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Geh@ckt: Wie Angriffe aus dem Netz uns alle bedrohen. Ein Agent berichtet (German Edition)

[email protected]: Wie Angriffe aus dem Netz uns alle bedrohen. Ein Agent berichtet (German Edition)

Titel: [email protected]: Wie Angriffe aus dem Netz uns alle bedrohen. Ein Agent berichtet (German Edition)
Autoren: Michael George
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Das Problem dabei: Die digitalen Sicherheitsrisiken sind zu wenig konkret und zu unsichtbar, als dass sie ernsthaft wahrgenommen werden. Sie sind kein Zug, der einem direkt entgegenkommt, keine Krankheit, kein gefährliches Tier, das einen droht anzuspringen. Nichts Mechanisches wie das Fahrwerk eines Flugzeugs, wie ein platzender Reifen, eine reißende Kette oder eine atomare Katastrophe.
    Zum anderen werden erfolgreiche Angriffe überhaupt nur selten bemerkt. Gestohlene Daten sind ja nicht weg, sie sind nur an anderer Stelle nochmals vorhanden. Angreifer kommen und gehen, als ob es keine Türen und Zäune gäbe. Das ist gefährlich, da es nicht nur um Daten, sondern ebenso um Maschinen geht. Werden Einbrüche aber nicht bemerkt und wird auch scheinbar nichts gestohlen, fällt es automatisch schwer, überhaupt an die Existenz eines Einbrechers zu glauben. Die Folge: Wir nehmen die Gefahr der Sicherheitslücken kaum wahr, ignorieren oder negieren sie, da wir keine Diebe ausmachen können.
    Ein Beispiel: Für das abendliche Fernsehprogramm werden unzählige Computer benötigt, von der Produktion bis zur Ausstrahlung der Sendungen. Auch für den Empfang des digitalen DVB -T-Signals («Digital Video Broadcasting – Terrestrial»; erdgebundene Übertragungsfrequenzen) wird ein kleiner Computer benötigt, eine sogenannte Desktop-Box. Doch die Kette zugehöriger Rechner geht noch weiter. Die Fernseher selbst haben sich vom Röhrenfernseher zum superflachen LED -Bildschirm mit eigenem Betriebssystem entwickelt und werden inzwischen sogar mit Webcam, Mikrophon und Internetanschluss ausgeliefert. Solche Smart- TV s sind Fernseher und Computer in einem. Missbraucht man die Betriebssysteme der Geräte, werden die eingebauten Kameras zu Augen der Angreifer. Mit denen können sie anschließend in die Wohnräume und Schlafzimmer von ihren Opfern blicken. Eine Horrorvorstellung für viele von uns. Der koreanische Sicherheitsexperte Seung-jin Lee zeigte auf einer Sicherheitskonferenz im Frühjahr 2013 in Vancouver, dass dieses Szenario selbst im ausgeschalteten Modus des Fernsehapparats möglich ist.
    Jetzt könnte man sagen, dass beim Betrachten einiger Facebook-Inhalte eine freiwillige Abkehr von einer Privatsphäre zu erkennen ist, und das ganz ohne gehacktem Smart- TV . Aber darum geht es nicht. Es geht vielmehr um die Sicherheit von privaten Kommunikationszentralen wie Handys, Tablets oder Laptops – und wie gefährdet dadurch hochentwickelte Rechtsgüter wie unsere Privatsphäre sind. Umgekehrt formuliert bedeutet dies: Es zeigt, wie abhängig wir von sicheren Computersystemen sind, wenn uns hochentwickelte Rechtsgüter etwas bedeuten. Wenn Smartphones angegriffen werden, sind rasch staatlich garantierte Grundrechte wie das Post- und Fernmeldegeheimnis betroffen. Gegen eine monatliche Gebühr von rund 15  Euro können aber problemlos Handygespräche belauscht, SMS mitgelesen oder Standorte verfolgt werden. Egal ob die des Nachbarn, des Ehepartners, eines Kollegen oder eines Konkurrenten. Das ist Spionage für jedermann, downloadbar aus dem Internet. Programme wie FlexiSpy werben mit der Aufdeckung von Seitensprüngen und existieren, weil es einen großen Markt für solche Produkte gibt. Sie werden innerhalb weniger Minuten installiert und sind kaum zu entdecken. Schuld daran sind unzureichende Sicherheitsmaßnahmen der Betriebssystemhersteller.
    Neben der Integrität von Handys, Fernsehern, Smartphones und Laptops sind wir auch im Sinne ihrer Verfügbarkeit von ihnen abhängig. Die mobilen Helferlein, die im Jugendjargon gern auch als «Kommunikationskeulen» bezeichnet werden, sind heute ständiger Begleiter unseres Alltags. Mit ihnen werden Inhalte ins Internet gestellt, Telefongespräche geführt, es wird gechattet, getwittert, gemailt und gegamed. Sie verbinden sich per DSL (Digital Subscriber Line), ISDN (Integrated Services Digital Network), LTE (Long Term Evolution), UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) oder GPRS (General Packet Radio Service) – in jedem Fall aber digital ins Netz. Fallen die Verbindungswege aus irgendwelchen Gründen aus, können wir nur noch örtlich begrenzt, das heißt von Angesicht zu Angesicht kommunizieren.
    Bei einem Stromausfall wie im November 2012 in München bricht das Handynetz im Nu wegen Überlastung und mangelnder Notstromversorgung zusammen. Man kann dann weder jemanden anrufen noch angerufen werden. Ein großflächiger Ausfall von Computern mangels Stroms bedeutet
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