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Night School 02 - Der den Zweifel saet

Night School 02 - Der den Zweifel saet

Titel: Night School 02 - Der den Zweifel saet
Autoren: C.J. Daugherty
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Eins
    »Isabelle, ich brauche Hilfe!«
    Allie Sheridan kauerte im Dunkeln und wisperte in ihr Telefon.
    Sie lauschte auf das, was die Stimme am anderen Ende sagte. Ab und zu nickte sie, dann schwang ihr Haar im Takt. Als sie aufgelegt hatte, fummelte sie hektisch an ihrem Handy herum, um den Akku herauszunehmen, riss auch die SIM -Karte heraus und zertrampelte sie mit dem Absatz im Dreck.
    Dann kletterte sie über die niedrige Steinmauer, die – typisch für London – den kleinen Park in der Mitte des Platzes begrenzte, in dem sie sich, beinahe unsichtbar in der mondlosen Nacht, versteckt hatte, und rannte die Straße hinunter. Unterwegs warf sie den Akku irgendwo über einen Gartenzaun.
    Plötzlich hörte sie ein Geräusch, das ihre eigenen Schritte auf dem Asphalt übertönte. Sie duckte sich hinter einen weißen Lieferwagen, der am Straßenrand geparkt war, hielt den Atem an und lauschte.
    Fremde Schritte.
    Panisch suchte sie die ruhige Wohnstraße mit den Reihenhäusern nach einem Versteck ab, doch sie konnte keins entdecken. Die Schritte ihres Verfolgers kamen näher, ihr blieb nicht viel Zeit.
    Ohne zu überlegen, warf sie sich flach auf den Boden und robbte unter den Lieferwagen. Ein Geruch von Teer und Benzin stieg ihr in die Nase, ihre Wange lag auf dem rauen Asphalt, der vom Regen kalt und feucht war.
    Sie lauschte und versuchte, ihren Herzschlag zu beruhigen.
    Die Schritte kamen näher und näher. Als sie auf Höhe des Lieferwagens waren, stockte Allie der Atem, doch die Person lief vorbei, ohne ihr Tempo zu verringern.
    Allie schauderte erleichtert.
    Plötzlich blieb ihr Verfolger stehen.
    Einen Augenblick lang war es mucksmäuschenstill, als hätte die Luft jedes Geräusch verschluckt. Dann ein unterdrücktes Fluchen. Allie schreckte auf. Sie hörte eine Männerstimme flüstern: »Ich bin’s. Ich hab sie verloren.« Eine Pause, dann beschwichtigend: »Ich weiß, ich weiß … Sie kann verdammt schnell rennen, außerdem kennt sie sich hier aus, hast du selbst gesagt.« Wieder eine Pause. »Ich bin hier auf der …« Allie vernahm das Schlurfen seiner Schuhe, während er sich nach einem Straßenschild umsah, »Croxted Street … Okay, ich warte hier.«
    Die Stille, die folgte, dehnte sich so lang, dass Allie sich langsam fragte, ob der Mann sich vielleicht unbemerkt auf Zehenspitzen davongeschlichen hatte. Sie hörte keinen Mucks von ihm.
    Ihre Muskeln taten schon weh, so angespannt lag sie da – als sie plötzlich in der Ferne ein Geräusch hörte. Sie erschauerte.
    Noch mehr Schritte.
    Schritte, die in der kühlen Nachtluft deutlich nachhallten – und die immer näher kamen.
    Die Haare an ihren Armen stellten sich auf, der Puls wummerte ihr in den Ohren, ihre Hände waren schweißnass.
    Ruhe bewahren
, dachte sie verzweifelt.
Einfach Ruhe bewahren.
    Sie erinnerte sich an die Atemtechniken, die Carter ihr im Sommer beigebracht hatte: Durch konzentriertes kurzes Ein-und Ausatmen, so hatte ihr Freund es ihr beigebracht, konnte sie die Panikattacken unter Kontrolle bringen, denen sie sonst hilflos ausgeliefert gewesen wäre.
    Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Einatmen
, sagte sie sich langsam vor.
    »Wo hast du sie zuletzt gesehen?«, fragte eine leise, bedrohliche Stimme. Allie konzentrierte sich weiter auf ihre Atmung.
    »Zwei Straßen weiter, da hinten«, antwortete die Stimme des ersten Mannes. Sie hörte sein Jackett knistern, als er den Arm hob und auf die Stelle deutete.
    Einatmen. Ausatmen. Einatmen.
    »Okay, wahrscheinlich ist sie irgendwo abgebogen und hat sich in einem Garten versteckt. Wir gehen zurück und sehen hinter den Mülltonnen nach – bei ihrer Körpergröße könnte sie sich dahinter verstecken.«
    Er seufzte. »Nathaniel fände es gar nicht gut, wenn sie uns entwischt. Du hast gehört, was er gesagt hat. Also sollten wir sie lieber nicht verlieren, klar?«
    »Sie ist verdammt schnell«, antwortete der Erste. Er klang nervös.
    »Klar, aber das wussten wir schon vorher. Du übernimmst die andere Straßenseite, ich die hier.«
    Ihre Schritte entfernten sich. Allie rührte sich nicht vom Fleck, bis sie ganz verklungen waren. Sie zählte bis fünfzig, dann kroch sie vorsichtig unter dem Lieferwagen hervor. Sie versteckte sich hinter den Autos und spähte in alle Richtungen, so weit sie sehen konnte.
    Nichts von den beiden zu sehen.
    Hoffentlich stimmt die Richtung …
Sie rannte los, noch schneller als vorhin.
    Normalerweise rannte sie gern, und auch jetzt fiel sie

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