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William von Saargnagel und der purpurne Traum (Episode 1 - Eine besondere Begegnung)

William von Saargnagel und der purpurne Traum (Episode 1 - Eine besondere Begegnung)

Titel: William von Saargnagel und der purpurne Traum (Episode 1 - Eine besondere Begegnung)
Autoren: Alfons Th. Seeboth
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Prolog
    Kumuluswolken
     
    In Durham war es früh am Abend, und wie in vielen anderen großen Städten auf der Welt, zogen unerwartet schwere Gewitter auf. Wer den Himmel betrachtete, bemerkte sofort, dass sich eigenartige Kumuluswolken bildeten. Ihre Form ähnelte gewaltigen, furchteinflößenden Drachen, die Feuer spien. Die Blitze, die vom Himmel herabzuckten, waren feuerrot. Für die Mehrzahl der Menschen braute sich ein normales Gewitter zusammen. Sie schlenderten wie gewohnt umher oder machten sich auf den Weg zur Arbeit. Jedoch entging ihnen das Ungewöhnliche um ihnen herum. Der Himmel verdunkelte sich zunehmend. Einige wenige Menschen, die mit ihren Hunden spazieren gingen, blieben stehen und bestaunten gemeinsam mit ihren tierischen Begleitern das eigenartige Gewitter. Ihre Hunde verhielten sich äußerst merkwürdig. Aufgeregt hoben sie ihre Pfoten zum Himmel. Dabei stellten sie sich auf die Hinterläufe und jaulten laut. Es hatte den Anschein, als würden sie tanzen.
    Nur diejenigen, in deren Herzen die Magie lebte, sahen, dass es in Wirklichkeit keine Hunde waren. Bloß wenige Menschen waren dadurch in der Lage, diese Wesen zu erkennen. Sie sahen statt der verschiedensten Hunderassen die unterschiedlichsten Fabelwesen. Zum Beispiel Einhörner. Sie gelten als die reinsten der magischen Geschöpfe dieser Welt. Oder aber einen Wolpertinger, der, wie kein vergleichbares phantastisches Wesen, immer anders aussieht. Das sind jedoch bei Weitem nicht alle Fabelwesen, die man mit den richtigen Augen sehen kann.
    Während dieses schweren Gewitters gingen in Durham ein Mann und eine Frau mit ihren Fabelwesen am Fluss Wear spazieren. Neben dem Mann lief ein wunderschöner Greif. Dieser war groß, sein Kopf und die Vorderklauen waren die eines Adlers, und sein Hinterteil glich dem eines Löwen. Der Frau folgte ein Mantikor, der den Körperbau eines Löwen besaß, den Schwanz eines Drachen und die Flügel einer Fledermaus. Sein Löwenkopf war mit den Hörnern eines Stiers ausgestattet. Gemeinsam bestaunten sie das schwere Gewitter am Abendhimmel.
    »In diesem Land scheint auch niemals die Sonne, wenn ich zu Besuch komme. Ich erwische immer das typisch englische Wetter«, lachte der Mann und zupfte nachdenklich an seinem Zwirbelbart.
    Die Frau ignorierte seinen Kommentar und schaute ihn ernst an. »Kann man den Zeichen Glauben schenken?«
    »Ich fürchte ja, Manigunde! Sie sind eindeutig. Wir können nur hoffen und beten, dass er das Kind nicht findet, bevor wir es gefunden haben.«
    »Aber warum gerade jetzt? Viktor, ich verstehe es einfach nicht. Die Gefahr für das Kind war noch nie so groß wie zu dieser Zeit. Die Macht des dunklen Fürsten steigt erschreckend von Jahr zu Jahr.« Schulleiterin Manigunde Greenbeery schüttelte verständnislos den Kopf.
    »Warum es ausgerechnet jetzt passiert, solltest du in ein paar Jahren den Drachen fragen. Wobei ich glaube, dass dir die Antwort nicht gefallen wird. Du kannst dir jedoch sicher sein, dass der Drache weiß, was für ein Kind er auserkoren hat. Nicht umsonst hat es so lange gedauert, bis ein Großdrache sich ein Kind erwählt! Ich glaube, dass uns noch die eine oder andere Überraschung erwartet«, erklärte Schulleiter Viktor von Mühlenstein. »Aber als es begann, habe ich die Gefahren für das Kind und den Drachen erkannt. Ich habe die Großinquisitoren angewiesen, die Verstecke des dunklen Fürsten umgehend aufz usuchen. In diesem Moment sollten die Rapahner und Vampirjäger seinen Unterschlupf stürmen. Wobei ich vermute, dass der dunkle Fürst wiedermal entkommen wird. Jedoch werden heute Nacht eine große Anzahl seiner Anhänger gefangengenommen. Das wird ihn für eine Weile schwächen, hoffe ich.«
    »Das war eine äußerst kluge Entscheidung. Aber dein Entschluss, das Amt des Schulleiters der Schule Festung Rosenblut zu übernehmen, halte ich nicht für besonders klug. Nicht dass du keinen guten Schuldirektor abgeben würdest – nein, in so schweren Zeiten wärst du als Oberster Magistrat eine ausgezeichnete Wahl.«
    Beide blieben stehen. Schulleiter Mühlenstein lächelte und zupfte wieder an seinem Zwirbelbart herum. »Das mag alles richtig sein. Ich glaube jedoch, dass ich unserer Welt mehr von Nutzen bin, wenn ich das Kind und den Drachen im Auge behalten kann, ihnen das nötige Wissen vermittle. Sofern die beiden überhaupt in diese Schule kommen. Es ist noch völlig unklar, in welchem Land das Kind geboren wurde. Es gibt einfach keine Informationen,

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