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Zähmung der Wildkatze

Zähmung der Wildkatze

Titel: Zähmung der Wildkatze
Autoren: J Winter
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mit dem Typen etwas nicht stimmte. Er besitzt eine gute Menschenkenntnis.“ Simon senkte für einen Moment seinen Blick. „Es tut mir leid, ich wollte nicht so hart zu dir sein. Du bist ein Opfer, aber Stuart ebenso. Du bellst den falschen Baum an, Marie. Ich hätte nie gedacht, dass ich das noch erlebe, aber dieser Kerl liebt dich. Dass mein bester Freund ausgerechnet an dich sein Herz verlieren muss, ist schon seltsam genug.“ Simon blickte abwechselnd von Erica zu Marie. „Stupido! Ist dir eigentlich klar, was alles hätte passieren können? Ich hab nur Bruchteile von dem mitbekommen, was die Polizei aus diesem Gartenhaus gesichert hat. Videoaufnahmen, Fotos und andere Souvenirs.“ Er schob seine Frau beiseite, setzte sich zu Marie auf die Bettkante und griff nach ihren Schultern. „Ich bin froh, dass es nicht zum Äußersten gekommen ist. Du kannst ihm wirklich dankbar sein. Alex hat erzählt, dass einer der Kerle gerade kurz davorstand, als Stuart die Tür aufgerissen hat.“
    „Was bedeutet ‚tesorina mia‘?“ Völlig aus dem Zusammenhang herausgerissen unterbrach Marie plötzlich die ganze Situation.
    Simon runzelte die Stirn und starrte sie fassungslos an.
    „Was bedeutet das?“
    „‚Mein kleiner Schatz‘, warum?“
    Eine Gänsehaut kroch Maries Wirbelsäule hinauf und kribbelte in ihrem Nacken, als sie die Worte wieder und wieder in ihrem Kopf hörte. In der Nacht nach der Party, der kurze Moment, in dem er in ihrem Zimmer stand.
    „Ich muss unbedingt mit ihm reden. Bitte, Simon. Ich muss ihn jetzt sehen.“
    Ihr eindringlicher Blick ließ Simon nicken. Er erhob sich und machte ihr Platz, fing sie auf, als sie fast das Gleichgewicht verlor und aus dem Bettglitt.
    „Was hast du vor, Marie?“
    Sie ignorierte Erica, hielt sich an Simons Arm fest und suchte Alexanders Blick. „Ich muss das jetzt tun.“
    Für einen Moment wirkte der dunkelhäutige Krankenpfleger alles andere, als begeistert von der Idee, doch er nickte. „Ich hab dich nicht gesehen.“ Er drehte ihr den Rücken zu und schüttelte über seine Entscheidung den Kopf.
    „Wenn dir etwas passiert, verliere ich meinen Job, Honey. Ich hoffe, das ist dir klar.“
    Simon half ihr aus dem Krankenhaus, legte ihr sein Jackett über die Schulter und ließ sie in seinen Wagen einsteigen. Erica rutschte auf den Rücksitz.
    Der Regen wurde stärker und das Gewitter kam immer näher. Die Scheibenwischer schafften es kaum, klare Sicht zu schaffen. Marie saß still auf dem Beifahrersitz und alles, woran sie denken konnte, war der Moment, in dem sie ihm zum ersten Mal begegnet war. Kaum hielt Simons Wagen vor dem Haus, sprang sie hinaus und rannte zur Tür. Mit Fäusten hämmerte sie ungeduldig dagegen. „Mach die Tür auf.“
    Simon setzte zurück.
    „Warte.“
    Er lächelte seine Frau an und fuhr vom Grundstück.
    „Das klären die beiden besser unter sich.“
    „Stuart? Bitte, lass mich rein.“
    Nichts rührte sich. Marie rannte über die Terrasse um das Haus herum, blickte in die Fenster, doch es schien als wäre er nicht da. Mehrfach rief sie seinen Namen, doch die Geräusche des tobenden Gewitters verschluckten ihre Stimme. Ein weiterer Schwindelanfall zwang sie, sich auf die Bank zu setzen und tief durchzuatmen. Das Regenwasser tropfte von ihrem Haar und Simons durchnässter Jacke. Tränen mischten sich mit den Tropfen auf ihrem Gesicht. All die Anspannung, all die Geschehnisse stauten sich und suchten ein Ventil. Wie ein Film, den man auf Vorlauf stellte, rasten die Bilder der vergangen Tage in ihrem Kopf vorbei.
    „Marie, was zum Teufel machst du hier?“
    Stuarts besorgte Stimme drang zu ihr durch und Marie hob den Kopf. Sein Hemd war vom Regen ganz durchnässt und roch nach frischem Heu und Stall. Er hockte sich vor ihr hin. Sie zitterte vor Kälte und noch dazu barfuß.
    „Was machst du denn, du gehörst ins Hospital.“
    Marie schüttelte den Kopf und schniefte, wischte sich mit dem Jackenärmel über die Nase. Ihre Schultern bebten. Stuart atmete tief ein und aus.
    „Ich bin so dumm gewesen.“
    „Ja, es ist verdammt dumm, mitten in der Nacht aus dem Krankenhaus zu flüchten. Wie bist du hierhergekommen?“
    „Das ist jetzt egal. Ich muss dir etwas sagen.“ Sie erhob sich viel zu schnell von der Bank und sank stöhnend zurück. Ihre Hände griffen nach seinen Armen. „Ich liebe dich! Und verdammt noch mal, das hält schon länger an, als ich mir eingestehen wollte. Liebe auf den ersten Blick, so etwas passiert nicht

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