Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Skorpione im eigenen Saft

Skorpione im eigenen Saft

Titel: Skorpione im eigenen Saft
Autoren: Juan Bas
Vom Netzwerk:
ich eines Tages wieder erwachen, wie es ihm passiert ist. Na gut, sein Fall lag ein wenig anders, das stimmt schon … Aber wenn ich tot bin, ist nichts mehr zu machen.«
    »Denken Sie, was Sie wollen, im Ernst. Für mich spielt das keine Rolle.«
    »Wann ist es passiert? Nein, sagen Sie es nicht …, lassen Sie mich raten … Ich weiß: Kurz nachdem ich in das Taxi eingestiegen bin, als mir schwindlig wurde. Es war mehr als ein Schwindelgefühl, stimmt’s?«
    »Oder als Sie auf der Toilette vom Guggenheim waren. Auch das ist nicht von Belang.«
    »Müssen Sie unbedingt den Spielverderber spielen?«
    »Selbstverständlich, das ist Absicht; das gehört zu meinem schlechten Charakter.«
    »Und wieso ein Taxi und ein Taxifahrer?«
    »Nun, ich habe einen bestimmten Sinn für Humor, auch wenn die Leute es nicht glauben. Ein muffiges Taxi und ein penetranter Taxifahrer sind das angemessene Fegefeuer für Ihre Yuppiementalität.«
    »Die ganze Zeit mit Ihnen allein auf dieser Straße zu fahren kommt mir eher vor wie die Hölle und nicht wie das Fegefeuer … Ich weiß schon, gleich sagen Sie mir wieder, dass ich das sehen kann, wie ich will.«
    »Sehen Sie das nicht so negativ, Mann. Neben meinem Sinn für Humor habe ich durchaus auch einen Sinn für Weihnachten. Da ich Sie zu dieser Jahreszeit erwischt habe, möchte ich Ihnen ein Geschenk machen.«
    In ein paar hundert Metern Entfernung kann ich einen gelblichen Schimmer ausmachen. Als wir näher kommen, sehe ich, dass es sich um eine Laterne handelt, in deren Lichtstrahl Asti wartet, der noch immer als Olentzero verkleidet ist und meinen geliebten Struppi auf dem Arm hält.
    Der Taxifahrer hält an, meine Freunde steigen ein und setzen sich neben mich.
    »Besser so?«, fragt mich der Taxifahrer.
    »Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.«
    Struppi hüpft von Astis Arm und legt sich in meinen Schoß. Er hat eine ganz kalte und trockene Schnauze.
    »Ich hätte gerne etwas anderes angezogen, aber dazu war keine Gelegenheit«, sagt der Olentzero zu mir.
    »Ich werde es schon aushalten. Deine Hirtenjacke riecht auch nicht schlimmer als die Polsterung unseres Totenschiffs. Aber eins hätte ich doch gerne … Entschuldigen Sie, wäre es zu viel verlangt, wenn ich Sie darum bitten würde, den Sender mit den Weihnachtsliedern wegzudrehen?«, frage ich den Taxifahrer. »Das ist wirklich eine Tortur.«
    »Tut mir Leid, dass ich Ihnen den Gefallen nicht tun kann. Das mit dem Radio gehört zum Programm. Doch ich empfehle Ihnen, zuzuhören, Sie werden feststellen, dass es ein paar wichtige Nachrichten gibt«, versichert er, während er lauter stellt.
    Die verhasste Stimme des Sprechers sagt:
    »Wie wir soeben erfahren haben, hat es in der bekannten Tapas-Bar Die Weltkarte von Bilbao gebrannt. Das Lokal, das sich in der Calle Iturriza befindet, wurde völlig zerstört. Das Unglück wurde wahrscheinlich durch einen Gasherd ausgelöst, den irgendein Schwachkopf angelassen hat.«
    »Ach du lieber Gott.«
    »Ich bitte Sie, anstößige Ausdrücke dieser Art in meinem Taxi zu unterlassen, wenn Sie keinen Ärger bekommen wollen. Auch wenn ich im Grunde neutral bin, sympathisiere ich mehr mit der romantischen Aura der Verlierer und stehe auf der Seite des gefallenen Engels.«
    »Verzeihen Sie.«
    Bis eben habe ich gar nicht bemerkt, dass sich das Medaillon des heiligen Christophorus am Armaturenbrett in das des Piraten Jolly Rogers verwandelt hat, während der Emailleschmuck mit dem baskischen Wappen jetzt das Logo von Coca-Cola trägt; unser Gastgeber hat in der Tat einen speziellen Sinn für Humor.
    »Ich habe den Ofen angelassen … Ich habe deine Geschichte gelesen und Gott und die Welt um mich herum vergessen.«
    »Sie können es wohl nicht lassen«, sagt der Taxifahrer.
    »Ich muss Sie warnen, ich kann die geteerte Landstraße gegen einen holprigen Feldweg eintauschen, wo es nach Kuhfladen riecht und Wespen im Auto herumschwirren.«
    »Es wird nicht wieder vorkommen … Die Weltkarte liegt in Schutt und Asche … Ehrlich gesagt, es ist mir lieber so; der Traum verschwindet gemeinsam mit uns.«
    »Und wie es scheint, wird mein Mörderleben nicht in die Geschichte eingehen. Außer dir wird es nie jemand erfahren … Bis auf den Taxifahrer natürlich.«
    »Macht es dir etwas aus?«
    »Im Gegenteil. Ich bin ein diskreter Mensch. Und sobald du in dieser dumpfen Trägheit gefangen bist, trübt sich das Bewusstsein und das Geständnis verliert seine erlösende Bedeutung. Andererseits lässt
Vom Netzwerk:

Weitere Kostenlose Bücher