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0078 - Im Geisterreich der Wikinger

0078 - Im Geisterreich der Wikinger

Titel: 0078 - Im Geisterreich der Wikinger
Autoren: Hans Wolf Sommer
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Als Gougeon seinen Blick zum Himmel erhob, mußte er feststellen, daß das Bild nicht anders war. Der Nebel war vergleichbar mit einer Art riesigen Käseglocke, die sich über ganz St. Briand gestülpt hatte.
    Er biß sich so fest auf die Unterlippe, daß ein Blutstropfen hervortrat. »Teufel noch mal, was tun wir?« fragte er völlig hilflos.
    Charlotte Rodin bewies, daß sie eine praktische Ader besaß.
    »Das beste scheint mir«, sagte sie, »daß wir zurück zum nächsten Ort fahren und die Polizei alarmieren.«
    Fahren war allerdings nicht möglich, denn der Zustand des Mercedes erlaubte dies nicht. Chef und Sekretärin blieb nichts anderes übrig, als zu Fuß zu gehen. Vier Kilometer Fußmarsch durch strömenden Regen und peitschenden Wind – ein häßlicher Gedanke. Aber dieser Gedanke war immer noch angenehm im Vergleich zu der Vorstellung, was wohl mit St. Briand geschehen sein mochte.
    Mit bangem Herzen dachte Charlotte Rodin an ihren Verlobten Roger Legrand.
    ***
    »Unheiliger Astabaal!« stieß Nicole hervor, »Chef, was war denn das?«
    Die Totenblässe, die ihr apartes Gesicht überfallen hatte, machte langsam wieder der normalen Farbe Platz. Ihr Mund zuckte noch ein bißchen. Eine Nachwirkung der soeben überstandenen Qualen.
    »Ich weiß nicht«, antwortete Professor Zamorra langsam. Gedankenvoll wandte er den Blick vom Fenster ab, durch das er beobachtet hatte, wie aus Regen und Sturm plötzlich ideales Urlaubswetter geworden war.
    Die Hektik im Frühstücksraum war groß. Fragen über Fragen quollen aus den Mündern der verstörten Hotelgäste, ohne befriedigende Antworten zu bekommen. Monsieur Leduc, der Hotelier, warf nur in gespielter Heiterkeitspose die Arme in die Luft und rettete sich mit einem Scherz.
    »Freuen Sie sich doch, meine Damen und Herren. Ich habe beim lieben Gott schönes Wetter bestellt. Und wie es scheint, hat er meine Bitte erfüllt.«
    Naturgemäß befriedigte diese Antwort niemanden. Nur langsam ebbte das allgemeine Durcheinander ab.
    Die Augen des Professors begegneten denen eines Mannes am Nebentisch. Der Mann war etwa Mitte dreißig, groß und schlank. Über einem blütenweißen Hemd trug er einen hervorragend geschnittenen dunklen Maßanzug. Ein schwerer goldener Siegelring schmückte seine feingliedrige rechte Hand. Tiefschwarzes Haar fiel ihm lockig in die hohe Stirn. Die scharfgeschnittenen Gesichtszüge erinnerten an einen Raubvogel.
    Was Zamorra zu einem leichten Heben der Augenbrauen veranlaßte, war die Tatsache, daß ein leichtes Lächeln um die schmalen Lippen des Mannes spielte, ein Lächeln, das beinahe spöttisch wirkte. Auch in den tiefdunklen Augen lag ein Ausdruck der Belustigung.
    Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit sprach er den Mann an.
    »Sie lächeln, Monsieur? Man hat fast den Eindruck, als ob Sie eine Erklärung für die Dinge hätten, mit denen wir alle konfrontiert worden sind.«
    Die Belustigung schwand aus den Augen des Mannes. Der Blick wurde scharf und durchdringend. Zamorra hatte das Gefühl, als würde ihm der Mann bis auf den Grund seiner Seele sehen. Dann aber flackerte das spöttische Glitzern wieder auf.
    »Eine Erklärung, Monsieur?« wiederholte er mit seiner angenehmen, volltönenden Stimme. »Nein, ich habe keine Erklärung. Sie denn?«
    Der Professor schüttelte den Kopf. »Nein, ich habe auch keine Erklärung.«
    Der Mann lächelte und widmete sich anschließend seinem Frühstück. Auch Zamorra beschloß, dies zu tun. Er winkte Lucille, der blonden Serviererin.
    Das Mädchen im knapp sitzenden schwarzen Kleid mit der spitzenbesetzten weißen Schürze trat an seinen und Nicoles Tisch. Zamorra wollte bestellen, aber die Serviererin kam ihm zuvor.
    »Pardon, Monsieur Professor«, sagte sie, »ich fürchte, ich kann Ihnen nicht das Frühstück bringen, das Sie gerne hätten. Tee, Kaffee und Schokolade sind nicht möglich. Milch vielleicht?«
    »Warum können Sie nicht…«
    »Der Strom ist ausgefallen, Monsieur. Sehen Sie…« Sie zeigte zur Zimmerdecke.
    Jetzt sah es auch Zamorra. Vorhin, bevor Blitz, Donner und Schmerzen gekommen waren, hatten die Lampen gebrannt. Jetzt leuchtete keine einzige von ihnen.
    »Verstehe«, sagte er. Er sah Nicole an. »Möchtest du ein Glas Milch?«
    »Nicht eigentlich«, antwortete seine Sekretärin. »Ein Frühstück ohne Kaffee ist wie Zwiebelsuppe ohne Zwiebeln. Frühstücken wir doch in dem kleinen Bistro am Ende der Straße.«
    Zamorra war einverstanden.
    »Danke, Lucille«, sagte er zu der

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