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Nimm mich mit zum Horizont

Nimm mich mit zum Horizont

Titel: Nimm mich mit zum Horizont
Autoren: Kathleen Eagle
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er sie nicht. Und sie ihn nicht. Nicht wirklich. Gut zusammenzuleben und etwas übereinander zu lernen – das klang wie das Lebensmotto ihres Vaters. Und ihre Mutter hatte zu ihm gehalten, weil er sich mit allen Menschen verstand und sich jeden Tag darauf freute, sie besser kennenzulernen. Es war eine schöne Idee.
    Ihr Vater hatte viele schöne Ideen gehabt, aber die reichten nicht. Er hatte sich um die kleinen Dinge gekümmert, Löcher geflickt, prächtige Tomaten angebaut und leckere Gemüsesuppe gekocht, aber er hatte das Melken gehasst, was bei einem Milchfarmer ein echtes Manko war. Er war untergegangen. In Milch und Whiskey ertrunken.
    Trace ist jung, sagte sie sich. Ihm blieb noch genug Zeit, den richtigen Kurs zu finden, neue Menschen kennenzulernen und vielleicht sogar der Frau zu begegnen, die zu ihm passte. Sie dagegen hatte Verpflichtungen. Und vor allem wusste sie, dass es einfach war, sich mit atemberaubendem Sex aus der Wirklichkeit zu flüchten. Vor der bitteren Tatsache, dass es außerhalb des Betts nicht viele Gemeinsamkeiten gab.
    Zwei attraktive Körper fanden schnell zueinander, aber Körper veränderten sich. Sie alterten oder wurden krank. Und daran scheiterten viele Träume. Sie selbst hatte immer versucht, realistisch zu sein, sich nicht zu viel zu erhoffen und jede Entscheidung sorgfältig abzuwägen. Was hatte es ihr eingebracht? Sie war eine verwitwete Stiefmutter.
    Verlässlich zu sein war alles, was sie kannte. Darin übertraf sie so schnell niemand. Ihr Verantwortungsgefühl reichte mühelos für zwei Menschen. Für Mutter und Vater. Genau deshalb war sie bereit, ein Baby zu bekommen. Aber das musste nicht bedeuten, dass sie einem Mann quer durchs Land folgte, wie ihre Mutter es getan hatte. Erst nach Jahren hatte sie ihn dazu bringen können, nach Hause zurückzukehren und die Farm seines Vaters zu übernehmen.
    Es war ein Fehler, einen Mann grundlegend ändern zu wollen. Und sie wollte auch nicht länger hübsch und pflichtbewusst sein. Sie wollte lieben und geliebt werden. Um ihrer selbst willen. Und so, wie sie war. Sie wollte sich nicht verstellen und sich bis zur Unkenntlichkeit anpassen, um einem Mann zu gefallen.
    Aber warum konnte sie nicht einfach genießen, was Trace und sie einander zu bieten hatten? Nur noch eine Weile. Solange es anhielt. Vielleicht ließ sich eine funktionierende Beziehung nicht erzwingen. Vielleicht war sie in genau dem Moment zum Scheitern verurteilt, in dem man es versuchte.
    Sie sollten einen Neuanfang wagen, hatte er vorgeschlagen. Obwohl Skyler nicht überzeugt war, dass sich daraus etwas Dauerhaftes entwickeln würde, war sie dazu bereit. Sie hatte einen Wendepunkt in ihrem Leben erreicht, und möglicherweise fuhr sie zu schnell und nahm die Kurve zu abrupt, aber er saß neben ihr und überließ ihr das Steuer. Trace war ein guter Mann, daran zweifelte sie keine Sekunde, und sie wollte den Mann kennenlernen, der ihn zu dem gemacht hatte, der er war.
    Und zugleich den Mann, der Trace alles beigebracht hatte, was er über Pferde wusste. Er wusste eine Menge, und sie freute sich darauf, von ihm zu lernen. Sie wollte ein neues Leben beginnen und dafür ein Risiko eingehen. Es war ein gewaltiges Risiko, und sie konnte nur hoffen, dass sie etwas fand, das dieses Risiko wert war.
    Die Fahrt nach Sinte führte durch eine malerische Landschaft und verlief in drückendem Schweigen. Das überraschte Trace nicht. Er hatte von Anfang an gewusst, dass er sich mit einer komplizierten Frau eingelassen hatte. Dieser Ausflug sollte ein Test sein. Bisher hatten sie gemeinsam eine schöne Zeit gehabt. Was noch fehlte, war eine kräftige Dosis Realität. Und es gab nichts Realeres als ihren ersten Besuch bei seiner Familie. Zumal es sich bei dieser Familie um Logan Wolf Track handelte.
    Unterwegs machten sie bei Sally Drexler Night Horse Halt. Nach ihr war der Wettbewerb benannt, an dem Skyler teilnehmen wollte. Mustang Sally’s Wild Horse Makeover Challenge. Es ging darum, wer er schaffte, einen Mustang in ein zwar temperamentvolles, aber gehorsames Reitpferd zu verwandeln.
    Als sie auf der Ranch hielten, öffnete sich eine Tür an der Seite der Scheune, und heraus kam Sally, klein, aber niemals schüchtern. Sie stützte sich auf ihren Gehstock und winkte ihnen fröhlich zu. Selbst die multiple Sklerose konnte gegen Sallys Begeisterung nichts ausrichten.
    „Was sehen meine staunenden Augen?“ Neugierig musterte sie ihre Besucher und quittierte Traces
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