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Weinwissen für Angeber

Weinwissen für Angeber

Titel: Weinwissen für Angeber
Autoren: Carsten Sebastian Henn
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Cinsault gekreuzt und wird nur am Kap angebaut. Die Weine riechen nach Lack oder anderen Dingen, die man nicht im Wein erwartet (und nicht erwarten möchte). Mittlerweile gibt es richtig gute Weine aus der Traube (immer eine Bank: Kanonkop, Laibach oder Saxenburg), aber zum weltweiten Klassiker wird es nicht reichen, weswegen die Südafrikaner jetzt auf Shiraz setzen. Diese Weine schlagen die Pinotages denn auch um Längen.
    Deshalb sagen nur ewig Gestrige, das sei ihre liebste Rebsorte. Und selbst die sagen es nur untereinander.
      

    Portugieser
    Portugal, das ist Fado, Portwein, Seemacht, Luis Figo - und noch ein gutes Dutzend weiterer Stereotype. Leider wird Portugieser in Deutschland angebaut und ist nur dem Namen nach ein Rotwein. Meistens schmeckt er wie ein Weißwein, erfrischend im Sommer, aber keine Rebsorte, von der Sie irgendetwas halten sollten. Es sei denn, er kommt von uralten, wurzelechten Reben, wird in Kleinst-Erträgen geerntet, in neuen Barrique-Fässern mindestens 18 Monate ausgebaut, ungeschönt, unge- schwefelt und ungefiltert abgefüllt. Da so einen Portugieser aber noch nie jemand getrunken hat (weil die Traube so nicht ausgebaut wird), behaupten Sie's ruhig. Da soll mal einer kommen und anderes sagen!
      

    Regent
    Wollen Sie ernsthaft eine Rebsorte mit einem so saublöden Namen loben? Und wenn, warum dann nicht direkt die „Domina" (in Franken weitverbreitet, was immer das über die dortigen sexuellen Vorlieben aussagen mag)? Diese angeblich pilz-resistente Neuzüchtung aus Diana und Chambourcin steht nicht zur Debatte. Ökofreaks mit Birkenstocksandalen und selbst gemachtem Joghurt mögen so etwas guten Gewissens trinken, Weinkenner aber zerstören lieber die Natur und geben viel Geld für Wein aus, dessen Klasse sie nicht im geringsten er- schmecken können. Weinkenner sind ja nicht verrückt!
      

    Sangiovese
    Italiens große Rebsorte? Nein, pauschalieren Sie nicht so. Sprechen Sie von der großen Rebsorte der Toskana. Natürlich wird die Sangiovese - teilweise unter anderem Namen - auch in anderen italienischen Weinregionen angebaut, am berühmtesten sind aber die toskanischen Ge-wäch- se: „Chianti" (Sie trinken nur „Chianti Classico"), „Vino Nobile di Monte- pulciano", „Brun-ello di Montalcino" und so genannte „Super-Tuscans".
    Sie sollten sich aber der politischen Bedeutung dieser Rebsorte bewusst sein. Es ist die Traube der Toskana-Fraktion. Wenn Sie also den Sozialdemokraten fern stehen, wählen Sie lieber eine möglichst schwarze (Shiraz), gelbe (Gewürztraminer) oder grüne (Veltliner) Rebsorte. Tragen Sie Ihre politische Gesinnung ganz einfach auf der Zunge. Subtiler geht es nicht!
      

    Spätburgunder
    Ein befreundeter Weintrinker schwört auf Spätburgunder. Es handelt sich um einen sensiblen, schöngeistigen Mann, er liebt das moderne Theater und japanische Architektur. Seine Wohnung ist sparsamer möbliert als ein Museum für zeitgenössische Kunst, jeden Sonntagmorgen um fünf wird im Stadtpark gejoggt und er steht auf den jungenhaften Frauentyp mit Bubikopf. Spätburgunder mag er, weil er subtile Weine erbringt, keine Schreihälse mit viel Frucht, keine Wuchtbrummen mit einem Haufen Tanninen, sondern edle Weine, die in Ruhe genossen werden wollen. Mehr sag ich nicht.
      

    Shiraz
    Ist zur Zeit schwer „in". Südfrankreich, die Rhoneregion, Australien und Südafrika produzieren einen Wahnsinns-Shiraz (oder Syrah) nach dem anderen. Der gute Wein-Angeber aber ist dem Trend, nicht mittendrin. Also überlassen Sie anderen diese Weine, die zurzeit vielleicht die spannendsten auf der Welt sind.
      

    Tannat
    Für geduldige Weintrinker. Tannat braucht ewig, um den Punkt zu erreichen, an dem er trinkbar ist. Vorher ist er widerlich. In Blindproben denken Experten häufig, Tannat-Weine seien fehlerhaft. Andere haben eine perverse, abnorme Freude daran. Zu welcher Gruppe gehören Sie? Und weiß Ihr Partner schon davon?
      

    Tempranillo
    Spaniens Stolz. Und die Spanier haben allen Grund, stolz zu sein. Das Land ist einerseits Teil Europas (= Tradition), andererseits aber irgendwie auch exotisch, weil mit maurischer Kultur übersät. Hinzu kommen Flamenco, Gitarre spielende dicke Zigeuner, große schwarze Stiere und Sandplatzspezialisten. Eine viel versprechende Mischung.
    Tempranillo ist zwar nicht mehr die einzige Rebsorte, welche für die großen Weine des Landes zuständig ist (seit die Garnacha im Priorat wiederentdeckt wurde), aber sie bringt immer noch
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