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Wilde Glut - Singh, N: Wilde Glut

Wilde Glut - Singh, N: Wilde Glut

Titel: Wilde Glut - Singh, N: Wilde Glut
Autoren: Nalini Singh
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1
    Indigo wischte sich die Augen, sah aber kaum einen Sekundenbruchteil klarer. Mit unverminderter Wucht ergoss sich sintflutartiger Regen aus dem schwarzen Himmel, prasselte wie eiskaltes Trommelfeuer auf ihre Haut, schob sich wie ein undurchdringlicher Vorhang zwischen sie und den dichten Wald. Sie senkte den Kopf und machte Meldung durch das Mikro am klitschnassen Kragen ihres schwarzen T-Shirts. »Siehst du ihn?«
    Eine vertraute, tiefe Stimme antwortete ihr knapp: »Etwa einen Kilometer nordwestlich. Nähere mich von der anderen Seite.«
    »Ein Kilometer, Richtung Nordwest«, bestätigte sie zur Sicherheit. Gestaltwandler hörten außerordentlich gut, aber der Wolkenbruch trommelte so fürchterlich auf ihren Schädel, dass der Hightech-Empfänger in ihrem Ohr nur so brummte.
    »Sei vorsichtig, Indy. Er ist wild.«
    Unter normalen Umständen hätte sie geknurrt, weil er diesen lächerlichen Kosenamen benutzt hatte, aber im Augenblick hatte sie wirklich andere Sorgen. »Musst du gerade sagen. Dich hat’s doch schon erwischt.«
    »Nur eine Fleischwunde. Ab jetzt Funkstille.«
    Sie strich sich das Haar aus dem Gesicht und pirschte vorsichtig durch den dunklen Wald. Wenn sie Joshua fangen wollten, ohne ihm größeren Schaden zuzufügen, war es das Beste, ihn in die Zange zu nehmen – das hatte ihr Jagdgefährte ganz richtig erkannt. Indigos Magen zog sich zusammen. Sie würde den Jungen nur ungern verletzen. Der Fährtensucher, der ihm auf den Fersen war, wollte das ebenso wenig – das war auch der Grund, weshalb der Junge ihn, den so viel größeren Wolf, verwundet hatte.
    Aber wenn es ihnen nicht gelang, Joshua vom Abgrund zurückzureißen, würde ihnen nichts anderes übrig bleiben. Zorn und Schmerz wüteten so sehr in dem jungen Wolf, dass er sich dem Tier in sich ergeben hatte. Und der losgelassene Wolf hatte die Gefühle in wilde Wut verwandelt. Joshua war eine Gefahr für das Rudel. Doch noch war er einer von ihnen. Eher würde sie selbst verbluten oder in diesem Sturm untergehen, als Joshua zu töten, bevor nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft waren.
    Ein Zweig, dem sie im Unwetter nicht rechtzeitig hatte ausweichen können, ritzte ihre Wange.
    Spitz. Eisengeruch in der Luft. Blut.
    Indigo fluchte leise. Nun würde Joshua sie wittern, wenn sie nicht aufpasste. Sie hielt ihr Gesicht in den Regen, bis das Blut abgewaschen war. Aber die Wunde war immer noch offen, der Blutgeruch zu stark, um einem Wolf zu entgehen. Indigo ließ sich auf den Boden fallen und schmierte Schlamm auf den tiefen Schnitt. Ihre Heilerin würde ihr dafür sicher das Fell über die Ohren ziehen, aber der Geruch nach feuchter Erde überdeckte alle anderen Gerüche.
    Das würde reichen. Joshua war schon so hinüber, dass er den kleinen Rest Blut nicht wahrnehmen würde.
    »Wo steckst du?«, flüsterte sie kaum hörbar. Joshua hatte bisher niemanden versehrt oder getötet. Sie konnten ihn noch zurückbringen – falls sein Schmerz, der an der Schwelle zum Erwachsensein so überwältigend war, es ihm gestatten würde.
    Wind peitschte durch den Wald … und brachte die Witterung ihrer Beute mit. Indigo lief schneller, verließ sich auf die Augen ihrer Wölfin, die andere Hälfte von ihr konnte im Dunkeln besser sehen. Die Witterung wurde immer deutlicher, dann hörte sie Wolfsgeheul.
    Wütendes Knurren, das Schnappen von Zähnen und der stechende Geruch nach Eisen.
    »Nein!« Indigo rannte so schnell sie konnte, immer mit einem Ohr beim Kampf sprang sie über umgestürzte Baumstämme und schlammige Fluten, ohne sie überhaupt wahrzunehmen. Etwa zwanzig Sekunden später war sie vor Ort, doch es kam ihr vor wie ein ganzes Leben.
    Ein Blitz erhellte den Himmel über der kleinen Lichtung, auf der zwei Gestaltwandlerwölfe sich im Kampf ineinander verbissen hatten. Als es wieder dunkel wurde, waren beide zu Boden gegangen, aber Indigo verlor sie nicht aus dem Blick, ihre Augen kannten nur ein Ziel.
    Das silberne Fell des Fährtensuchers war fast schwarz vor Nässe, er war größer, aber der kleinere Wolf mit dem rötlichen Fell hatte die Oberhand – denn der Jäger hielt sich zurück, war nicht darauf aus, zu töten. Die vor Nässe triefende Kleidung klebte Indigo so fest am Leib, dass es zu lange gedauert hätte, sie auszuziehen, deshalb verwandelte sie sich auf der Stelle. Sengender Schmerz und überbordende Freude durchfuhren sie, während die Kleider in Fetzen davonflogen. Im Funkenregen stand eine drahtige Wölfin, der man ansah, wie

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