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Rache kann so sinnlich sein...

Rache kann so sinnlich sein...

Titel: Rache kann so sinnlich sein...
Autoren: Ann Major
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PROLOG
    Houston, Texas
    Manchmal veränderte sich das Leben eines Mannes von einem Herzschlag auf den nächsten.
    Vor sieben Tagen war Zach Torr noch auf den Bahamas gewesen und hatte sich auf das größte Geschäft seiner Karriere gefreut. Dann war der Anruf gekommen: Sein Onkel, der einzige Mensch, der ihm den Rücken gestärkt hatte, war tot.
    Zach trug noch den Anzug, in dem er die Trauerrede gehalten hatte, als er jetzt auf demselben schmalen Stahlträger stand, von dem sein Onkel in die Tiefe gestürzt war. Furchtlos starrte er auf die Bulldozer, Generatoren und Kräne hinab. Und auf die Menschen, die fünfundsechzig Stockwerke unter ihm mit ihren gelben Sicherheitshelmen kleiner als Ameisen aussahen.
    Zach war ein hochgewachsener Mann mit dichtem schwarzem Haar. Ein Mann, über den seine Konkurrenten sagten, dass er so skrupellos wie ein Raubtier im Dschungel war. Die Frauen, mit denen er zusammen gewesen war, stimmten ihnen zu und erzählten, er hätte sie verlassen, ohne sich noch einmal nach ihnen umzuschauen.
    Normalerweise wirkten seine Augen kälter als Eis. Heute waren sie feucht und brannten. Wie mochte Onkel Zachery sich gefühlt haben, als er zum letzten Mal hier oben gestanden hatte?
    Zach fröstelte. Männer, die Wolkenkratzer bauten, hatten nicht weniger Angst vor Höhen als andere.
    Die Brise wehte ihm die Krawatte ins Gesicht. Er schwankte leicht und wollte automatisch einen Schritt zurücktreten. Gerade rechtzeitig erstarrte er, fand das Gleichgewicht wieder … und atmete tief durch. War es so passiert? Ein Fehltritt oder ein Niesen? Hier oben konnte der kleinste Fehler tödlich sein.
    War Onkel Zachery gesprungen? Hatte ein Vogel ihn erschreckt? War er gestoßen worden? Hatte er einen Herzinfarkt erlitten? Oder war er einfach nur gefallen, wie der Polier erzählt hatte? Zach würde niemals Gewissheit haben.
    Als Onkel Zacherys Alleinerbe hatte Zach mehrere harte Befragungen bei der Polizei durchgestanden. Die Zeitungen hatten über ihn noch kritischer als sonst berichtet, weil er auf den Bahamas geblieben war, um das Geschäft abzuschließen, und erst danach nach Hause geflogen war.
    Er hasste es, im Rampenlicht zu stehen und von Idioten niedergeschrieben zu werden, die die Wahrheit nicht kannten oder sie einfach ignorierten. Denn Tatsache war, dass der Tod seines Onkels ihn zutiefst erschüttert hatte.
    Mit neunzehn war Zach wegen einer Tat, die er nicht begangen hatte, mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Onkel Zachery war sofort aus dem Nahen Osten, wo er für einen Scheich eine Stadt baute, nach Louisiana zurückgekehrt. Sein Onkel hatte ihn gerettet. Ohne ihn wäre Zach heute nicht dort, wo er war.
    Er war in Houston aufgewachsen, aber nach dem Tod seines Vaters hatte seine hübsche Stiefmutter ihn aus dem Haus geworfen. Aus einem einzigen Grund – sie hatte alles gewollt. Sein Vater hatte naiverweise angenommen, dass sie seinem sechzehnjährigen Sohn gegenüber großzügig sein würde, und ihr sein gesamtes Vermögen hinterlassen.
    Ohne Nick Landry hätte Zach vielleicht nicht überlebt. Der Krabbenfischer hatte ihn in einer Abflussrinne gefunden, nachdem er von den Schlägern seiner Stiefmutter verprügelt worden war. Nick nahm ihn mit in seine Hütte in Bonne Terre, Louisiana, wo Zach die nächsten drei Jahre verbrachte.
    In Bonne Terre lernte er auch das Mädchen kennen, dem er sein Herz und seine Seele schenkte. In Bonne Terre wurde er wegen Verführung einer Minderjährigen festgenommen, und in Bonne Terre sah das Mädchen, das er liebte, untätig zu, als er angeklagt und verurteilt wurde.
    Zum Glück kehrte Onkel Zachery rechtzeitig zurück. Als er erfuhr, dass seine Schwägerin Zach verstoßen hatte, spürte er ihn in Louisiana auf, legte sich mit den Einwohnern von Bonne Terre an und gewann. Er holte Zach nach Houston zurück, bildete ihn aus und gab ihm Arbeit. Mit der Unterstützung seines einflussreichen Onkels wurde Zach zu einem der reichsten Männer Amerikas.
    Sein Handy vibrierte. Er verließ den Stahlträger, ging zum Fahrstuhl und nahm den Anruf auf dem Weg nach unten entgegen. Zu seiner Überraschung war es Nick Landry.
    „Zach, das mit deinem Onkel tut mir sehr leid. Ich habe es in der Zeitung gelesen. Ich bin stolz auf das, was du erreicht hast. So stolz, als wäre ich dein Vater, das kannst du mir glauben.“
    In dieser Woche hatten ihn viele Leute angerufen, aber dieser Anruf bedeutete Zach mehr als jeder andere. Jahrelang hatte er Nick und alles, was mit Bonne

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