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Wilder Engel (German Edition)

Wilder Engel (German Edition)

Titel: Wilder Engel (German Edition)
Autoren: Jeanette Sanders
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1
    D ie Landung verlief relativ unsanft. Um nicht zu sagen, hart. Härter als erwartet.
    Was Angies eigene Schuld war, wie sie zugeben musste. Sie hatte sich ein wenig zu früh zur Seite geneigt, um sich aus ihrer Wolke auf den Strand zu befördern.
    In ihren Instruktionen hatte es nur lapidar geheißen:
    1. Abwarten, bis Trägermaterial etwa 100 bis 120 Zentimeter über dem Erdboden schwebt.
    2. Sich wie in einer Hängematte zur Seite neigen.
    3. Beine über den Rand schwingen und abspringen.
    Keine sonderlich anschauliche Beschreibung, wie Angie fand. Immerhin befand sie sich zum allerersten Mal in der gewöhnungsbedürftigen Lage, als Engel auf die Welt zu kommen. Ohne vorherige Wiedergeburt und vorschriftsmäßige schrittweise Aufpäppelei. Nach dem Motto: vom Küken zum Schwan. Oder zur Ente. Je nachdem. Und deshalb bereits von Anfang an mit dem vollen Equipment ausgestattet – mit einem weiblichen Körper, dessen Bauteile angeblich auf die Bedürfnisse jedes durchschnittlich normalen Mannes zugeschnitten waren.
    Sie konnte sich auch nicht erinnern, jemals in einem ihrer vorangegangenen Erdenleben in einer Hängematte genächtigt zu haben.
    Was daran liegen mochte, dass sie sich eigentlich auch an gar nichts erinnern sollte !
    Man war in der oberen Etage nämlich einhellig der Meinung, es sei besser, die Abgesandten mit blanker Hintergrundleinwand – was so viel hieß wie: ohne eventuell störende Erinnerungen – zur Recherche antreten zu lassen.
    Was in Angies Fall offenbar nicht ganz klappen wollte.
    Jedenfalls überfiel sie jetzt, kurz nach der unsanften Landung – sie war letztendlich Hals über Kopf aus ihrem Trägermaterial gepurzelt – eine ziemlich heftige Erinnerung.
    Nämlich daran, dass sie schmerzlich so etwas wie Gepäck vermisste. Allem voran ein Ding namens Beautycase. Immerhin haftete eine größere Portion feinkörnigen Sandes an Angies rechter Wange. Genau dort, wo sie zuerst mit dem Gesicht den Strand geknutscht hatte. Wobei sie es keineswegs irgendwelchen Kirchenfürsten hatte nachmachen wollen, die gerne mal bei Landungen in fremden Ländern deren Schollen küssten.
    Sie erinnerte sich einfach nur überdeutlich daran, was eine Frau in ihrer Lage jetzt am dringendsten brauchte: ein zartes Kosmetiktüchlein, eine Feuchtigkeitscreme, eine Dose Puder-Make-up und eine Bürste für die Haare.
    Angie guckte sich um und fluchte schließlich laut. Auch dies anscheinend ein Überbleibsel aus ihren vagen Erinnerungen an frühere Aufenthalte auf der Erde.
    Im Osten begann bereits die Sonne aufzusteigen. Der Horizont verfärbte sich zusehends knallorange.
    Ein Anblick, den Angie früher geliebt und dementsprechend genossen hatte.
    Allerdings war sie da immer im Besitz einer Tasche odereines Rucksacks gewesen. Inhalt siehe oben. Unter anderem. Und fast immer in Begleitung. Männlicher Begleitung.
    Ihre Augen suchten den breiten Strand ab, der sich kilometerlang am Atlantik entlangschlängelte. Nichts. Keine Menschenseele war zu sehen. Nicht einmal ein streunender Hund.
    Sie sprang auf und klopfte sich den Sand von der Jeans. Dabei stellte sie fest, dass selbst in ihrem Bauchnabel, der kess unter dem knappen Bustier hervorlugte, Sand klebte. Anschließend untersuchte Angie ihre Hosentaschen.
    Hinten, an der rechten Pobacke, wurde sie schließlich fündig.
    Es war gar nicht so einfach, die beiden Chipkarten aus der Gesäßtasche zu ziehen, ohne sich dabei die Fingernägel zu brechen. Die verdammte Jeans saß eindeutig einen Tick zu eng! Das dumme Ding hatte Angie bereits auf der Anreise ordentlich zwischen den Beinen gekniffen.
    Immerhin bot sich ihr jetzt ein beruhigender Anblick. Sie hielt nämlich eindeutig eine Kredit- und eine Ausweiskarte in der Hand.
    Beide ausgestellt auf den Namen: ANGELA ENGEL.
    Angie nickte zufrieden.
    Sobald sie die nächste Ortschaft erreicht hatte, die laut den Instruktionen nur wenige Kilometer entfernt lag, würde sie sich an einen Bankautomaten begeben. Und anschließend, wenn die Geschäfte öffneten, in die nächste Boutique.
    Der wirkliche Pluspunkt an dieser ansonsten lächerlichen Abgesandten -Reise war eindeutig der, dass sie einkaufen konnte, bis die Schwarte krachte. Die Kreditkarte, so stand es ebenfalls in den Instruktionen, war unbegrenzt gedeckt!
    Jedenfalls so lange, wie Angie ihren Auftrag buchstabengemäß erfüllte.
    Was nicht allzu schwer sein dürfte.
    Warum laufen die Beziehungen zwischen den Geschlechtern auf dem Planeten Erde immer

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