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Wie es euch beliebt, Madame

Titel: Wie es euch beliebt, Madame
Autoren: Terri Brisbin
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PROLOG
    Paris, Ile-de-France, im Jahre des Herrn 1151
    „Wer immer ihm den Beinamen ‚der Schöne‘ gab, er hat recht damit getan.“
    Aliénor, Herzogin von Aquitanien und Königin von Frankreich, versuchte die Bemerkung zu überhören, die eine der vielen Frauen an Louis’ Hof hinter ihr geflüstert hatte, doch es war nicht leicht, die Wahrheit zu ignorieren. Die nächste Bemerkung erregte ihre ganze Aufmerksamkeit.
    „Es heißt, sein Sohn sucht eine Frau.“
    Mochte Gott ihr verzeihen, aber sie drehte sich nach den beiden Männern um, die an der Seite von Louis’ Saal standen und darauf warteten, dass die Reihe an ihnen war, mit dem König zu sprechen. Sie setzte sich gerade hin, zog ihren Schleier zurecht und strich sich das Kleid glatt. Vater und Sohn waren auffällige Exemplare perfekter Männlichkeit: erfahrene Krieger, erprobte Anführer, mit mehr als ansehnlichen körperlichen Vorzügen. Und sie wirkten zornig, was ihre Ähnlichkeiten und auch ihre Verschiedenheiten betonte. Aliénor sah zu, wie sie ihre Verbündeten um sich scharten und die Angelegenheiten besprachen, die sie nach Paris und zum König von Frankreich geführt hatten.
    Aliénor überlegte, und ihr fielen zwei Dinge ein, die Geoffroy, den zuweilen verbitterten Graf von Anjou, und Henri, seinen Erben, an den Hof geführt haben konnte. Henri sollte offiziell zum Herzog der Normandie ernannt werden, während Geoffroy einen Verwalter des Königs zur Rechenschaft ziehen wollte, dem er vorwarf, die Marschen des Anjou zu plündern.
    Kämpferische Worte von einem Krieger, einem Mann, der in dieser Angelegenheit vom König Gerechtigkeit erwartete.
    Sie fragte sich, ob das wohl klug war. Louis neigte dazu, sich mit Eustace de Blois zu verbünden, und da Henri sicherlich als nächstes Anspruch auf den englischen Thron erheben würde, war Eustace sein Rivale. Das Haus Anjou stand nun unter der Sanktion der Kirche wegen der Art und Weise, wie sie Louis’ Verbündeten behandelt hatten, etwas, von dem die geistlichen Ratgeber des Königs hofften, es würde den Grafen dazu bringen, ihn freizulassen. Doch anstatt so zu reagieren, wie die meisten es tun würden, nämlich sich zu beugen aus Furcht um ihre unsterbliche Seele, hatte der Graf nur die Strafe hingenommen und den alten Priester, der seine Exkommunikation verlangt hatte, weiterhin herausgefordert!
    Aliénors eigener Ratgeber, Godfroi de Poitiers, hatte die komplizierten Hintergründe mit ihr durchgesprochen, denn Anjou und Poitou waren historisch betrachtet entweder Feinde oder Verbündete, und Godfroi kannte die Ereignisse genau. Dennoch standen Geoffroy und Henri nun hier und forderten Louis mit ihrer Anwesenheit geradezu heraus.
    Zu Beginn ihrer Ehe hätte Aliénor nicht gezögert, Louis in einer Angelegenheit wie dieser ihren Rat zu erteilen, doch jetzt war alles anders. Ihre eigenen Ratgeber suchten nach einem Weg, ihre Ehe zu beenden, und alles, was sie tat oder sagte wurde ad infinitum und ad nauseam überprüft. Aliénor sah ihre Tochter Marie an und bemerkte, dass auch sie die Angeviner bewunderte. Als sie sich umsah, fiel ihr auf, dass keine Frau im Saal, abgesehen von drei älteren Nonnen aus der Abtei, die sie und Louis finanzierten, sich auch nur eine Bewegung von Vater und Sohn entgehen ließ.
    Eine Ehe zwischen Marie und Henri war bereits abgelehnt worden, weil Abbé Bernard erklärt hatte, sie wären zu eng miteinander verwandt. Während sie die Reaktion ihrer Tochter beobachtete, fragte sich Aliénor, ob diese die Hoffnung tatsächlich aufgegeben hatte oder die romantische Vorstellung einer verlorenen Liebe verfolgte. Als der Mann eintrat, der diese Ehe verhindert hatte, verstummte die Menge, und er hinkte zwischen den Wartenden hindurch.
    Nachdem Abbé Bernard das Podest erreicht hatte, drehte er sich um, segnete die Anwesenden, drehte den Angevinern jedoch absichtlich den Rücken zu. Jetzt wurden Beschwerden und Unmut laut, bis Louis die Hand hob und die Menge zum Verstummen brachte. Da sie seine rückhaltlose Bewunderung für jedes Wort kannte, das der Abbé äußerte, und seine natürliche Abneigung gegen den Grafen und seinen Erben, wunderte sie sich über Louis’ Entscheidung, die Sache mit der Sanktion öffentlich anzuhören.
    Endlich stand Louis auf und winkte seinem Kanzler zu, der die Männer zu seinem Arbeitszimmer führte, wo der König mit ihnen sprechen konnte. Aliénor erhob sich und beschloss, den König zu begleiten. Diese Angeviner waren interessant, und nun,

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