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JULIA FESTIVAL EXTRA Band 03

JULIA FESTIVAL EXTRA Band 03

Titel: JULIA FESTIVAL EXTRA Band 03
Autoren: Emma Darcy , Lucy Gordon , Emma Richmond
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Sie musste sie gesammelt haben seit ihrer Geburt. Wie auf Knopfdruck kamen sie aus ihr hervor.
    Es war merkwürdig, wie sie auf alles, was passierte, zutrafen. Ebenso wie ihre Märchen. Alle Enkelkinder stimmten darin überein, dass es fast unheimlich war, wie Großmutter den Nagel immer auf den Kopf traf. Sie wusste wirklich alles.
    Wenn irgendjemand einen guten Rat brauchte, war die Farm der beste Ort, wo man ihn bekommen konnte. Als Danielle McFarlane fünfzehn war, brauchte sie Rat. Sehr ernsten Rat. Sie kam unangemeldet auf die Farm.
    Jedes der Enkelkinder dachte, dass Großmutter es am liebsten hatte, doch dieses, nach ihr benannt, stand ihrem Herzen am nächsten. Die junge Dani lächelte und plauderte, doch insgeheim hatte sie Sorgen. Ein schweres Problem lag ihr auf dem Herzen.
    Grandpa und Grandma tauschten einen vielsagenden Blick, der Teil ihrer Vertrautheit war, die über die Jahre gewachsen war. Worte waren überflüssig zwischen ihnen in Augenblicken wie diesem. Großvater entschuldigte sich und sagte, er müsse nach den Hunden sehen. Großmutter wartete, bis Dani von sich aus anfing, ihr Herz auszuschütten.
    „Ich muss dich etwas fragen, Grandma.“
    „Ja, Liebes?“ Dani zog einen Faden auf eine Nadel, nahm ihre Webarbeit zur Hand und sah ihre Enkeltochter an, die die Stirn runzelte.
    „Es geht um einen Jungen. Nun, er ist eigentlich kein Junge mehr. Er ist schon sechzehn. Ich weiß, ich bin nicht das hübscheste Mädchen in der Klasse, aber ich glaube, er mag mich …“
    Dani schaute aus dem Küchenfenster. Cameron war immer noch so groß und sein Gang aufrecht, als sie ihn zum Gartenzaun gehen sah. Einer der Hunde sprang fröhlich um seine Beine. Er war jetzt fast achtzig Jahre alt, aber er war immer noch ein Bild von einem Mann. Die Haare waren im Lauf der Jahre weiß geworden, doch seine Augen waren so blau wie eh und je, und sie hatten nichts von der sprühenden Freundlichkeit und Schlauheit verloren. Cameron und sie hatten ein wundervolles Leben gehabt! All die Jahre … und die Liebe, die sie füreinander empfanden, war die Krönung ihres gemeinsamen Lebens.
    Sie sollte jetzt nicht daran denken. Sie musste der jungen Dani helfen. Aufmunternd lächelte sie ihre Enkeltochter an und widmete sich wieder ihrer Handarbeit. Nach und nach kam das Problem ans Licht, und Dani fühlte sich fünfzig Jahre zurückversetzt. Als es an ihr war, etwas zu sagen, wusste sie genau, was sie sagen musste.
    „Schönheit“, sagte sie, „liegt im Auge des Betrachters.“
    Sie wusste, dass Dani von dieser Antwort enttäuscht sein würde.
    „Nun, Grandma, ich glaube, es wird besser sein, wenn ich mich wieder auf den Weg mache …“
    „Bevor du gehst, Dani, muss ich dir noch eine Geschichte erzählen. Es ist ein Märchen. Aber wie bei jedem Märchen liegt auch hier ein Stück Wahrheit darin. Es geschah vor langer, langer Zeit. Überlege, was du daraus lernen kannst.“
    Sie machte eine kurze Pause, rief sich all ihre eigenen Gefühle ins Gedächtnis, den Anfang ihrer Liebe zu Cameron. Doch ihre Enkelin wartete darauf, die Geschichte zu hören, etwas zu lernen, wenn sie konnte.
    „Es war einmal ein junges Mädchen …“

    Als Cameron seine Enkeltochter zum Bahnhof fuhr, wurde ihm immer stärker bewusst, dass die kleine Dani ihm unverwandt neugierige Blicke zuwarf, so als würde sie ihn in einem neuen Licht sehen.
    „Stimmt etwas nicht, Dani?“, fragte er.
    „Nein, Grandpa. Alles in Ordnung“, verneinte sie und lächelte seltsam. In diesem Lächeln lagen Zufriedenheit und Belustigung zugleich. Dann sagte sie: „Aber ich würde gern wissen …“
    „Was möchtest du wissen?“
    „Hat Grandma wirklich schwarze Spitzenhöschen in deinem Bett gefunden, als ihr euch das erste Mal getroffen habt?“
    Als Cameron zur Farm zurückkehrte, fand er seine Frau träumend am Küchenfenster stehen.
    „Hattest du einen schönen Tag?“, fragte er und umarmte sie mit einem Blick, der ausdrückte, dass sie zusammengehörten.
    „Oh ja, Liebling“, antwortete sie. „Ich hatte einen wundervollen Tag. Alles hat sich zum Guten gewendet.“
    In Gedanken fügte sie hinzu: Ende gut, alles gut, doch sie brauchte es nicht auszusprechen, denn Camerons Lächeln sagte ihr dasselbe. Und als sie zurücklächelte, sah er keine Zeichen des Alters in ihrem Gesicht. Er sah das Mädchen, das in sein Schlafzimmer gekommen war und ihn geweckt hatte – das ihm gezeigt hatte, wie schön das Leben sein konnte … wenn er dieses Mädchen

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