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Am Ende siegt die Liebe

Am Ende siegt die Liebe

Titel: Am Ende siegt die Liebe
Autoren: Maren Simonis
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Am Ende siegt die Liebe
     
    »So, wir sind schon fertig, Kerstin«, sagte Dr. Marc Schumann zu dem kleinen blonden Mädchen, das vor ihm auf der Liege saß. »Mit dir ist alles in Ordnung.« Er strich ihr über die Haare.
    »Bekomme ich ein Bonbon, Onkel Doktor?« Kerstin strahlte ihn aus ihren blauen Augen an.
    »Natürlich bekommst du ein Bonbon.« Dr. Schumann griff in das Glas, das auf seinem Schreibtisch stand. »Auswickeln mußt du es dir selbst.«
    »Ich bin schon groß«, erklärte die Kleine und wollte von der Liege rutschen, dann bekam sie Angst und schaute hilfesuchend zu ihrer Mutter hinüber. »Mama!« Verlangend streckte sie die Händchen aus.
    »Sieht aus, als müßte ich mein großes Mädchen von der Liege heben«, meinte Maria Wieland belustigt, »vorher werde ich dich erst einmal wieder anziehen.« Sie streifte der Kleinen ein T-Shirt über den Kopf und griff nach den Latzhosen. »Und Sie sind ganz sicher, daß wir uns keine Sorgen machen müssen, Herr Doktor?«
    »Ja.« Marc nickte. »Natürlich kann es nach wie vor zu Pseud okrupp-Anfällen kommen, es wäre jedoch falsch, Kerstin in Watte zu packen. Kerstin sollte sich viel an der frischen Luft aufhalten, damit sie widerstandsfähiger gegen Infektionen wird. Eine gesunde Ernährung trägt auch dazu bei, daß sie die Anfälle gut übersteht, nun, das muß ich Ihnen ja nicht sagen. Man sieht, daß Ihre Tochter alles hat, was ein Kind braucht.«
    »Sie ist unser ein und alles.« Maria Wieland stellte ihr Töc hterchen zu Boden.
    Kerstin wickelte das Bonbon aus und steckte es sich in den Mund. »Da!«
    »So, das Papier ist also für mich.« Marc zwinkerte der Kleinen zu und warf das bunte Papierstückchen in den Abfallkorb, bevor er sich wieder der jungen Bäuerin zuwandte. »Ich bin kein Kinderarzt, Frau Wieland. Ich kann durchaus verstehen, daß Sie sich Sorgen machen. Vielleicht sollten Sie noch einen Kinderarzt aufsuchen.«
    »Nein.« Maria Wieland schüttelte den Kopf. »Wir haben Ihrem Herrn Vater vertraut und vertrauen auch Ihnen, Herr Doktor«, sagte sie bestimmt. »Außerdem können Sie gut mit Kindern u mgehen, was man, wie ich schon gehört habe, nicht von jedem Kinderarzt behaupten kann.» Sie reichte ihm die Hand. »Bis zum nächsten Mal.«
    »Ja, bis zum nächsten Mal«, erwiderte Dr. Schumann. Er beugte sich zu Kerstin hinunter. »Und du paß schön auf, daß du gesund bleibst.«
    Die Kleine nickte. »Mach ich«, versprach sie und schenkte ihm ein reizendes Lächeln.
    Nachdem Frau Wieland mit ihrer Tochter das Sprechzimmer verlassen hatte, kehrte Marc an seinen Schreibtisch zurück und trug noch ein paar Bemerkungen in Kerstins Krankenblatt ein. Das kleine Mädchen war ihm ans Herz gewachsen. Er konnte sich noch deutlich an die Nacht erinnern, in der er, kurz nach seiner Rückkehr aus Kenia, auf den Wielandhof gerufen wurde, weil Kerstin bei einem Pseudokruppanfall zu ersticken drohte.
    »Tina, bitte schicken Sie den nächsten Patienten herein«, bat er seine Sprechstundenhilfe per Wechselsprecher
    Er blickte auf die Krankenkarte, die links von ihm auf dem Schreibtisch lag. »Say Wagner« las er. Der Name sagte ihm gar nichts. Frau Wagner war noch nie zuvor bei ihm gewesen.
    Tina Martens öffnete die Tür zu seinem Sprechzimmer. Eine zierliche Thailänderin trat ein. Er stand auf und ging ihr entgegen. »Frau Wagner?« fragte er.
    »Ja.« Sie nickte und ergriff seine Hand.
    »Bitte, setzen Sie sich«, bat er.
    Say Wagner nahm vor seinem Schreibtisch Platz. Auf den e rsten Blick wirkte sie sehr selbstbewußt, aber daraus, wie sie den Griff ihrer Handtasche umklammert hielt, erkannte Marc, daß sie sich ziemlich unsicher fühlte.
    Er setzte sich an den Schreibtisch und schlug das Krankenblatt auf. »Da Sie nie zuvor bei mir gewesen sind, benötige ich noch ein paar Angaben von Ihnen«, sagte er und stellte einige Fragen, die Say leise, ohne zu zögern beantwortete.
    »Sie sprechen ausgezeichnet Deutsch«, bemerkte Marc, nachdem sie ihm gesagt hatte, daß sie in Bangkok zur Welt gekommen war.
    »Nun, ich lebe bereits seit acht Jahren in Deutschland«, erw iderte sie. »Ich lernte meinen verstorbenen Mann kennen, als ich gerade sechzehn war. Er arbeitete damals für eine deutsche Firma, die Industrieanlagen erstellte. Wir heirateten bereits ein halbes Jahr später, und als er nach Deutschland zurückkehrte, ging ich natürlich mit.«
    »Haben Sie Kinder?«
    »Leider nicht.« Say hob die Schultern. »Es sollte wahrscheinlich nicht sein.
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