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Wie ein Hauch von Zauberblüten

Wie ein Hauch von Zauberblüten

Titel: Wie ein Hauch von Zauberblüten
Autoren: Heinz G. Konsalik
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wollen!«
    »Überlassen wir alles der nächsten Entwicklung«, sagte Oppermann müde. Der vergangene Tag hatte ihn angestrengt, trotz Herzinjektion, Vitaminspritzen und einem herrlichen Essen in der Lepra-Station von Rundu: Gespickter Rinderbraten mit Weißkohl und Kartoffeln. Mooslachner hatte sich dreimal den Teller füllen lassen und mit schäumendem, kaltem Bier nachgespült. »Ich klingele jetzt nach dem Kollegen Chefarzt. Passen Sie auf, Pater, was geschieht, wenn ich sage: Ich möchte zu meiner Frau Luba verlegt werden …«
    Es geschah nicht viel.
    Man rollte Dr. Oppermann hinüber in Lubas Zimmer. Der Chefarzt begleitete ihn. Auf dem Flur beugte er sich über Oppermann und fragte ihn leise:
    »War das nötig, mein Lieber?«
    »Ja. Ich liebe sie. Verstehen Sie das nicht?«
    »Sie geben uns da einen gewaltigen Kloß zu schlucken.«
    »Man wird ihn schlucken müssen, Herr Kollege. Oder ausspucken …«
    Luba saß im Bett, durch einige Kissen gestützt, und streckte beide Arme aus, als Dr. Oppermann ins Zimmer gerollt wurde. Ihre Schultern waren dick verbunden, aber sie hatte die langen Haare gekämmt und mit einem Band umschlungen, die Lippen geschminkt und sogar die Wimpern getuscht.
    »Luba!« sagte Oppermann und streckte ihr seine Hände entgegen.
    Der Chefarzt selbst schob Oppermanns Bett nahe an Luba heran und trat dann in den Hintergrund.
    »Ich habe auf dich gewartet«, sagte sie. »Du kommst spät …«
    »Die vielen Fragen und Besuche. Du glaubst gar nicht, wer alles bei mir war.«
    »Bei mir war niemand.«
    »Aber nun bin ich da!« sagte er laut, damit es auch jeder verstand. »Und ich bleibe bei dir. Für immer!«
    Er küßte ihre Hände, und sie streichelte seinen Kopf, beugte sich mühsam zu ihm und küßte seinen Mund.
    »Du hast es nicht geglaubt«, sagte sie leise. »Aber ich habe es gewußt! Du bist unbesiegbar geworden. Du hast die Zauberblüten gegessen.«
    Am Abend wurde Prusius' Haus besetzt und durchsucht. Die weiße Kolonie von Outjo war vor Entsetzen und Ratlosigkeit wie gelähmt.
    Prusius! Ausgerechnet Prusius! Unfaßlich! Unglaublich! Es gab einfach keine Worte mehr.
    Man fand natürlich keine Aufzeichnungen. Die Waffen im Keller konnten ebenso gut für die Verteidigung der Farmen bestimmt sein, wie zur Ausrüstung der geheimen Guerilla-Armee. Nichts deutete auf Prusius' Geschäfte hin, als die Tatsache, daß er mit seiner zweimotorigen Cessna verschwunden war.
    Die sofort einsetzenden Militäraktionen in dem einsamen Veld stießen ins Leere. Kein Lager war zu finden, nicht eine einzige Spur, nicht ein einziger Mensch. Olutonis Truppe blieb unbekannt und unentdeckt, aufgesaugt von der Weite des Landes.
    Major Henrici hatte es nicht anders erwartet.
    Am Vormittag noch war eine unbekannte Cessna in Angola gelandet, gleich jenseits der Grenze bei Lupala. Aber das wußte niemand. Olutoni war ausgestiegen, hatte dem schwarzen Piloten auf die Schulter geklopft und dann die auf ihn wartenden Offiziere umarmt.
    »Es ist nur ein kurzer Aufenthalt, Freunde«, hatte Olutoni gesagt. »Ich wollte euch das Flugzeug bringen. In spätestens zwei Tagen muß ich zurück nach Namibia.«
    Man fand auch Johann Prusius nicht. Er lag unter einem Dornbusch, tief genug, daß kein Schakal ihn wieder ans Tageslicht kratzen konnte. Ob der Busch verdorrte oder durch Prusius' Körper weiterlebte und neue Nahrung bekam, das fiel nicht auf in einer Steppe, die wohl kaum ein Mensch wieder betreten würde.
    In den Zeitungen, die spaltenlang von Dr. Oppermann und Pater Mooslachner berichteten, fehlte Luba Olutoni. Man verschwieg sie. Das war am einfachsten.
    Oppermann war ein Held geworden. Und Helden müssen blankpoliert sein.
    Drei Wochen später warteten Luba und Dr. Oppermann im Flughafen Strijdom von Windhoek auf ihr Einchecken zum Flug nach Frankfurt.
    Pater Mooslachner war schon wieder in Outjo auf seiner Mission und hatte Abschied genommen, indem er sagte:
    »Erholen Sie sich gut, Doktor! Entweder Sie sind bald wieder da, oder ich streiche für immer Ihren Namen aus meinem Gedächtnis! Verdammt noch mal – auch ich brauche Sie hier! Nun wissen Sie es, Sie – Spinner!«
    Dann hatte er sich umgedreht und war ohne einen Blick zurück davongestampft, gestützt auf zwei Krücken, mit dick verbundenen Beinen. Sie eiterten nun doch.
    Die Begleitung Oppermanns war klein. Kein Regierungsmitglied, kein Reporter, keine offizielle Delegation. Er war ein Fluggast wie jeder andere. Nur der Chefarzt war gekommen, mit einem

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