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Zähmung der Wildkatze

Zähmung der Wildkatze

Titel: Zähmung der Wildkatze
Autoren: J Winter
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hob seinen Blick. „Das Gleiche habe ich auch gedacht.“
    Das Drehbuch. Lydia schrieb ihre eigenen Leiden, um sie später durch einen Dominus in die Tat umsetzen zu lassen. Die ehemalige Verlobte seines Freundes überließ nie etwas dem Zufall und in Derek, der auch der Lord genannt wurde, fand sie letztendlich ihren perfekten Meister, der ihr jeden noch so perfiden Wunsch erfüllte. Stuart wehrte sich gegen die Erinnerungen an den Empfang, bei dem Erica die Schattenseiten ihrer erotischen Spielart kennengelernt hatte. Stuart war ein Sadist, doch selbst für ihn war es schwer, die entsetzlichen Schreie der Malerin zu vergessen, als Derek sie zur Krönung ihrer Qualen an ein Holzkreuz hatte nageln lassen.
    Wie sich herausstellte, war Derek selbst devot, doch sein ausgeprägtes männliches Ego stand seiner Neigung im Weg. Was zur Folge hatte, dass er seine Sklavinnen leiden ließ, sie brach, wenn es nötig war, nur um sich in ihre Rolle zu denken. Wenn Lydia ihr Drehbuch verbrannt hatte, gab es keinerlei Beweise, dass sie es selbst gewählt hatte. War sie wirklich so verwirrt, wie die Zeitung schrieb, würde man sie nicht aussagen lassen, doch ihre Verletzungen würden eine deutliche Sprache sprechen. Zu viele Frauen waren an diesem Lord zerbrochen. Er hatte den Knast verdient, denn Derek war ein Schandfleck in der BDSM-Szene. Eine gesunde D/S-Beziehung basierte auf Vertrauen, gegenseitigem Respekt und dem Wissen, das sich beide in vollem Bewusstsein und Wissen darauf einließen. Diesen Kontext missachtete Derek.
    „Wirst du sie im Krankenhaus besuchen?“
    Stuart spielte tatsächlich mit dem Gedanken. Die Vergangenheit mit Lydia war noch immer ein zweischneidiges Schwert. Die Hilflosigkeit Simons, als er vor dem Altar erfuhr, dass seine Verlobte in ihrem Hochzeitskleid zu Derek geflüchtet und ihren Sklavenvertrag bei ihm unterschrieben hatte. Stuart konnte ihr noch heute nicht verzeihen, obwohl sein Freund bereits glücklich mit Erica verbunden war. Ein Grund mehr, von festen Beziehungen großen Abstand zu nehmen. Er verneinte mit einer Kopfgestik und faltete die Zeitung. „Simon sollte erst davon erfahren,wenn die beiden aus den Flitterwochen wiederkehren. Sie sollen die Zeit genießen und sich nicht mit diesen Dingen belasten.“
    „Sehe ich genauso.“
    George half ihm, die Stute einzuladen, die er als Überraschung für Erica mitgebracht hatte. Die Kürze ihres roten Seidenkleides, dazu der Damensattel, hatte jedoch den Einsatz des Pferdes nicht möglich gemacht. Stuart redete der braunen Stute ein paar beruhigende Worte zu und verschloss den Anhänger.
    „Ich wünsche dir viel Spaß in London.“
    George nutzte die Zeit während der Abwesenheit von Simon und Erica, um seine Familie zu besuchen. Der Chauffeur bedankte sich und blickte auf seine Taschenuhr, tippte ungeduldig mit der Fußspitze auf den Boden. Aus der Ferne erkannte Stuart die junge Devote sofort an ihrer Eile. Amber würde ihn also nach England begleiten. Schmunzelnd stieg er in seinen Wagen und fuhr los.
    Es erstaunte ihn noch immer, was Erica mit ihrem kreativen Geschick als Innenarchitektin aus dem alten Herrenhaus seiner Großmutter geschaffen hatte. Wenn er die Eingangshalle betrat, blieb er stets für einen längeren Moment vor der knienden Sklavin, die als Statue in der Nische platziert war, stehen. Die überschwängliche Begrüßung seines Leonberger Rüden Paco riss ihn aus den Gedanken.
    „Du musst Kohldampf haben bis unter die Achseln.“
    Wie zur Bestätigung bellte der Hund ihn an. Lachend schickte Stuart ihn voraus zur Küche, füllte den Napf des Hundes. Er entließ die mitgebrachte Stute auf die Weide zu ihrer Herde und blieb eine Weile nachdenklich ans Gatter gelehnt stehen. Seine Gedanken kreisten um Lydia. Sie hatte ihr Schicksal selbst gewählt, war in der Klinik gut aufgehoben, obwohl er skeptisch blieb, ob es für ihre Seele Heilung gab. Der schmale Grat einer Masochistin zwischen erotischer Unterwerfung und völliger Selbstaufgabe war ein Drahtseilakt, der in einem freien Fall enden konnte. Marie hingegen besaß eine enorme Stärke, die Lydia nie besessen hatte. Eine Kraft, die Leiden sinnlich gestaltete und gleichzeitig unterband, dass sie sich gänzlich darin verlor. Es würde nicht leicht werden, mit ihr umzugehen, dessen war Stuart sicher. Spontaneität war gefragt, davon besaß er reichlich, musste sich jedoch hüten, sich die Kontrolle ein weiteres Mal aus den Händen nehmen zu lassen. Maries theatralische

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