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Bradshaw Gillian - Artus 02

Bradshaw Gillian - Artus 02

Titel: Bradshaw Gillian - Artus 02
Autoren: Das Koenigreich des Sommers
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kriegen.
»Goronwy!« Ich packte meinen Vetter am Arm.
    »Na, was ist denn jetzt schon wieder…« Er folgte meinem Blick und gefror.
Der Reiter wendete sein Pferd und kam am anderen Ufer auf uns zu. Der Hengst trat vorsichtig auf, leicht und graziös wie eine Katze.
»Hü.« Goronwy stieß die Ochsen mit dem Leitstock an und sprang aus dem Karren. Die Tiere schnauften und gingen rückwärts. Ihr Atem dampfte.
»Glaubst du wirklich, wir können weglaufen?« fragte ich, verärgert über Goronwy, während ich versuchte, das Holz am Herunterrutschen zu hindern, weil der Karren so holperte. »Ochsen – gegen solch ein Pferd?«
»Vielleicht kann er das Wasser nicht überqueren.« Goronwys Stimme war leise.
»Früher hast du immer über die Geschichten von den Unterirdischen gelacht.«
»Ja, zu Hause. Süßer Jesus, schütze uns jetzt!«
»Ach, komm! Es muß ein Reisender sein. Wenn er kein Räuber ist, dann fragt er wahrscheinlich nur nach dem Weg. Und wenn er doch ein Räuber ist, dann sind wir zu zweit. Mehr als den Tod haben wir auch nicht zu fürchten.«
»Den fürchte ich schon genug, auch ohne das andere.« Die Ochsen schwankten vom Ufer fort, und Goronwy sprang wieder in den Karren. »Aber wer reist wohl im Winter? Und so weit von einer Straße entfernt?«
Der Reiter kam an die Furt und wandte sein Pferd zum Wasser. Der Fluß war nicht tief, und das Wasser reichte nicht höher als bis zu den Knien des Tieres. Aber das Pferd warf den Kopf hoch bei der Kälte. Goronwy zischte leise und saß wieder still. Wenn der Reiter das Wasser überqueren konnte, dann war er vielleicht kein Geist. Oder vielleicht doch. Wie auch immer, weglaufen konnten wir nicht.
Er erreichte unser Ufer und ritt hinter uns heran. Und dann sank die Sonne zwischen den Ästen der Bäume und bedeckte uns mit kreuz und quer übereinanderlaufenden Schatten. Ich konnte jetzt besser sehen, als das blendende Glitzern verschwand, und nach der leuchtenden Vision, die der Reiter am Anfang geboten hatte, hätte ich jetzt vor Enttäuschung aufschreien können. Das Pferd hatte einen langen, ausgezackten Riß auf der Brust, seine Knochen waren durch das Fell zu sehen, und seine Beine und Schultern waren schlammverschmiert. Die Kleidung des Reiters war sehr abgetragen. Der rote Umhang war zerrissen und schmutzig, und die Hand an den Zügeln war violett vor Kälte. Sein schwarzes Haar und sein Bart waren verfilzt und ungepflegt, und er hatte sich offenbar seit langer Zeit nicht mehr gewaschen.
Ich begegnete seinem Blick, und wieder war ich aufgerüttelt. Diese Augen waren dunkel wie die See um Mitternacht, und irgend etwas lag in ihrem Blick, bei dem sich mir die Haare im Nacken aufstellten. Ich bekreuzigte mich, und ich fragte mich, ob Goronwy wohl recht hatte. Mein Vater sagte immer, daß die Geschichten von den Unterirdischen lauter Lügen wären, aber ich – ich hatte noch nie solch einen Blick in einem menschlichen Gesicht gesehen.
Der Reiter lächelte über meine Geste. Es war ein bitteres Lächeln. Er beugte sich nach vorn, um mit uns zu sprechen. Er hatte sein Schwert gezogen, und es über seine Knie gelegt, so daß wir es anschauen konnten, während er sprach. Es war ein schönes, scharfes Schwert.
»Ich biete euch meinen Gruß«, sagte der Reiter. Seine Stimme war rauh, kaum mehr als ein Flüstern. »Was ist dies für ein Land?«
Ich sah, wie Goronwys Hand sich am Treibstock ein bißchen entspannte, und dann bekreuzigte sich auch er, ehe er antwortete. »Dumnonia, Herr. Nicht weit von Mor Hafren. Fragst du, weil du dich verirrt hast?« Er war bereit, ihm den Weg zu weisen.
Der Fremde sagte nichts auf die Frage. Er schaute nur zu den Feldern hinüber, die vor uns lagen. »Dumnonia. Und was ist das für ein Fluß?«
»Der Fromm. Ein bißchen weiter als zwei Meilen von hier mündet er in den Mor Hafren. Herr, so zwölf Meilen östlich von hier gibt es eine römische Straße…«
»Ich kenne euren Fluß nicht. Ist das Land dahinter dicht besiedelt?«
»Dicht genug.« Goronwy machte eine Pause. »Baddon liegt nicht weit von hier. Dort sitzt ein starker Herr, und er hat einen Heerbann.«
Der Reiter lächelte wieder bitter. »Ich bin kein Räuber, daß ihr mir mit Königen und Heeren drohen müßt.« Er schaute uns nachdenklich an. »Wie ist dein Name, Mann?«
Goronwy rieb sich das Handgelenk, schaute die Ochsen an, warf dann einen Blick auf das Schwert. »Goronwy ap Cynedd.«
»Aha. Und deiner?«
»Rhys ap Sion«, antwortete ich. Es war vielleicht unklug,
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