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0003 - Ich zerschlug die Bande der Fünf

0003 - Ich zerschlug die Bande der Fünf

Titel: 0003 - Ich zerschlug die Bande der Fünf
Autoren: Delfried Kaufmann
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Nat Shakow war ein Gauner, ein Betrüger und Falschspieler, gewissermaßen von Geburt. Bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr hatte er nichts anderes getan, ohne dabei besonders reich zu werden, und er begann, sich Sorgen über seine Zukunft zu machen. Ihm schwebte ein großer Fischzug vor, und schließlich entdeckte er in Glendive das Schaufenster eines Juweliergeschäftes, das ihm ungenügend gesichert schien. Er besorgte sich ein Auto, einen Ziegelstein und einen Revolver, fuhr in einer stillen Mittagsstunde vor, schlug die Scheibe ein, fuhrwerkte mit der einen Hand, in der er seine Waffe trug, umher und sammelte mit der anderen die Ringe, Uhren und Ketten ein. Es klappte reibungslos, und Nat Shakow setzte sich nach fünf Minuten mit schweren Taschen an das Steuer seines Wagens und fuhr los. Aber wenn er auch die wenigen Straßenpassanten und den Ladeninhaber mit seinem Revolver in Schach halten konnte, so hatte er nicht verhindern können, daß ein Mann in einem Haus gegenüber, der Nats Treiben vom Fenster aus sah, telefonierte. Shakow sah die Polizei auf seinen Fersen, bevor sein Wagen eine Meile gerollt war. Er ließ sich verleiten, auf sie zu schießen, und sie schossen zurück und trafen ihn in die Schulter.
    Er kam ins Gefängnishospital und, als er wieder okay war, vor den Richter. Es war ein schwerer Raubüberfall, den er sich eingebrockt hatte, noch dazu mit bewaffnetem Widerstand. Sie verknackten ihn zu dreißig Jahren. Er kam in das Zuchthaus von Glendive.
    ***
    Ein Betrüger wie Nat Shakow war auch Ragio Gonzales. Er stammte aus dem Süden der Staaten und war fast ein Mexikaner, wenn er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß. Gonzales Spezialität war Heiratsschwindel, und er kam nach Glendive, weil er der Meinung war, sein südländisches Aussehen würde im Norden einen besseren Eindruck machen als unten, wo alle Männer ein schwarzes Schnurrbärtchen tragen. Anfangs sah es so aus, als sollte er Erfolg haben. Er fand eine ältliche. Witwe, deren Mann ihr fünf Tankstellen hinterlassen hatte, und diese Dame schien wirklich von Ragios Schnurrbärtchen und seinen feurigen Augen beeindruckt. Allerdings war sie nicht so beeindruckt, daß Gonzales Pumpversuche den geringsten Erfolg gehabt hätten. Sie lachte ihn einfach aus und sagte, er möge an seine Bank in Mexiko telegrafieren, von der er immer fasele. Gonzales wurde nachgerade ungeduldig, als das Geschäft sich nicht weiterentwickelte. Die Witwe ließ sich seine Verehrung gefallen, aber sie war nicht bereit, sie bar zu bezahlen.
    Als Ragio entdeckte, daß die Witwe jeden Abend die Tankstellen abfuhr und die Einnahmen kassierte, sie aber nur einmal wöchentlich, am Sonnabend, auf die Bank trug, rechnete er sich die Summe aus, die sich am Freitag in der Wohnung befand, und ließ sich für einen Freitag zu einem Cocktail einladen. Er vertilgte bei dieser Gelegenheit eine Flasche Whisky und eine halbe Flasche Gin, worauf er total betrunken zusammenstürzte. (Der Zimmerpalme hinter dem Stuhl, auf dem Gonzales gesessen hatte, bekam der Abend nicht gut, denn er hatte es verstanden, siebzig Prozent des Whiskys und fast den ganzen Gin in den Topf zu gießen, in dem sie lebte.) Die Witwe verfügte nicht über die Kraft, Gonzales vor die Tür zu schleifen. Andererseits wünschte sie aus begreiflichen Gründen nicht, daß die Nachbarn seine Anwesenheit bemerkten. Sie beschloß also, ihn dort liegen zu lassen, wo er schnarchte, und begab sich in ihr Schlafzimmer.
    Um Mitternacht brach Gonzales seinen Rausch ab und machte sich auf die Suche nach der Tankstelleneinnahme. Er brach einen kleinen Wandschrank auf und sah sich einer geschwollenen Aktenmappe gegenüber. Als er sie in den Händen hielt und sich umdrehte, sah er die Dame im Türrahmen mit einem Revolver in der Hand.
    Sie war noch viel mißtrauischer, als er gedacht hatte, und traute nicht einmal dem Rausch eines Mannes mit anderthalb Flaschen Hochprozentigem im Leib. Als sie, den Revolver auf Gonzales gerichtet, zum Telefon ging, verlor er die Überlegung und stürzte sich auf sie. Sie schoß schlecht. Es kam zu einem Handgemenge, und der Mexikaner griff sich irgendeinen Gegenstand und schlug die Frau nieder.
    »Raub in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung«, sagten die Richter. »Dreißig Jahre!«
    Die Tore des Zuchthauses von Glendive öffneten sich für Ragio Gonzales.
    ***
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