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Am Ende zählt nur das Leben

Am Ende zählt nur das Leben

Titel: Am Ende zählt nur das Leben
Autoren: Katja B.
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Der Mann meines Lebens
    Es war Sommer, und ich traf den Mann meines Lebens.
    Er saß vor einem Zelt in den Dünen und wäre mir nicht aufgefallen, wenn er meine Freundin und mich nicht begrüßt hätte, als würde er uns kennen.
    Die Sonne schien, Sandra und ich waren gerade mit meinem Fiat Punto auf dem Sylter Campingplatz angekommen und hielten Ausschau nach einem Plätzchen für unser Zelt. Ich überlegte noch, ob ich seinen Gruß als aufdringlich empfand, aber da hatte Sandra bereits unser Zelt ausgewickelt, und wir waren Nachbarn geworden.
    Hinter den Dünen rauschte das Meer, und die Möwen schrien. Der Geschmack von Salz in der Luft und der endlose blaue Himmel erfüllten gleich zu Beginn meine größten Urlaubswünsche. Ich fühlte mich weit weg von meinem Heimatdorf, als wäre ich auf einer fernen Ferieninsel, dabei waren wir nur dreihundert Kilometer gefahren. Vor Kurzem hatte ich die Schule beendet, und in wenigen Wochen sollte meine Ausbildung zur Arzthelferin beginnen. Bis dahin wollte ich den Sommer genießen.
    Unsere Nachbarn drehten am Abend ihren Gettoblaster auf und wippten im Takt der Songs. Sandra und ich hörten Delta-Radio, aber die Anlage des jungen Mannes und seines Freundes war eindeutig lauter als unsere. Als sie einen Hit der Ärzte spielten, sangen Sandra und ich lauthals mit:
    Oh, ich hab solche Sehnsucht
Ich verliere den Verstand
Ich will wieder an die Nordsee
Ich will zurück nach Westerland [ 1 ]
    Daraufhin kamen die beiden zu uns herüber und stellten sich als Robert und Basti vor. Sie wollten alles über uns wissen – so erschien es mir zumindest. Irgendwie fand ich Gefallen an ihrer ausgelassenen Art.
    »Katja, nun sag schon, woher kommst du? Aus Hamburg?«, fragte Robert mich, der in seiner weiten Hose, deren Schritt bis zu den Knien reichte, einem schief sitzenden Fischerhut und einem verblichenen Shirt nicht gerade einen attraktiven Eindruck auf mich machte.
    »Sehe ich denn so aus?«
    »Du siehst toll aus. Bist du nun aus Hamburg?«
    »Aber nein, ich bin ein Mädchen vom Lande«, lachte ich und schaute an mir herunter. Ich trug Jeans und ein ärmelloses Oberteil. Meine Füße steckten in Flipflops, und das blonde Haar trug ich offen.
    »Aus Schleswig-Holstein?«
    »Nein, aus Niedersachsen.«
    »Aha, interessant! Von der Küste?«, wollte er wissen.
    »Nein, von ganz woanders. Davon hast du sicher nie gehört. Ein Dorf.«
    »Und wo liegt dieses Dorf?«
    Ich zögerte mit der Antwort, seine vielen Fragen kamen mir seltsam vor. »Ach, das kennst du garantiert nicht, mitten in der Provinz. Wenn man eine Weile fährt, kommt man nach Hannover.«
    »Hm. Ich komme auch aus der Nähe von Hannover.«
    Und dann stellten wir fest, dass wir nur vierzehn Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen waren. Wir waren gleichaltrig und hätten uns eigentlich schon längst über den Weg laufen müssen. Genau wie ich ging Robert in der nahen Kreisstadt zur Schule. Er kam in die zwölfte Klasse und hatte bis zum Abitur noch zwei Jahre vor sich.
    Robert ließ mich den ganzen Abend über nicht aus den Augen und stellte Fragen nach meinen Hobbys und Interessen. Und dann wollte er wissen, ob er mich nach dem Nordseeurlaub wiedersehen könnte.
    Wie Gentlemen verabschiedeten Robert und Basti sich gegen Mitternacht, weil sie merkten, wie müde wir von der Fahrt und der frischen Nordseeluft waren.
    Am Morgen hing ein Beutel mit frischen Brötchen an unserem Zelt, und bereits am folgenden Abend überraschte Robert mich mit einem Geständnis.
    »Ich bin in dich verliebt«, sagte er, und ich glaubte, mich verhört zu haben. Ich wurde nicht einmal rot, denn ich verstand die Bedeutung seiner Worte nicht wirklich. Sie erschienen mir absurd, als hätte er über jemand anderen gesprochen, nicht über mich und seine angeblichen Gefühle mir gegenüber. Wir kannten uns doch überhaupt nicht.
    »Wie kann man denn nach einem Tag schon verliebt sein? Woran merkt man das überhaupt? Bist du dir sicher?«, wollte ich wissen, als ich meine Stimme wiederfand.
    »Ich bin mir ganz sicher und merke es genau und überall«, sagte er und tat ein wenig geheimnisvoll. Wir saßen abseits der Zelte, und Robert sprach leise. Er schaute mir nur kurz in die Augen und dann wieder zu Boden. Plötzlich wirkte er schüchtern. Ich wusste nicht, was ich von ihm halten sollte. Er war doch ein Fremder.
    »Schon mal was von Liebe auf den ersten Blick gehört?«, wollte er schließlich wissen.
    »So ein Quatsch!«, erwiderte ich. »Das kann ich

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