Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Zutritt verboten

Zutritt verboten

Titel: Zutritt verboten
Autoren: K.H. Scheer
Ads
besteigen. Es sah wie die Wagenschlange einer modernen Vakuum-Rohrbahn aus, und das war es auch.
    Der Andruck war hart. Wir hörten es draußen pfeifen. Als wir wieder anhielten, hatten wir eine recht beachtliche Strecke zurückgelegt.
    Wir trieben die Mutanten aus den Wagen mit dem kreisrunden Querschnitt. Sie waren nun ganz ruhig, verstummt vor instinktiver Angst. Uljitschin bemerkte es, und da begann er hastig Befehle zu erteilen. Es schien ihm äußerst unangenehm zu sein, die Negativen in einem derart nervösen Zustand zu sehen. So achtete er weniger auf uns Wächter. Er hielt uns nach wie vor für tiefhypnotisiert, und das war bei den anderen ja auch der Fall.
    Mir stockte der Atem, als wir an einer großen Pforte vorüberkamen. Es kam eben ein seltsames Gefährt heraus. Es lief nicht auf Rädern, sondern schien eine Handbreit über dem Boden zu schweben. So erhaschte ich einen Blick in den Saal.
    Er war angefüllt mit rechteckigen Behältern. In Reih und Glied standen sie, miteinander verbunden durch Kabel und sonstige Leitungen. In ihnen wallte und brodelte die schleimige Brühe, die wir schon in der Deneber-Station auf dem Mond bemerkt hatten.
    Tausende fast fertig entwickelte Keimlinge trieben darin herum.
    Ich hatte meinen Brechreiz zu unterdrücken. Die Tür schloß sich schnell. Der Kapitän sah sich aufgeregt um. Er musterte uns durchbohrend, doch ich schritt stier und teilnahmslos an ihm vorbei.
    Wir kamen in eine andere Halle, wo bereits einige Deneber warteten. Die Mutanten erschraken nicht. Sie konnten den Unterschied zwischen Erdenmenschen und Deneb-Abkömmling ja auch kaum erfassen.
    Die dürren Burschen trugen helle Kombinationen. Weit hinten standen wuchtige Maschinen, davor riesenlange Tröge. Eine breiige Masse brodelte darin. Das waren wohl auch einmal negative Mutanten von der Erde gewesen! Also hatte das „Gedächtnis“ doch recht gehabt, als es errechnete, die Grundstoffe zur biologischen Erzeugung der Menschen-Nachahmungen kämen von echten Lebewesen, die im Sinne des Wortes verarbeitet wurden.
    Käfige waren an den anderen Wänden. Wir mußten die Wilden hineintreiben, und dann kam der schroffe Befehl, der uns zum sofortigen Rückzug zwang.
    Unsere Wächterrollen waren ausgespielt.
    Uljitschin führte uns in einen größeren Nebenraum.
    „Auf die Lager setzen“, sagte er suggestiv. „Sie schlafen jetzt – Sie schlafen ganz tief, bis Sie geweckt werden.“
    Wir sanken zusammen wie geschnittene Pflanzen. In allen Stellungen lagen sie reglos auf den flachen Polstern. Sie atmeten unglaublich tief. Sie waren einfach abgeschaltet worden. Aus schmal klaffenden Lidern beobachtete ich die Nachahmung eines russischen Raumoffiziers. Er ging prüfend an uns vorbei und verschwand dann so rasch, wie ich es kaum erhofft hatte.
    Wir hatten keine Sekunde zu verlieren. Er konnte alle Augenblicke zurückkommen.
    Manzo hatte sich dicht neben mich gelegt, Hannibal ruhte nahe der Tür. Mein Zischeln wurde nur von ihm vernommen. Während er sich langsam umdrehte und die so sauber getarnten Thermo-Rak-Automatik anlüftete, wälzte sich Manzo ruckartig auf die andere Seite.
    Die Magnetverschlüsse der Spezialkombination klafften auseinander. Der nackte Höcker lag vor mir.
    Ich tippte die Kodezahlen in die Tasten, und schon klappte der Behälter auf. Meine Hände zitterten, als ich die mächtige Bombe aus den Halterungen klinkte. Sie war hier viel schwerer als auf dem Mond. Anscheinend hatten sie die künstliche Gravitation des Phobos ihren Bedürfnissen entsprechend eingerichtet.
    Ich wurde in der liegenden Haltung mit dem schweren Ding nicht fertig. So sprang Manzo einfach auf und riß sie in seine starken Arme.
    Es ging rasch. Mit einem Griff hatte ich den Zeitzünder auf zweieinhalb Stunden eingestellt. Ich tat es mit bebenden Fingern, dann nickte ich ihm zu.
    Gewaltsam zog ich die niederen Polster von der Metallwand zurück. Er legte die flach gearbeitete Bombe in den Spalt, und dann schoben wir das Lager wieder vor.
    Man konnte den Sprengkörper nur dann sehen, wenn man sich weit vorbeugte. Ich hoffte inbrünstig, daß niemand den kleinen Abstand zwischen Polster und Wand bemerken werde.
    Sonst taten wir nichts, nur hatten wir die Schockgewehre auf Thermo-Rak-Geschosse umgeschaltet. Kein Ton war gesprochen worden, doch dafür atmeten wir so laut und erregt wie gehetzte Tiere.
    Als die Tür wieder aufglitt, lagen wir in unseren alten Stellungen. Uljitschin gab den Befehl zum Erwachen. Wieder ging es

Weitere Kostenlose Bücher

Das Salz der Mörder
Das Salz der Mörder von Gerhard Otto Stock
Die Krieger der Königin
Die Krieger der Königin von L. J. McDonald
Der Papstkäufer
Der Papstkäufer von Günther Thömmes