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043 - Der Mann von Marokko

043 - Der Mann von Marokko

Titel: 043 - Der Mann von Marokko
Autoren: Edgar Wallace
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erzählten . . .?«
    Hamon sprach schnell und etwas zusammenhanglos. Die vielen Fragen waren Lord Creith zuwider, und er schloß müde die Augen.
    »Ich weiß nicht, wer er ist... ich habe nur seinen Namen erwähnt. Was haben Sie denn?«
    »Nichts«, entgegnete Hamon barsch. »Denken Sie bitte daran, mit Joan zu sprechen.« Damit verließ er die Bibliothek.
    Joan war in ihrem Zimmer, als das Mädchen sie rief.
    Sie erschien gleich darauf bei ihrem Vater, der schon wieder in seinen Auktionskatalog vertieft war.
    »Ach, Joan, ich möchte dich wegen einer Sache sprechen - ja, ich besinne mich jetzt. Sei doch zu Hamon so nett wie nur irgend möglich, Liebling!«
    »Hat er sich über mich beklagt?«
    »Großer Gott, nein! Er hat nur wieder von seiner Absicht gesprochen, dich zu heiraten. Ich weiß ja nicht, wie du darüber denkst.«
    »Soll ich es dir sagen?«
    Lord Creith schüttelte energisch den Kopf.
    »Nein. Es sind sicher Auseinandersetzungen damit verbunden, die mich doch nur langweilen. Du bist ja von der Lage verständigt und weißt, daß ich ihm alles verkauft habe . . . den Herrensitz, die Güter, auch unser Stadthaus in London. Wenn du ihn nicht nimmst, bekommst du nur das bißchen Geld, das ich dir hinterlassen kann, wenn ich einmal - sterbe. Verzeih mir, wenn ich so offen bin. Du magst ihn natürlich nicht? -Das dachte ich mir schon«, erklärte er mit Genugtuung. »Sag mal, kennst du eigentlich diesen Morlake?«
    Wenn er sie angesehen hätte, wäre er über ihr plötzliches Erröten erstaunt gewesen. Aber er schaute auf seinen Katalog.
    »Wie meinst du das, Vater?«
    »Ich erwähnte seinen Namen Hamon gegenüber - ich habe noch niemals einen Menschen so verwirrt gesehen wie ihn. Wer ist denn eigentlich dieser Morlake?«
    »Ein Mann«, erwiderte Joan kurz.
    »Wie interessant!«
    Lord Creith blätterte in seinem Heft weiter.

4
    James Morlake saß im Schatten einer großen Buche. Eine Zeitung lag auf seinen Knien, aber er las nicht. Seine Augen schweiften über die weite Fläche des Stroms. Plötzlich hörte er ein Geräusch, wandte sich um und sah einen Mann auf der Straße, der ihn von dort aus beobachtete.
    Er schaute nur kurz hin und betrachtete dann wieder den Fluß.
    Hamon kam langsam auf ihn zu.
    »Es ist lange her, seit ich Sie das letztemal gesehen habe«, begann er. »Ich wußte nicht, daß Sie hier in der Nähe wohnen.«
    Jim Morlake sah ihn an und gähnte.
    »Ich hätte Ihnen eine Karte schicken sollen«, erwiderte er gelangweilt. »Wenn ich geahnt hätte, daß Sie heute morgen kommen würden, hätte ich sogar die Dorfmusik bestellt und ein paar Fahnen herausgehängt.«
    Hamon nahm sich einen Stuhl und setzte sich zu ihm. »Ich möchte Ihnen dieses Haus abkaufen, Morlake -« »Mr. Morlake«, verbesserte Jim. »Wir wollen doch immer daran denken, daß wir Gentlemen sind.«
    »Ich will Ihnen also dieses Haus abkaufen, und Sie können abreisen. All Ihre bösen Anschläge gegen mich und Ihr böses Gerede will ich Ihnen vergeben ... Sie wissen, was ich meine - aber innerhalb einer Woche müssen Sie das Land verlassen.«
    Morlake lachte leise vor sich hin, und Hamon, der ihn noch nie hatte lachen sehen, war über diese Veränderung seiner sonst so verschlossenen Züge erstaunt.
    »Sie scheinen eben erst vom Himmel gefallen zu sein oder sonst irgendwie nach langjähriger Abwesenheit auf die Erde zurückgekommen, da Sie sich plötzlich derartig um mein Leben und Wohlergehen kümmern. Übrigens werden Sie wirklich zu korpulent, und die dicken Säcke unter den Augen machen Sie auch nicht hübscher! Sie müßten einmal zum Arzt gehen!« Hamon neigte sich vor.
    »Wenn ich nun Ihren Nachbarn erzählen würde, wer Sie sind?« fragte er langsam. »Oder wenn ich zur Polizei ginge und dort mitteilte, daß Mr. Morlake - ein übler amerikanischer Verbrecher ist?«
    »So übel ist er gar nicht«, meinte Morlake und schaute Hamon vergnügt an.
    »In der letzten Zeit ist wieder eine ganze Reihe von Einbrüchen verübt worden, und zwar von einem Verbrecher, den man den Schwarzen nennt - haben Sie schon mal von dem gehört?«
    Morlake lächelte.
    »Ich lese niemals Zeitungen. Sie bringen so viel, was für einen Landedelmann uninteressant ist.«
    »Für einen Landedelmann!«
    Jetzt mußte Mr. Hamon lachen. Er zog seine Brieftasche heraus und entnahm ihr ein dickes Paket Banknoten.
    »Hier ist Ihr Reisegeld«, sagte er, als Morlake die Scheine nahm; »Für Ihren Herrensitz und das Gut werde ich Ihnen morgen noch ein
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