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Wie es dem Glück beliebt

Wie es dem Glück beliebt

Titel: Wie es dem Glück beliebt
Autoren: Alissa Johnson
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Prolog
    1796
    Später würde es heißen, der Herzog von Rockeforte habe einen guten Tod gehabt. Einen wirklich sehr guten.
    Die Art und Weise seines Todes beschäftigte den Herzog momentan weit weniger als der Umstand, dass er – vorerst – noch im Sterben lag, also noch nicht völlig tot war. Das bedeutete wohl, dass ihm noch die Zeit für einige letzte Worte blieb. Und da sein lieber Freund, der einzige Zeuge seines vorzeitigen Dahinscheidens, so furchtbar düster dreinblickte, vielleicht auch noch für einen letzten Spaß.
    »Ein gutes Leben hatten wir, alter Mann, ein gutes Leben.«
    Eine warme Hand legte sich auf die seine. »Spar dir deine Kraft, Rockeforte.«
    »Das habe ich getan, und zwar genau für diesen Augenblick.«
    »Welchen Augenblick?«
    »Den Augenblick, in dem der Sterbende jemandem … der zufällig am Bett steht … immens unbequeme Versprechen … abringt.«
    Sein Freund lächelte über diese Worte. »Sag mir, was ich tun soll.«
    »Meine Kinder … gib auf sie acht.« Er hielt inne und stieß ein schwaches Lachen aus. »Du solltest deinen Gesichtsausdruck sehen, alter Mann … Keine Sorge, ich weiß, dass ich nur einen Sohn habe. Noch höre ich keine Harfen.«
    »Alexander.«
    Rockefortes Gesicht verzerrte sich durch einen Schmerz, der nichts mit seinen Wunden zu tun hatte. »Ja, Alex … Er wird nun allein sein … Er ist bereits … entschieden zu ernst … Sorg dafür, dass er sich die Zeit nimmt, das Leben zu genießen, glücklich zu sein.«
    »Betrachte es als erledigt.«
    »Die anderen …« Er hustete und wischte sich blutigen Schaum von den Lippen. »Keine Kinder meines Fleisches und Blutes … aber meines Herzens.«
    »Die Coles meinst du und Miss Browning?«
    Rockeforte nickte schwach. »Whit muss sich um seine Familie kümmern … Er wird es sich niemals verzeihen, wenn er … so endet wie sein Vater. Und die kleine Kate … muss ihrem Talent folgen … für die Musik.«
    »Ich werde dafür sorgen.«
    »Ihre Cousine Evie … sie wird es nicht leicht haben im Leben.«
    »Ich werde mein Bestes tun, um ihr den Weg zu ebnen.«
    »Mirabelle, der kleine Kobold … scharfe Zunge, aber …«
    »Ich weiß, ich werde auf sie alle achtgeben.«
    »Das weiß ich … danke … keine Männer mehr in der Familie … Whits Vater … zählt nicht.«
    Blut sickerte Rockeforte aus der Nase. Seine Atmung wurde unregelmäßiger, seine Stimme leiser.
    »Ruh dich jetzt aus«, drängte sein Freund.
    »Ein Letztes noch … versprich mir …«
    »Was soll ich dir versprechen?«
    »Versprich mir …«
    »Du brauchst nur zu fragen, mein Freund. Ich gebe dir mein Wort, ich werde dafür Sorge tragen.«
    »Versprich mir …«
    Sein Freund beugte sich vor, um die gewisperten Worte zu verstehen.
    Dann richtete er sich so schnell auf, dass ihm schwindelte. »Was soll ich tun?«
    Rockeforte lächelte schwach und zwinkerte. »Zu spät … du hast es versprochen, alter Mann.«

1
    1811, vor der englischen Küste
    Alle, die länger als zwei Wochen das Vergnügen von Miss Sophie Evertons Bekanntschaft hatten, waren der Meinung, dass seit Menschengedenken niemand auf so außerordentliche Weise wie sie von den Launen des Schicksals gebeutelt worden war.
    Man hielt es auch allenthalben für eine Schande, dass besagte Launen des Schicksals sich nicht darauf beschränkten, auf wohltätige Weise zu wirken, sondern sich vielmehr durch einen beständigen Ausgleich von Glück und Pech auszeichneten.
    Was Sophie bisher an Fügungen erlebt hatte, reichte vom unvermeidlich Banalen bis hin zum Wunderbaren oder schlicht Katastrophalen. Aber ausnahmslos jeder Glücksfall wurde mit einem Desaster bezahlt, und jedes Missgeschick durch einen Segen gemäßigt.
    In ihren vierundzwanzig Lebensjahren war Sophie beinahe die siebte Ehefrau eines Mannes geworden und hatte sich in Südamerika im Urwald verirrt. Vom Pfeil eines betrunkenen Jägers ganz zu schweigen, der ihr einen Arm glatt durchbohrt hatte.
    Andererseits war sie durch den unerwarteten Tod des heiligen Mannes, der die Hochzeitszeremonie vollziehen sollte, vor einer Ehe wider Willen bewahrt worden (ihr Verlobter hatte den Todesfall als böses Omen gedeutet und ihr ein halbes Dutzend gesunder Ziegen geschenkt, nur damit sie ging), sie hatte im Urwald zufällig einen bis dahin unbekannten – und glücklicherweise freundlichen – Stamm entdeckt und ein recht hübsches Stadthaus in einem der begehrteren Viertel Londons geerbt. Es war ein Vermächtnis des kinderlos und reuig

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