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Wuesten - Tierparadiese unserer Erde

Wuesten - Tierparadiese unserer Erde

Titel: Wuesten - Tierparadiese unserer Erde
Autoren: Bertelsmann Lexikon
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Hecheln von entscheidender Bedeutung: Als wechselwarmes Tier kann er seine Körpertemperatur nicht selbst regulieren. Bei einer Außentemperatur von 45 °C ist der Körper nur geringfügig kühler, was für das Gehirn tödlich wäre. Durch das Hecheln bleibt das Gehirn aber fast 3 °C unter der Umgebungstemperatur. Der Vorteil des Hechelns gegenüber dem Schwitzen ist, dass das Tier hierdurch keine Elektrolyte verliert. Schweiß enthält hingegen sehr viel Salz und der durch Schwitzen hervorgerufene Salzmangel muss über die Nahrung wieder ausgeglichen werden.
    Die dritte Methode, das Einspeicheln des Fells durch Belecken der Gliedmaßen, ist bei vielen australischen Beuteltieren und bei Nagern weit verbreitet. Im Vergleich zum Schwitzen und Hecheln ist das Einspeicheln weit weniger effektiv und damit eine Notfallmaßnahme. Der Nachteil all dieser Kühlungsmethoden ist der damit verbundene Wasserverlust, der in der Wüste nur schwer auszugleichen ist.
    Blaues Blut
    Vögel haben gegenüber Säugetieren von Natur aus einen Vorteil, da sie eine allgemein höhere Körpertemperatur aufweisen und dadurch die Hitze besser ertragen können. Die höchste Temperaturtoleranz haben jedoch Schnecken, Gliederfüßer – zu denen Insekten, Spinnen und Krebstiere gehören – sowie Echsen und Schlangen. Insbesondere Vogelspinnen sind auf hervorragende Weise an die heißen Temperaturen angepasst. Sie haben anders als z. B. Säugetiere einen offenen Blutkreislauf, d. h., das Blut zirkuliert frei im Körper, nicht in speziellen Blutgefäßen, und sie besitzen einen anderen Blutfarbstoff: Hämocyanin statt Hämoglobin. Das Hämocyanin hat nicht nur eine außergewöhnlich blaue Farbe, sondern auch eine ungewöhnlich hohe Masse sowie einen speziellen Aufbau aus 24 Untergruppen. Jede dieser Gruppen unterscheidet sich minimal von den anderen und besitzt ein anderes Temperaturoptimum, so dass die Versorgung der Organe bis zu Temperaturen um 70 °C gewährleistet ist.
    Heißes Blut
    Manche hitzetoleranten Wüstentiere, insbesondere Vögel und Säugetiere, ertragen im Tageslauf Schwankungen der Körpertemperatur um mehrere Grad, man spricht in diesem Fall von einer heterothermischen Anpassung. Während des Tages steigt die Körpertemperatur bis zu einem Temperaturmaximum am späten Nachmittag an. Bei diesem Hyperthermie genannten Vorgang gibt der Körper länger Wärme ab, als dies bei normaler Körpertemperatur der Fall wäre. Sobald die Körpertemperatur geringer ist als die Umgebungstemperatur, nimmt der Körper zwangsläufig Wärme von außen auf. Die mit der Außentemperatur ansteigende Körperwärme reduziert also die Hitzeaufnahme, weil der Temperaturunterschied zwischen dem Tier und der Umgebung geringer ist. Dies spart gleichzeitig auch Wasser, da weniger Verdunstungskälte zur Temperaturregulation erforderlich ist. In der Kühle der Nacht kann die gespeicherte Wärme dann ohne Wasserverlust nach und nach wieder abgegeben werden.
    Natürlicher Wärmetauscher
    Normalerweise sind Körpertemperaturen über 42 °C für Säugetiere tödlich. Manche Antilopen, z. B. die Oryxantilope sowie Gazellen und andere Huftiere, können durch spezielle Mechanismen zur Temperaturregulation aber etliche Stunden lang eine Temperatur von 45 °C überleben. Nachts sinkt ihre Körpertemperatur dann bis auf 30 °C ab. Die hohe Temperatur ist vor allem für das Gehirn gefährlich, das deshalb durch einen speziellen Mechanismus geschützt werden muss. Der größte Teil des Bluts, welches das Gehirn versorgt, fließt in einer Arterie. Diese verzweigt sich unmittelbar vor Erreichen des Schädels in hunderte kleinerer Arterien, die sich vor ihrem Eintritt ins Gehirn dann wieder vereinigen. Durch engen Kontakt mit Venen, die von der Nase zurückströmendes und über die Atmung gekühltes Blut enthalten, wird das heiße Blut der Schlagader um 2–3 °C auf ein für das Gehirn unschädliches Niveau gekühlt. Werden die Tiere allerdings bei großer Hitze von einem Raubtier gejagt, steigt ihre Körpertemperatur durch die Anstrengung an, was dann zum Hitzetod führen kann.
    Fett als Wasserspeicher
    Da in vielen Wüsten oft monatelang kein Regen fällt, sind die meisten Tiere darauf angewiesen, das benötigte Wasser ganz aus der Nahrung zu beziehen. Nun enthaltenzwar auch trockene Pflanzen noch bis zu 65 % Wasser, dennoch reicht dies oft nicht aus. Deshalb gewinnen manche Nager, Antilopen und Kamele ihr Wasser metabolisch, d. h. durch den Abbau von Fettreserven. Bei der

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