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www.traummann-gesucht.komm!

www.traummann-gesucht.komm!

Titel: www.traummann-gesucht.komm!
Autoren: Lisa Cach
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1. KAPITEL
    Z IERMÜNZEN UND HAUCHZARTE S TOFFE
    P ortland, US-Bundesstaat Oregon
    „Salbt eure heiligen Körperteile“, sagte Sapphire und reichte ein blauweißes, chinesisches Schälchen herum. „Dieses Rosenwasser hier habe ich hergestellt aus Blütenblättern, im heimischen Garten bei Vollmond gepflückt, auf dass die Kraft der Göttin wirksam werde.“
    Ich warf Cassie, die im Schneidersitz neben mir auf einem Kissen auf dem Tanzparkett thronte, einen schiefen Blick zu. Sie trug ein knappes Top, das in einem Saum aus glitzernden, silberfarbenen Klimperscheiben unmittelbar unter ihren Brüsten endete; ihr bloßer Bauchansatz wölbte sich über den schweren, münzenverzierten Gürtel, der ihre Hüften umgab. Böse blickte sie zurück, wobei sich ihre etwas schräg stehenden, elfengrünen Augen warnend verengten.
    Das Schälchen landete bei mir; das Rosenwasser, ein dunkles Burgunderrot, roch hinreichend harmlos, als ich vorsichtig daran schnupperte. Ich tunkte meinen Finger in die Flüssigkeit, tupfte sie mir wie Parfüm auf Kehle und Handgelenke und gab das Gefäß an Cassie weiter.
    Andächtig benetzte sie Brüste und Schamgegend, verneigte sich anschließend mit geschlossenen Augen über dem Schälchen und bot es der nächsten Bauchtanz-Novizin dar.
    „Ich wusste gar nicht, dass deine Halbkugeln heilig sind“, flüsterte ich Cassie zu, während Sapphire die Kursteilnehmerinnen zum allseitigen Erfahrungsbericht über die vergangene Woche aufforderte. „Sonst wäre ich ihnen mit gebührender Hochachtung begegnet. Müsstest du dir nicht einen teureren BH anschaffen, wenn du mit ‘nem Sakralbusen rumläufst?“
    „Psst!“ zischte Cassie.
    Eine wehleidig guckende Dame mit langem Haar setzte zu einem Bericht über den telepathischen Dialog mit ihrem Hund an.
    „Du kriegst Flecken auf dem Stoff direkt über den Brustwarzen.“
    „Gib Ruhe, Hannah! Du musst dich ihr öffnen, sonst wird sich die Göttin dir nicht erschließen.“
    Zu dem Zeitpunkt hörte sich das nicht gerade nach einer allzu schrecklichen Bedrohung an. Der zehn weibliche Wesen umfassende Bauchtanz- und Göttinnenanbetungskurs hockte im Halbkreis um eine kleine Skulptur aus Terrakotta, die Figuren darstellte, welche mit ineinander verschränkten Armen eine brennende Votivkerze umringten. Genau dieses Ding wurde in einem Versandhaus-Katalog angeboten, der uns in der vorigen Woche per Post ins Haus geflattert war.
    Die parapsychische Hundehalterin kam zum Schluss, und schluchzend meldete sich eine Frau mittleren Alters, bei der sich knapp fünfundzwanzig Kilo Übergewicht zwischen Rock und rückenfreies Oberteil zwängten. „Diese Woche musste mein Verlobter vor Gericht. Meine Nachbarin wirft ihm exhibitionistische Handlungen vor; sagt, er hätte in unserem Vorgarten gestanden und sich ihr in schamverletzender Weise gezeigt. Aber nackt war er nicht, und mit Absicht hat er’s schon gar nicht getan! Trug halt Damenschlüpfer und Strümpfe mit Strapsen und wollte einfach schnell die Zeitung holen, mehr nicht!“
    Sapphire gab ein paar tröstende Laute von sich, während der Rest des Damenzirkels mit Gemurmel und erstaunten Ausrufen reagierte.
    „Wenn die es mit der Göttin hat – wieso gibt sie sich dann mit ‘nem Perversen ab?“ fragte ich Cassie.
    „Hannah!“
    Ich zuckte die Achseln. So abwegig schien mir die Frage eigentlich nicht.
    „Zeit fürs Mantra“, sagte Sapphire, und alle falteten die Hände senkrecht vor der Brust. Von Mantra hatte Cassie kein Wort gesagt. Ich legte die Handflächen zusammen und versuchte angestrengt, mir nicht wie beim Beten vorzukommen.
    „Es sind die Gaben der Göttin“, rezitierte die Damenriege im Chor und führte die betenden Hände zu Stirn, Lippen und Herz, „zu denken, zu sprechen, zu fühlen und zu erschaffen.“ Die Fingerspitzen kehrten sich nach unten, fuhren abwärts zwischen die Schenkel und zwängten sich in den mit allerlei Flitterzeug besetzten Schritt. Die Frau mit dem Verlobten in Damenunterwäsche musste die Beine etwas spreizen, um ihre Hände unterzubringen.
    Ich nahm die Finger weg. Ich wollte mit meinen Lenden nichts erschaffen, jedenfalls nicht, solange ich noch unverheiratet war. Ja, großer Gott, wozu hatte ich denn sonst die letzten elf Jahre die Pille genommen? Vermochte die Göttin nichts vorzuschlagen, das man per Hirn oder Herz erschaffen konnte? Oder mit den Händen? Hauptsache, man lässt mir meine Gebärmutter in Ruhe, zumindest, bis ich einen Ehemann geangelt

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