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Wir Kinder aus Bullerbü

Wir Kinder aus Bullerbü

Titel: Wir Kinder aus Bullerbü
Autoren: Astrid Lindgren
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    Brüder sind anstrengend
    Früher wohnten Lasse, Bosse und ich zusammen in einem Zimmer.
    Es war das rechte Giebelzimmer, das neben der Rumpelkammer liegt. Jetzt wohne ich in dem linken Giebelzimmer, das früher Großmutter gehörte. Aber davon will ich später erzählen. Manchmal ist es sehr schön, im selben Zimmer zu schlafen wie die Brüder. Aber nur manchmal. Es war schön, wenn wir abends im Bett lagen und uns Spukgeschichten erzähl ten. Aber es war auch unheimlich. Lasse weiß so schreckliche Spukgeschichten, dass ich lange, lange hinterher den Kopf unter das Deckbett stecken musste. Bosse kann keine Spukgeschichten erzählen. Er kann nur von all den Abenteuern reden, die er erleben will, wenn er groß ist. Dann fährt er nach Amerika, wo die Indianer wohnen, und wird Indianerhäuptling. Eines Abends, als Lasse so eine gräuliche Spukgeschichte von einem Gespenst erzählt hatte, das in einem Haus umging und alle Möbel umstellte, hatte ich solche Angst, dass ich dachte, ich würde sterben.
    Es war schon beinah ganz dunkel im Zimmer und mein Bett stand weit entfernt von Lasses und Bosses Bett.
    Und plötzlich begann ein Stuhl hin und her zu rutschen. Ich dachte, das Gespenst wäre in unser Haus gekommen und stellte die Möbel um und da schrie ich, so laut ich konnte. Gleich darauf hörte ich Lasse und Bosse in ihren Betten kichern. Und da hatten sie doch einen Bindfaden am Stuhl festgebunden und lagen jeder in seinem Bett und zogen an dem Bindfaden, dass der Stuhl hüpfte! Das sah ihnen ähnlich. Zuerst wurde ich furchtbar wütend, aber dann musste ich doch lachen.
    Wenn man mit seinen Brüdern im selben Zimmer wohnt und die Brüder größer sind als man selbst, darf man auch nie etwas bestimmen.
    Immer bestimmte Lasse, wann abends das Licht ausgemacht werden sollte. Wenn ich noch Bilder in einem Buch angucken wollte, verlangte Lasse, dass wir das Licht ausmachten und Spukgeschichten 7
    erzählten. Wenn ich müde war und schlafen wollte, wollten Lasse und Bosse lieber Bilderlotto spielen. Lasse kann in seinem Bett liegen und das Licht ausmachen, wann er will, denn er hat an dem Schalter, an dem man dreht, wenn man das Licht ausmacht, eine Pappscheibe befestigt und an der Pappscheibe ist eine Schnur, die zu seinem Bett führt. Es ist eine sehr merkwürdige Einrichtung, aber ich kann sie nicht richtig beschreiben. Denn ich will ja nicht Drehrumdiebolzen-Ingenieur werden, wenn ich groß bin. Aber Lasse will das werden, sagt er. Ich weiß nicht, was ein Drehrumdiebol-zen-Ingenieur ist, aber Lasse sagt, man muss Pappscheiben an Lichtschaltern anbringen können, wenn man so etwas Feines werden will.
    Bosse will Indianerhäuptling werden. Das hat er jedenfalls früher gesagt. Neulich hörte ich ihn jedoch sagen, dass er Lokomotivführer werden will. Vielleicht hat er es sich anders überlegt.
    Ich weiß nicht recht, was ich werden will. Vielleicht eine Mama.
    Denn ich mag ganz kleine Kinder so gern. Ich habe sieben Puppen, deren Mama ich bin. Aber es wird nicht lange dauern, bis ich zu groß bin, um mit Puppen zu spielen. Oh, wie langweilig muss es sein, wenn man groß ist!
    Meine schönste Puppe heißt Bella. Sie hat blaue Augen und blondes, lockiges Haar. Sie schläft in einem Puppenbett mit rosa Kissen und rosa Laken, die Mama genäht hat. Als ich Bella einmal aus dem Bett nehmen wollte, hatte sie einen Schnurrbart und einen Backenbart. Lasse und Bosse hatten ihr den Bart mit einem Stück Holzkohle gemalt. Ich bin froh, dass ich jetzt nicht mehr mit ihnen in einem Zimmer wohne.
    Wenn man in Lasses und Bosses Zimmer aus dem Fenster guckt, kann man genau in Oles Zimmer hineinsehen. Er wohnt auch in einem Giebelzimmer und der Mittelhof und der Südhof liegen schrecklich dicht beieinander. Es sieht aus, als ob die Häuser sich gegenseitig schubsen, sagt Papa. Er meint, die Leute, die sie einmal gebaut haben, hätten etwas mehr Raum dazwischen lassen können.
    Aber das finden Lasse, Bosse und Ole nicht. Sie finden es gut so, wie 8

    es ist. Zwischen dem Mittelhof und dem Südhof ist ein Zaun.
    Mitten im Zaun wächst ein großer Baum. Es ist eine Linde, sagt Papa. Die Linde streckt ihre Zweige bis zu Lasses und Bosses Fenster und auch bis zu Oles Fenster. "Wenn Lasse und Bosse und Ole sich besuchen wollen, klettern sie nur durch die Linde. Das geht viel schneller, als wenn sie die Treppe hinunterlaufen, durch die Gartenpforte hinaus, zur nächsten Gartenpforte hinein und die Treppe hinauf.
    Einmal hatten unser Papa

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