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0078 - Im Geisterreich der Wikinger

0078 - Im Geisterreich der Wikinger

Titel: 0078 - Im Geisterreich der Wikinger
Autoren: Hans Wolf Sommer
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habt gesündigt, und nun habt ihr eure gerechte Strafe bekommen. Bereut eure bösen Taten, und alles wird sein wie zuvor.«
    Zamorra schob den Eifernden sanft zur Seite. »Ich fürchte, so einfach ist es nicht«, sagte er so laut, daß ihn alle hören konnten.
    »Wenn wir etwas an der Situation ändern wollen, dann müssen wir zuerst…«
    Er wurde unterbrochen. Ein vierschrötiger Mann mit kantigem Bulldoggengesicht trat ganz nahe an die künstliche Empore heran, ohne sie jedoch zu ersteigen.
    »Ist denn hier keiner, der diesen Schwätzer zum Schweigen bringt?« brüllte er. »Mächte aus dem Jenseits – das ist ja lachhaft. Dieser Mann ist ein Verrückter!« Er blickte dem Professor mit einem zynischen Lächeln auf den wulstigen Lippen voll ins Gesicht. »Hey, Monsieur! Sagen Sie mal – sind Sie aus irgendeiner Klapsmühle ausgebrochen?«
    Der Professor wollte gerade zu einer gebührenden Antwort ansetzen, konnte sich diese Mühe jedoch sparen. Aus dem Hintergrund drängte sich ein junger Mann mit der Figur eines Modellathleten nach vorne. In seinem sonnengebräunten, gutgeschnittenen Gesicht mit den graublauen Augen und der kühn geschwungenen Adlernase stand der Ärger mit großen Buchstaben geschrieben.
    Zamorra kannte den jungen Mann. Sein Name lautete Roger Legrand. Er war drüben im Sportpark als Wasserskilehrer tätig. In der Vergangenheit hatten der Professor und Legrand des öfteren ihre Erfahrungen in der Kunst des Wasserskilaufens ausgetauscht, denn Zamorra war ein mindestens ebenso guter Läufer wie der Lehrer.
    Sie waren sich auf Anhieb sympathisch gewesen. Und das keineswegs nur wegen der gemeinsamen Liebe zu den Brettern, die über die Wellen huschten.
    Legrand packte den Vierschrötigen von hinten am Kragen und wirbelte ihn herum.
    »Monsieur Lejeune, ich verbiete Ihnen, so über den Professor zu reden«, funkelte er den Mann an. »Professor Zamorra ist eine Kapazität, die unser vollstes Vertrauen verdient. Er weiß, was er sagt. Ganz im Gegensatz zu Ihnen!«
    Der Bullige versuchte, sich loszureißen. »Sie… Sie lächerlicher Wasserclown, was fällt Ihnen überhaupt ein?« brauste er auf. »Was glauben Sie eigentlich, wen Sie vor sich haben?«
    »Wen denn wohl?« höhnte Legrand, ohne seinen Griff zu lockern.
    »Einen aufgeblasenen Viehhändler, der da glaubt, hier dieselbe große Lippe riskieren zu können wie bei einer Schweineauktion.«
    »Sie… Sie …«
    Auf dem Podium rang Jules Matteaux irritiert die Hände. Armand Desmet besann sich auf seine Aufgaben als Bürgermeister und griff schlichtend ein.
    »Roger, Monsieur Lejeune, bitte… So etwas führt doch zu nichts. Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen, um einen Ausweg zu finden. Persönliche Streitereien und Reibereien erschweren unsere Situation nur noch.«
    Er sprach Zamorra aus der Seele. Der Professor verstand, daß die Nerven aller an einem seidenen Faden hingen. Solche Zwistigkeiten jedoch würden den Faden endgültig zum Reißen bringen, was zwangsläufig fatale Folgen nach sich ziehen mußte. Menschen, die nur noch ihren blinden Emotionen folgten und ihren Verstand gar nicht mehr zur Geltung kommen ließen, waren hilflos wie Tiere, die ihren Instinkt verloren hatten.
    »Lassen Sie ihn los, Roger«, sagte er deshalb ruhig. »Jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung.«
    »Die soll er aber gefälligst auf anständige Art und Weise vertreten«, knurrte Legrand, gab den Viehhändler dann aber frei.
    Lejeune machte ein bitterböses Gesicht, als er dem Podium den Rücken kehrte und sich wieder zu einer äußerst dicken Frau mit schwabbeligem Dreifachkinn gesellte, bei der es sich wahrscheinlich um das ihm angetraute Eheweib handelte.
    Der Wasserskilehrer sprang indessen auf die Empore und richtete das Wort an die Umstehenden, die inzwischen – abgelenkt durch den lautstark ausgetragenen Streit – beinahe wieder ganz ruhig geworden waren.
    »Gäste von St. Briand, Mitbürger!« rief er. »Sie alle… Ihr alle kennt mich. Ich kann nicht beurteilen, ob mein Vorredner recht hat oder nicht. Aber eins weiß ich: Professor Zamorra ist der wahrscheinlich beste Parapsychologe der Welt. Für diejenigen, die es nicht wissen – Parapsychologen sind Wissenschaftler, die sich mit übersinnlichen Dingen beschäftigen. Ihr wißt schon … Gedankenlesen, Hellsehen, Geistererscheinungen … Alles solche Sachen. Und wenn Professor Zamorra sagt, daß wir es hier mit etwas Übersinnlichem zu tun haben, dann bin ich der letzte, der ihm

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