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Wimsey 16 - Mord in mageren Zeiten

Wimsey 16 - Mord in mageren Zeiten

Titel: Wimsey 16 - Mord in mageren Zeiten
Autoren: Dorothy L. Sayers & Jill Paton Walsh
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Prolog

    Honoria Lucasta, Herzoginwitwe von Denver, an ihre amerikanische Freundin Cornelia, verehelichte Lambert B. Vander-Huysen, in New York.

    Bredon Hall
Duke's Denver, Norfolk
12. November 1939

    Liebe Cornelia,
    es ist wohl besser, wenn ich dir meinen gewohnten Weihnachtsbrief schon jetzt schreibe, denn natürlich zieht der Krieg den Postverkehr ein wenig in Mitleidenschaft. Man kann ja auch kein schnelles Vorankommen von Schiffen erwarten, die im Geleitzug unterwegs sind wie Schulkinder im Gänsemarsch – wie nervenaufreibend –, oder dass sie nach dem großen Kreis fahren (oder wie man für den direkten Kurs sagt), wenn die U-Boote sie mal hierhin, mal dahin scheuchen wie die Schnepfen … Wie dem auch sei, ich bringe meine Korrespondenz lieber früher hinter mich als erst im letzten Moment, wenn man den Kopf voll mit Weihnachtsbäumen hat – wobei die wahrscheinlich knapp werden dieses Jahr, aber wie ich schon zu unserer Dorfschullehrerin sagte: Solange die Kinder ihre Geschenke bekommen, ist es ih nen gewiss gleich, ob man sie an eine Konifere hängt oder an die Siegfriedleine. Im Übrigen lässt Denver in den Schonungen gerade eine Menge kleiner Tannen schlagen, und man ist gut beraten, ihn um eine zu bitten, ehe er alle an die Krankenhäuser geschickt hat.
    Was du da gehört hast, Cornelia, stammt ganz sicher von Göring oder Goebbels oder diesem Lord HawHaw: Der Stadtrand liegt keineswegs in Trümmern, und die Invasion, von der Oxford und Cambridge heimgesucht wurden, bestand aus nichts Schlimmerem als einer Horde junger Studenten von anderen Universitäten, meiner Meinung nach für beide Seiten nur gut, obwohl man mich darauf hinweist, dass die Flut von Fahrrädern in den Straßen eine rechte Landplage darstellt – das war aber doch nie anders. Butter und Kanonen haben wir reichlich, sollte es drauf ankommen, obwohl es immer heißt, sie wollen sie demnächst rationieren, so wie Hitler immer wieder erklärt, dass er demnächst losschlägt, nur tut er as nicht: genau wie in den Piraten von Penzance. Peter sagt, wenn er noch länger wartet, wird ihm das Publikum den Applaus verweigern und dass die Bombe von München vielleicht so etwas wie ein Buhruf war, aber wenn du mich fragst, konnte Klein Adolf in dem Bierkeller da nur auf etwas Hässliches stoßen, weil er es selbst mitgebracht hat. Wo wir gerade bei Peter sind – ich kann dir gar nicht sagen, wo er sich aufhält, weil er zu seiner früheren Tätigkeit zurückgekehrt ist, und was hier übers Außenministerium ankommt, ist immer ohne richtigen Absender. Ich bilde mir ein, er war vor einiger Zeit in der Tür kei, da hatte er was von gutem Kaffee geschrieben – einen anderen Ort, wo es so etwas gibt, kann ich mir nicht denken, den französischen Kaffee mag er nicht (zu viel Zichorie), und die anderen haben ja offenbar keinen, von uns abgesehen, aber dass er irgendwo im Ausland ist, steht fest, so lang, wie die Briefe unterwegs sind. Wo immer er auch war, da ist er jetzt jedenfalls nicht mehr, und deshalb denke ich, es muss die Türkei gewesen sein, denn offenbar hat man dort alles aufs Beste geregelt. Aber ich spekuliere freilich nur.
    Für die arme Harriet ist es sehr schlimm, dass man ihn so einfach fortbeordert hat, aber sie ist sehr vernünftig; das Haus in London haben sie zugemacht, und jetzt ist sie in Talboys, dem Bauernhaus der Familie in Hertfordshire, zusammen mit den Kindern. Ich lege ein Foto des kleinen Paul bei, er ist bald ein Jahr alt und Bredon eben drei: Wie die Zeit vergeht – und die Rangen von meiner Tochter Mary sind ebenfalls dort. Ich finde es sehr anständig von Harriet, dass sie auch noch die Kinder ihrer Schwägerin versorgt, aber sie sagt, es mache auch nicht mehr Umstände, als sich bloß um die eigenen zu kümmern. Du hörst vermutlich die vernarrte Großmutter heraus, aber es sind wirklich sehr liebe Kinder: Charles Peter, der mit seinen zehn Jahren Charlie genannt werden möchte, Mary, die alle Polly rufen, so wie früher ihre Mutter, und die kleine Harriet, erst drei, aber sehr verträglich. So oder so möchte ich meinen, es bedeutet eine Menge Arbeit für Harriet, aber auf diese Weise hat Mary Zeit für ihren Kriegshilfsdienst. Sie ist beim Luftschutz und kümmert sich um ihren Mann – du erinnerst dich doch an ihn, Charles Parker, Chief Inspector bei der Kriminalpolizei – er kann natürlich nicht aus London weg. Es scheint ihnen gut zu gehen, sie sind offenbar glücklich und sehr beschäftigt. Den guten

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