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0078 - Im Geisterreich der Wikinger

0078 - Im Geisterreich der Wikinger

Titel: 0078 - Im Geisterreich der Wikinger
Autoren: Hans Wolf Sommer
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Serviererin. Das Mädchen machte einen kleinen Knicks und ging, um anderen Gästen ihre Milchangebot zu unterbreiten. Der Professor rief sie jedoch noch einmal an seinen Tisch zurück.
    »Ja, Monsieur Professor?«
    »Sagen Sie, Lucille…« Zamorra sprach ganz leise, flüsterte beinahe. »Der einzelne Herr da am Tisch neben uns – wer ist das?«
    »Monsieur Col?«
    »Wenn er so heißt…«
    »Ich kenne ihn eigentlich auch nicht«, sagte die Serviererin. »Er ist zum ersten Mal im Belle-Ile, und ich habe ihn vorher nie gesehen.«
    »Vielen Dank, Lucille.«
    Das Mädchen entfernte sich. Zamorra und Nicole erhoben sich, verließen das Hotel und traten hinaus auf die Straße.
    St. Briand war ein kleines Örtchen, so wie es in der Bretagne viele gab. Malerische kleine Häuser gruppierten sich links und rechts der kopfsteingepflasterten Hauptstraße, die gleichzeitig auch die einzige richtige Straße war. Bis vor ein paar Jahren war St. Briand ein reines Fischerdorf gewesen, unbeleckt vom Tourismus. In jüngster Zeit hatte sich das ein wenig geändert. Ein cleverer Unternehmer aus Paris war auf den Gedanken gekommen, die kleine Bucht Wassersportlern zugänglich zu machen. Der Mann, ein gewisser Nicolas Gougeon, hatte einen Bootsverleih aufgezogen. Er stellte alles zur Verfügung, was das Herz des Seglers und des Wasserskifreundes erfreute. Und seitdem war während der Saison ein bißchen Leben in das stille Örtchen gekommen. Der alte Gasthof Belle-Ile war in ein halbwegs modernes Hotel umgebaut worden, und neben der alteingesessenen Weinstube hatte noch eine zweite eröffnet. Außerdem gab es das Bistro und eine kleine Discothek, die jedoch mangels entsprechenden Publikumsandrang meistens geschlossen war. Insgesamt jedoch war St. Briand nach wie vor ein Fischerdorf mit ein paar Tupfern Urlaubsatmosphäre.
    Zamorra und Nicole war das gerade recht. Sie hatten für den Massentourismus moderner Prägung nicht viel übrig. Hier fanden sie Ruhe und Entspannung und konnten doch ihrem Hobby Wasserskilaufen nachgehen. Ein paarmal, meistens zum Wochenende, waren sie schon hier gewesen. Und jedes Mal hatte es ihnen ausgezeichnet gefallen.
    Diesmal jedoch konnte von Ruhe und Entspannung nicht die Rede sein. Auf der Straße drängten sich nahezu sämtliche Bewohner St. Briands und redeten heftig gestikulierend aufeinander ein.
    Dem Professor wurde bald klar, daß die rätselhafte Schmerzwelle nicht allein über die Hotelgäste hergefallen war. Alle Einwohner, gleichgültig ob in ihren Häusern oder auf der Straße, hatten darunter zu leiden gehabt. Und nicht nur im Hotel war der Strom ausgefallen. Es wurde schnell offenkundig, daß es in der ganzen Ortschaft keine Elektrizität mehr gab. Ja, das war nicht alles. Nicht nur die Stromversorgung war ausgefallen. Es gab auch keine Telefonverbindungen mehr, und kein einziges Radio und kein einziger Fernsehempfänger spielte.
    »Was hat das alles zu bedeuten, Chef?« fragte Nicole. Ihre Stimme klang heiser.
    Zamorra konnte es ihr nachfühlen. Auch er war beunruhigt, sehr beunruhigt sogar. Irgend etwas war geschehen, etwas Schreckliches, Bedrohliches, Beängstigendes, Dunkles, Unbestimmte Ahnungen stiegen in ihm auf.
    Der verschwundene Leuchtturm… Zuerst hatte er noch mit der Möglichkeit gespielt, daß sich eine Nebelwolke davor geschoben hatte. Nach all dem, was er jetzt gehört hatte, konnte er diese Theorie aber getrost vergessen.
    »Komm«, sagte er zu Nicole und ging auf seine schwarze Citroënlimousine zu, die er vor dem Hotel geparkt hatte.
    »Wohin wollen wir, Chef?«
    »Uns ein bißchen außerhalb von St. Briand umsehen.«
    Er hielt ihr die Beifahrertür auf und war ihr beim Einsteigen behilflich. Dann setzte er sich hinters Steuer und fuhr Richtung Ortsausgang.
    Bereits während der Wagen über das Kopfsteinpflaster rollte, kündigte sich an, daß noch Katastrophaleres geschehen sein mußte. In den Mienen der Menschen – Urlauber und Einheimische – die ihnen jetzt begegneten, spiegelte sich die hellodernde Panik. Nicht nur der Ausfall von Radio, Elektrizität und Radio konnte dieses nackte Entsetzen in die Gesichter der Leute getrieben haben.
    Die dunklen Ahnungen sollten den Professor nicht getrogen haben. Als die letzten Häuser St. Briands hinter ihnen lagen, sahen sie es mit eigenen Augen.
    Die Straße hörte auf einmal auf. Gerade war der Wagen noch über die graublauen Steine gefahren, und dann plötzlich…
    Nichts mehr!
    Wildnis breitete sich dort aus, wo die Straße

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