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Zeitlos

Zeitlos

Titel: Zeitlos
Autoren: Edward Finnings
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VORWORT:
    1920; Paris: Ein französischer Wissenschaftler entdeckt, dass grundsätzlich jedes Lebewesen in der Lage ist, durch gezieltes Training Eigenschaften zu erlernen, die ihm eigentlich wesensfremd und nicht zum üblichen Evolutionsablauf gehören. Er verbringt einige Wochen damit Meisen zu dressieren, mit ihren Schnäbeln die Aluminiumdeckel von Milchflaschen zu öffnen, um an die Milch zu kommen. Das Experiment gelingt: Die gefangenen Meisen sind nun in der Lage, in Sekundenschnelle die Aluminiumdeckel zu lösen. Wenige Wochen später erfährt dieser Wissenschaftler aus der Zeitung, dass es in Großbritannien ein Problem mit den in der Frühe ausgelieferten Milchflaschen gibt, die vor den Häusern abgestellt werden: Meisenschwärme seien plötzlich in der Lage, die Aluminiumdeckel zu lösen und die Milch zu kibitzen. Überrascht begibt er sich sofort in sein Institut, um im Keller die Tiere mit denen die Versuche gemacht worden waren zu zählen. Er staunt nicht schlecht: Keiner der in dieser Fähigkeit trainierten Vögel fehlte ...

Wie können die Meisen in England an diese Fähigkeit gelangen? Gibt es etwa eine geheime Verbindung unter den Vögeln? Der Wissenschaftler hält diese Idee allerdings für zu absurd und verwirft sie.

Zu Beginn des zweiten Weltkrieges wird die Produktion von Milchflaschen in England aus Kostengründen auf Tüten umgestellt. Erst einige Jahre nach dem Krieg kehrt man wieder zur traditionellen Verpackung zurück. Obwohl keine der Vögel, die die Fertigkeit des Flaschenöffnens noch aus der Vorkriegszeit hätten kennen können, mehr am Leben sind, beginnen die Meisen in ganz Großbritannien sofort wieder die Deckel zu knacken – zeitgleich in den verschiedensten Regionen ...

Jahrzehnte später beschäftigt sich der englische Biologe Rupert Sheldrake erneut mit dem ,kollektiven Gedächtnis‘ – Wenn Tiere in der Lage sind, Informationen über Kilometer und Generationen hinweg weiterzugeben und sie abzurufen, wann immer sie benötigt werden, dann liegt der Gedanke nahe, dass auch der Mensch als höchste Evolutionsstufe diese Gabe ebenfalls besitzt, sich ihrer durch sein ständig weiter gewachsenes Bewusstsein nur nicht mehr erinnert … 
    "Das kollektive Unbewusste ist die Lagerstätte 
    des psychischen Erbes der Menschheitsgeschichte, 
    das individuelle Gedächtnis ist kein unbeschriebenes Blatt.“
                C. G. Jung
     
     

21.05.2012; kurz nach 17:00 Uhr/Ortszeit Mexiko; Tlahuác, Villa Sabiduria
     
     
    Die Katzen rekelten sich in den schattigen Winkeln des Innenhofes. Manche gaben sich intensiv ihrer Fellpflege hin oder lagen einfach mit geschlossenen Augen auf der Seite. Die Hühner scharrten gackernd im Staub, auf der Suche nach Fressbarem. An diesem Sonntagnachmittag lag jene besondere Ruhe über dem Anwesen, die der Don besonders gern im Schatten des Vistadores genoss, dessen riesige Scheiben zur Seite geschoben waren.
    Alberto Grancho war auf ein Schwätzchen herübergekommen. Die beiden Männer saßen im Schatten der ausladenden Überdachung und schlürften Caipirinha. Vor dem Himmelsblau bildeten die Kondensstreifen mehrerer Passagierjets surreale Muster. Da die Sommerbrise heute in Richtung Stadtzentrum wehte, war auch vom ständigen Gemurmel des Riesenmolochs Mexico-City nichts zu hören. Über ihren Köpfen drehte träge der Deckenventilator.
    Gerade wollte der Don seine erkaltete Pfeife nachstopfen, um sie erneut in Brand zu setzen, als es geschah: Von einer Sekunde auf die andere hatte sich etwas verändert, aber was? Der Don sah empor und erkannte erleichtert, dass es nur der Deckenquirl war, der seine Arbeit eingestellt hatte. Das fehlende Surren hatte wohl diese Veränderung bewirkt.
    Albertos Augen wollten dem Blick des Dons folgen, aber er verharrte mitten in der Bewegung. Rodriguéz sah in die Richtung, in die Alberto nun starrte. Am Himmel waren die Kondensstreifen plötzlich wie abgeschnitten, kamen nicht voran. Dann erkannten sie darunter dunkle Punkte, die der Erde entgegen fielen. »Madre mia, que pasa áhi?«  Grancho sprang aufgeregt auf, beschattete seine Augen, folgte dem Fall der Punkte, bis sie aus seinem Blickfeld verschwanden, sekundenlang geschah  nichts, dann folgten schwache, dumpfe Explosionen.
    Das Gesicht Albertos war jetzt aschfahl. »Antonio, zum Teufel, was ist da los? Was geht da vor sich?«  Grancho griff zu seinem Handy und tippte wild darauf herum, offensichtlich, um die Notrufnummer anrufen. Da

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