst?«
    »Die ist mir ebenfalls nicht neu.«
    Tile nahm einen Schluck. Er war ein dickleibiger Mann mit wenigen Haaren und einer schmalen Brille. Die Brille besaß ein modernes, dunkles Horngestell, das eigentlich nicht zu ihr paßte.
    Das Hemd war durchgeschwitzt, die blaue Jeans saß eng, und Tiles Gesicht zeigte ein Muster aus Schweißtropfen.
    Er bewegte die fleischigen Lippen, als er trank. Suko kam es vor, als wollte er den Alkohol essen. Tile stellte das halbleere Glas ab, nahm die Brille ab und wischte über sein Gesicht. Suko konnte die Augen jetzt besser erkennen. Sie waren grau und

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