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Wir sind was wir haben - Die tiefere Bedeutung der Dinge fuer unser Leben

Wir sind was wir haben - Die tiefere Bedeutung der Dinge fuer unser Leben

Titel: Wir sind was wir haben - Die tiefere Bedeutung der Dinge fuer unser Leben
Autoren: Annette Schaefer
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EINLEITUNG
    Warum die Beziehung zu Dingen so faszinierend ist
    D ie Beziehung zwischen Mensch und Ding hat mich schon immer fasziniert. Als mein Vater vor einigen Jahren überraschend verstarb, bestand eine meiner ersten Trauerhandlungen darin, Sachen, die er mir geschenkt hat oder die ihm gehörten, in einer »Erinnerungskiste« zusammenzutragen: Tuschezeichnungen, die er von einer Chinareise mitgebracht hat, eine Armbanduhr, die eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen an ihn ist, seinen Notizblock, in den er immer mit einem Drehbleistift schrieb. Mir kam es so vor, als würde ich mit diesen Objekten einen Teil von ihm in Händen halten.
    Wenn ich zu anderen nach Hause eingeladen werde, lasse ich mich gerne vom Krimskrams in ihren Wohnungen überraschen. Wer hätte gedacht, dass die Freundin, die immer so nüchtern wirkt, eine umfangreiche Sammlung alter Puppen besitzt? Oder dass der Kollege, der seit Jahren nicht mehr mit seinen Eltern spricht, seinen Kaminsims mit zahlreichen Kindheits- und Familienfotos bestückt hat?
    Gegenüber meinen eigenen Habseligkeiten habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Ich liebe viele Dinge, die ich besitze: den kleinen gelb-roten Parfümflakon aus Murano-Glas, der mich an einen romantischen Urlaub in Venedig erinnert; die Kommode im Apothekerstil, eines der ersten Möbelstücke, die mein Mann und ich gemeinsam gekauft haben; die abgenutzte Yogamatte, mit der ich schon um die ganze Welt gereist bin; die Aquarellfarben, mit denen ich zugegebenermaßen seit Jahren nicht mehr gemalt habe. Auf der anderen Seite habe ich ausgeprägte Feng-Shui-Züge. Ich kann es nicht leiden, wenn Schubladen und Regale überquellen, und es gelingt mir erst dann, an einem neuen Buch zu arbeiten, wenn die Materialien für das alte entsorgt sind. Schränke aufzuräumen ist für mich manchmal eine regelrechte Notwendigkeit. So wie es Tage gibt, an denen man morgens in den Spiegel schaut und weiß, heute muss ich zum Friseur, so kann mich auch von jetzt auf gleich die Ausmisteritis befallen. Es ist dieses Spannungsverhältnis aus Verbundenheit und Loslassen, das Besitztümer für mich persönlich so faszinierend macht.
    Aber in diesem Buch geht es um viel mehr als darum, ob man Sachen behält oder loswerden will. Wenn man sich der Frage nach der Bedeutung der Dinge für unser Leben systematisch nähert, stößt man auf vielschichtige und verblüffende Aspekte. Viele Menschen, mit denen ich über dieses Buchprojekt gesprochen habe, waren zunächst erstaunt zu hören, welches Spektrum an Themen es berührt und wie viel wissenschaftliche Forschung es dazu gibt. Dann fing fast jeder an, Bezüge zum eigenen Leben herzustellen und von seinen geliebten Objekten zu erzählen. Die Beziehung zu den eigenen Besitztümern ist ein Thema, das immer mehr an Tiefe und Vielfältigkeit gewinnt, je länger man sich damit befasst. Egal ob Kleinkind, Student, Mittvierziger oder Senior, jeder Mensch hat Gegenstände, an denen das Herz hängt. Das Verhältnis, das man zu Dingen pflegt, berührt zutiefst persönliche Fragen: Identität und Selbstbild, die soziale Zugehörigkeit, Lebensgestaltung und Lebensgefühl, die eigene Geschichte.
    Es gibt so viele interessante Aspekte, dass man fast gar nicht weiß, wo man anfangen soll: Ist die Liebe für ein Auto und die Trauer um einen verloren gegangenen Ehering mit den Emotionen zu vergleichen, die wir für Menschen empfinden? Warum ist es für Kleinkinder so wichtig, einen Lieblingsteddy oder ein Schmusetuch zu haben? Was geht in Menschen vor, die ihren Besitz durch Naturkatastrophen oder Diebstahl verloren haben? Wie verändert sich die Bedeutung von materiellen Objekten im Lebensverlauf? Welche Dinge sind für Frauen wichtig, an welchen Gegenständen hängen Männer besonders, und wie lassen sich die Unterschiede erklären? Auf welche Weise beeinflusst die moderne Konsumgesellschaft unser Verhältnis zu Dingen? Was passiert mit den Sachen eines Menschen, wenn sein Leben zu Ende geht, und wie geht ein Sterbender mit dieser Frage um?
    Die jüngste Wirtschaftskrise hat viele Menschen dazu gezwungen, ihren Konsum zurückzuschrauben. Mancher hat dabei festgestellt, dass die Einschränkungen, so schmerzlich sie zunächst schienen, auf die Psyche durchaus positiv wirkten. Solche Erfahrungen werfen weitere interessante Fragen auf: Wie viele Dinge braucht man für ein befriedigendes Leben? Welchen Unterschied macht es für das eigene Wohlbefinden, ob man viele oder wenige Sachen hat, mit

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